30.11.2025, 20:56
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.11.2025, 21:00 von Jonathan J. O´Neill.)
@ Ehre_Sei_den_Ori: Tja, macht auch dann das Verstehen/Nachvollziehen der Fortsetzung ab der 8. Staffel, hoffentlich sowohl für langjährige Mitleser, sowie für Neuleser dann leichter
.
Den "Danke-Button" habe ich auch schon vergeblich gesucht
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So, dann mal weiter mit der 1. Staffel, und deren Abschluss
Nächstes Wochenende, ab Freitag, geht es dann mit der 2. Staffel weiter
Höhere Ebene des Universums
Ebene der ewigen Auseinandersetzungen
Pausenlos zuckten mächtige Blitze auf dieser Ebene der Existenz, aber auch andere heftige Energieentladungen herrschten hier vor.
Es gab hier so einige Aufgestiegene deren Konflikte sie hierher gebracht hatten.
Doch man nahm von den anderen Paaren, die sich hier aufhielten keinerlei Notiz, denn zu tief und erbittert war man auf den jeweils eigenen Streit fixiert.
So auch Adria, die Orici der Ori und ihre Rivalin Ganos Lal, die man auf der Erde in der Artus-Sage auch unter den Namen Morgan Le Fay kannte.
Beide rangen bereits seit etwa anderthalb Jahrzehnten heftig miteinander, ohne das jemals den anderen überlegen sein könnte um den anderen zu vernichten und diese Ebene wieder zu verlassen.
Doch durch genau diese langen Kämpfe lernte man seinen Gegner immer mehr kennen, Schwächen und Stärken, Fehler und Erfolge, Erfahrungen und Irrtümer. Drang dadurch immer tiefer in die Vergangenheit der jeweils erbitterten Feindin vor.
Schließlich war die Antikerin auf etwas gestoßen, womit sie niemals gerechnet hatte. Zu gut hatte die Orici dieses Geheimnis bisher vor ihr verwahrt.
“Was hast du getan?”
“Tja, ich werde gewinnen”, lachte Adria, “denn mein Wille wird geschehen. Und sobald ich wieder stark genug als Göttin angebetet und verehrt werde - werde ich wieder frei sein! Somit stark genug wieder meinen rechtmäßigen Platz im Universum einzunehmen!”
Mit großer Genugtuung registrierte sie daher den entsetzten Gesichtsausdruck ihrer Gegnerin.
viele Jahre zuvor
Milchstraße
Merlins Verbannungsort
Mit knapper Not und der Hilfe von Daniel Jackson war SG-1 gerade noch rechtzeitig durch das Stargate entkommen. Schwer gezeichnet und mitgenommen vom Kampf mit der Orici war Daniel in die Hocke gegangen.
Sie hatte es zwar nicht geschafft SG-1 zu töten, doch dafür schritt Adria auf ihren Trostpreis zu. Sie erwog kurz zumindest ihn aus Rache zu töten, doch besann sie sich sofort, denn sie hatte sich an etwas erinnert, daher ging die Orici neben ihren wohl wichtigsten Gefangenen in die Hocke und wisperte leise in dessen Ohr: “Nein, mein Lieber, du wirst nicht durch meine Hand sterben - denn wir haben große Pläne mit Dir vor!”
Einige Wochen später
Ori-Flotte - Adrias Mutterschiff
Schnell hatte die Orici bemerkt, dass ihre Liebesnacht mit Daniel, nachdem sie diesen unter Drogen gesetzt hatte, erfolgreiche Frucht tragen würde. Daher musste sie schnell handeln, wobei ihr ihre gute Planung zugute kommen sollte, denn sie hatte vorgesorgt.
Unverzüglich rief sie nach einen der wenigen Priore, die in ihre Pläne eingeweiht waren.
“Göttliche Orici!”, murmelte er ehrfürchtig als er sich verneigte, nachdem er das Quartier betreten hatte.
“Mein lieber Eremitias. Ihr anderen alle verlasst nun diese Gemächer - auch meine Leibgarde!”, befahl Adria, die dann in der Tat solange wartete bis alle hinausgegangen und die Türen wieder verschlossen waren.
“Ich werde wie geplant schon sehr bald Daniel Jackson zu einem Prior machen, damit er uns hilft die Menschen dieser Galaxie auf dem Pfad des Lichtes und der Wahrheit zu führen. Denn dieser Freund meiner Mutter hat nämlich endlich erkannt, worum es geht. Doch bevor es soweit ist, müsst Ihr, die auserwählte Magd und ein Teil meiner Leibgarde fort. Ihr werdet zu einer langen Reise zu fernen Sternen aufbrechen, euer Ziel ist eine Galaxie, wo laut einiger Aufzeichnungen ebenfalls Menschen leben sollten. Es ist also ein wichtiger Auftrag, der euch alle zufällt und somit ein Geheimnis zu bewahren von welchem nur ihr wisst und sonst niemand - außer mir!”
“Euer Wille wird geschehen, o Orici! Denn ich werde euch ewig dienen.”
Adria lächelte wohlwollend den Prior an, und ergänzte: “Ich weiß Eremitias. So folge mir jetzt, damit wir den Glauben an den Pfad des Ursprungs noch weiter in das Universum tragen!”
Ohne ein Wort zu sprechen folgte der Mann seiner mächtigen Herrin in eine geheime Kammer. Dort hielt sich seit einiger Zeit eine schwangere Frau auf, die sich dem Willen von Adria vollkommen unterworfen hatte.
Erneut lauschte der Prior sehr genau den Worten und Anweisungen der Orici.
“…deswegen habe ich diese Magd für diese Aufgabe auserwählt ohne jegliche Gefahr für meine Blutlinie um diese fortzuführen, damit ich in dieser Galaxie meine Rolle erfüllen kann.”
“Ich verstehe und werde es genauso ausführen, wie Ihr es mir aufgetragen habt.”
“Sehr gut. Doch nun müsst ihr unverzüglich ins ferne Sternenmeer aufbrechen, Eremitias!”
“Wie Ihr befiehlt!”
Abermals lächelte Adria ihn, und auch die Magd an, und rief dann nach den auserwählten Männern und auch Frauen, die zu ihrer Leibgarde gehörten.
“Ihr wisst alle was zu tun ist. Ihr werdet in einer fernen Welt eine Kolonie gründen, sobald die Zeit gekommen ist! Und nun, geht!”, ordnete die Orici an.
Sogleich machten sich die Gruppe der Auserwählten auf den Weg zu den Hangars des Ori-Mutterschiffes.
Im Hangar stand das bereitgestellte Shuttle schon seit einigen Tagen zur Verfügung, denn es war eines welches von Adria persönlich des Öfteren genutzt wurde. An Bord fanden der Prior Eremitias und die anderen alles exakt genauso vor, wie es die Orici ihnen allen gesagt hatte.
Auch waren die Zielkoordinaten bereits in den Bordcomputer eingespeichert, und somit war die Besatzung an Bord nur noch für die wichtige Fracht verantwortlich.
Durch das Fenster ihres Quartiers aus, sah Adria zufrieden das das kleine Raumschiff gestartet und kurz darauf im Hyperraum verschwunden war.
Später verlangte die Orici endlich Daniel Jackson zu sehen, um diesen wie geplant in einen Prior zu verwandeln.
einige Wochen später
Sternbild & Andromeda-Galaxie
Messier 110 alias NGC 205 alias Andro-Alpha-Galaxie
Hyperraum < = > Zielwelt: Planet Heraclia
Es war ein langer Flug für die Besatzung an Bord des kleinen Raumschiffes gewesen, welcher sich den Ende zuneigte. Ein akustisches Signal hatte dies allen signalisiert.
Schon kurz darauf wurde der Hyperraum verlassen. Seit Wochen hatten alle nur hin und wieder aus eines der vorhandenen Fenster geschaut, wo sie Sterne und Galaxien an sich vorüberhuschen sahen - doch nun blickten sie gespannt auf das Planetensystem vor sich.
Der Autopilot steuerte das Shuttle auf einen Planeten zu, auf welchen es laut der Daten, die man empfing kein Sternentor existierte. Einige Kilometer vor der Atmosphäre des Planeten schaltete sich der Autopilot ab, und Eremitias steuerte das Raumschiff von nun an mit der Kraft seiner Gedanken.
Nach einem langen Erkundungsflug setzte der alte Prior in einem großen Waldgebiet in einer zerklüfteten Bergregion zur Landung an. Hier waren sie gut verborgen vor den Augen der einheimischen Bewohner dieser Welt.
Die Besatzung verlor keine Zeit, und wer nicht zur Wache eingeteilt war, half dabei die Anweisungen von Adria umzusetzen. Der Aufklärungstrupp der Leibgarde beobachtete mit großem Interesse das kriegerische Treiben der Menschen, die auf diesen Planeten zu Hause waren. Davon berichteten sie allen anderen sehr ausführlich.
Die Zeit verging rasch und als alle Anordnungen, die die Orici in Auftrag gegeben hatte, kam für die von ihr auserwählte Magd die Zeit ihrer Niederkunft.
Es trat genauso ein wie es die Orici allen prophezeit hatte, denn die Magd gebar zuerst ein Mädchen und kurz darauf noch einen Jungen. Wenige Stunden nach der Entbindung starb diese, weil sie zu erschöpft war. Der Prior tröstete sie als sie im Sterben lag und damit die Frau nicht litt, versetzte er jene in einen tiefen Schlaf.
Mit der anschließenden Beisetzung ehrten ihre Weggefährten sie mit großem Respekt, ehe der Prior den aufgeschichteten Holzstapel mit dem Leichnam mit seinem Stab entzündete.
Auf den Tag darauf teilte der Prior die Leibgarde wie von der Orici aufgetragen auf. Eine Hälfte blieb bei ihm. Er versetzte die Männer und Frauen in einen tiefen Schlaf indem er sie alle in Statuen verwandelte. Die andere Hälfte schickte er fort, um für den Sohn der Orici eine Pflegefamilie suchen zu lassen. Und sobald die Soldatinnen und Soldaten der Leibgarde ihre Mission erfüllt haben würden, würden auch sie sich in Statuen verwandeln, wofür sie aber von einem Trank trinken mussten.
Derweil zog Eremitias umher um für das erst vor wenigen Tagen geborene Mädchen eine geeignete Pflegefamilie zu finden. Der Prior musste nicht lange suchen. Schließlich fand er, wonach er gesucht hatte und legte den Korb mit dem Mädchen vor der Tür eines Hauses ab.
Kaum hatte er dies getan, verneigte er sich ehrfürchtig und zog sich dann in den Wald zurück um dort als Einsiedler zu leben und von dort aus über die Kinder wachen zu können.
Es war früh am Morgen und die Sonne war noch nicht ganz zu sehen als sich die Tür öffnete. Der Hausherr, dem das Haus und das Farmland gehörte und gerade eben wie jeden Tag zu dieser Stunde sich zu seinem Kontrollgang aufmachen wollte, stutzte sofort als er den Korb zu seinen Füßen sah.
“Na da soll mich doch… Schatz! Komm doch bitte mal her”, rief er laut hinein als er sich nach hinten umwandte.
“Was gibt es denn mein lieber Gemahl?”
“Komm einfach her, und siehe selbst.”
Mit einem leicht gestressten Gemurmel trat sie an ihn heran: “Also was gibt es das Du hier so einen Aufstand am frühen Morgen machst?”
Zur Antwort deutete er nur nach unten.
Sie folgte der Geste und stieß: “Oh ihr Götter!” - hervor als sie das kleine Kind im Korb vor sich liegen sah.
Wie lange hatten sich diese beiden schon ein Kind gewünscht - und nun lag eines vor ihnen. Für beide war es ein Zeichen der Götter, welche sie nun endlich erhört hatten.
“Tja, ich würde sagen… wir kümmern uns erst einmal um Dich!”, brummte ein sich bückender Alexander, der den Korb hochhob um ihn ins Haus ins Warme zu tragen. Er stellte ihn auf einen Tisch in der großen Stube des Hauses ab. Seine Gemahlin Eve übernahm die sehr sorgfältige Untersuchung des Neuankömmlings und stellte erleichtert fest: “Es ist ein Mädchen! Wir haben also von den Göttern eine Tochter geschenkt bekommen! Das wichtigste. Sie scheint bei perfekter Gesundheit zu sein… und um den Hals befindet sich eine Kette… auf dem Stein hier ist ihr Name eingraviert worden: Adriana. Adriana heißt du also. Was für einen schönen Namen du hast!”
Die beiden konnten ihr Glück immer noch kaum fassen, und während Eve die kleine Adriana in ihren Armen wiegte, untersuchte Alexander den Inhalt des Korbes sehr genau.
“Hm”, brummte er, “wie es aussieht muss die Kleine von adliger Herkunft sein…”
“Woraus schließt Du das? Was befindet sich denn noch so in diesen Korb?”
“Anhand des Heftes von diesem Dolch und den Ledergürtel hier, einem Buch, sowie diesen Kostbarkeiten hier - so etwas haben nur die Personen in der Oberschicht”, lautete die Antwort ihres Gemahls, der alles auf dem Tisch ausgebreitet hatte.
“Da gebe ich Dir Recht… kleine Gold- und Silberbarren, und das dort muss Kupfer oder Bronze sein, sowie einige Beutel mit Edelsteinen. Und was ist das da?”
“Eine Schriftrolle vermute ich.”
“Schlauberger! Spann mich nicht auf die Folter! Was steht drin?”
“Tja”, brummte er lächelnd, “es beginnt mit einer Grußformel, der Namen des Kindes, enthält Bitten und Anweisungen was zu tun ist damit Adriana ihren Platz einnehmen kann. Vermutlich um die Stelle ihrer Mutter als Herrscherin einzunehmen. Genaueres dazu steht leider nicht drin. Dann am Schluss eine Segensformel.”
“So, ich lege die kleine Adriana erst einmal in ihr Körbchen und lese die Schriftrolle selber noch einmal durch, weil Du mal wieder sehr sparsam mit Deinen Worten warst…”
“Ist gut. Und ich werde dann mal meinen Rundgang auf dem Hof machen”, erklärte Alexander, der Eve die Schriftrolle aushändigte.
“Die Kleine muss in der Tat von sehr hoher Geburt sein. Wir werden Adriana behüten, als wäre sie unser eigen Fleisch und Blut!”, legte Eve fest, ehe ihr Mann aus dem Hause nach draußen trat, als sie begonnen hatte sehr aufmerksam in der Botschaft zu lesen.
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Die darauffolgenden Jahre vergingen schnell und die kleine Adriana wuchs heran. Doch blieb der Schoß von Eve nicht mehr länger verschlossen, denn sie konnte sich gemeinsam mit ihrem Gemahl Alexander 2 Jahre nachdem sie Adriana als ihr Kind angenommen hatten, über eine weitere Tochter, der sie den Namen Egeria gaben, freuen.
Als Adriana alt genug geworden war, stellte ihr Pflegevater erstaunt fest, wie gut sie mit den Tieren, insbesondere mit den Schafen, Pferden und Hunden umzugehen verstand.
Dies führte dazu dass er sie mit zum Schafe hüten mitnahm, was zeitweise auch sein Bruder übernahm. Parallel dazu bildeten die drei einige Schäferhunde aus, welche Adriana später unterstützen sollten.
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Es waren wieder einige weitere Jahre vergangen, und es zeichnete sich an der Figur von Eve ab, dass jene ein weiteres Kind erwartete. Deswegen hielt sie sich überwiegend in der Nähe des Hauses auf. Sie hatte sich an den Tisch gesetzt um das Gemüse zu putzen, als sie nach Adriana rief: “Liebling! Dein Vater hat etwas für Dich!”
“Ich komme”, hallte es von draußen her.
Nur wenige Sekunden waren verstrichen und Adriana eilte zu den beiden ins Haus.
Alexander räusperte sich kurz, dann schritt er zu einem Schrank, bückte sich hinab zu den Korb und hob etwas auf. Es war der Gürtel mit dem Dolch.
Das Mädchen machte große Augen: “Ist der etwa für mich?”
“Ja, er gehört Dir. Nach unseren Kalender wirst du morgen elf Jahre alt, und gemäß der Botschaft solltest du dies hier für genau dieses Lebensjahr erhalten. Bedenke aber, das hier ist eine Waffe und kein Spielzeug, das bedeutet: Nutze ihn nur zur Verteidigung und Abwehr - also zu Deinem Schutz!”, schärfte Alexander seiner Tochter ein.
“Also wird mich wohl Onkel Philip nicht länger begleiten”, erkannte Adriana.
“So ist es. Außerdem hast Du die drei guten Schäferhunde: Helena, Hector und Paris, sowie mein vollstes Vertrauen!”
“Ich danke dir, Vater”, entgegnete sie mit Tränen in den Augen als sie ihn umarmte. Dann legte sich das Mädchen den Gürtel um, während ihre Mutter aufstand um ihr einen Beutel zu reichen.
“Hier mein Kind. In diesen Vorratsbeutel ist Verpflegung für Dich und die Schäferhunde.”
“Danke Mutter.”
“Pass auf Dich auf!”
“Das werde ich.”
“Ich begleite dich noch ein Stück Adriana”, erklärte Alexander, der schon länger wusste dass seine Pflegetochter ein ausgezeichnete Hirtin war.
Nach einem Fußmarsch von einer guten Stunde hatten sie den aktuellen Weideplatz mit der Schafherde von etwa drei Dutzend Tieren erreicht. Schon vor der Ankunft hatte sich Alexander auf den Rückweg zu seinem Hof gemacht.
Somit war die junge Adriana allein mit den drei Schäferhunden und der Schafherde. Die Sonne stieg immer höher. Um die Mittagszeit suchte sie deswegen ihren Lieblingsplatz unter einer schattigen Weide an einem Bach auf, welche auf einen kleinen Hügel stand.
Nach und nach rief sie dann ihre Hunde zu sich, angefangen bei Helena um ihnen nacheinander ihr Fressen zu geben. Den Hirtenstab hatte sie griffbereit neben sich auf den Boden abgelegt, als sie mit dem Füttern der Hunde fertig war, und sich selber was aus der Vorratstasche herauszusuchen begann. Das Mädchen hatte vor ihre Mahlzeit zu sich zu nehmen und nebenbei etwas in dem Buch zu lesen. Im Augenwinkel bemerkte sie eine schleichende Bewegung.
´Das darf doch nicht wahr sein, oder!´, dachte sie als sie die schäferhundgroße Kreatur bemerkte, die sich an eines der Lämmer heranpirschte.
Sie sah sich auf den Boden um auf dem sie Platz genommen hatte, es lagen hier verstreut einige faustgroße Steine herum. Schnell hob sie einen der Steine auf, und schrie: “Lass meine Tiere in Ruhe, du verdammtes Vieh!”
Sie schleuderte den Stein, der das Raubtier schmerzhaft an der Flanke traf. Knurrend wandte es sich dem Mädchen zu, das aufgestanden war und den Hirtenstab in der linken Hand hielt und in der rechten den Dolch.
Doch zum Glück hatten auch ihre drei Hirtenhunde endlich auf den Eindringling reagiert, der eingekreist und letztendlich mit wilden gezielten bösen Bissen verjagt wurde.
“Komm ja nie wieder!”, rief Adriana dem geschundenen Raubtier hinterher, welches sich jaulend in Sicherheit gebracht hatte.
Beruhigend mischte sie sich unter die Schafe, hielt aber ihren drei Hunden eine kleine Predigt: “Was soll das Paris? Du warst am dichtesten dran - schäm dich!” - tadelte sie den Rüden am Ohr ziehend.
Als die Sonne sich senkte machte sie sich auf den Rückweg. Und daheim auf dem Hof angekommen erzählte sie von ihren ersten Tag.
Früh am nächsten Tag steuerte Adriana die gleiche Weide an. Ehe sie sich einen Platz suchte, machte sie zunächst einen Rundgang und suchte nach verräterischen Spuren von Raubtieren. Sie fand zu ihrer Erleichterung keine.
Wieder zur Mittagszeit waren zuerst Helena, Hector und Paris mit ihrem Futter dran. Dieses Mal wartete das Mädchen bis die Hunde mit dem Fressen fertig waren, dann mahnte sie die drei: “He! Aufpassen! Passt ja auf!”
Aber Adriana selbst war wachsam als sie in der Vorratstasche suchte, denn sie schaute sich immer wieder den Waldrand an. Mit einem Lächeln holte sie einige Scheiben Brot, etwas Schinken und Käse heraus. Irritiert schaute sie noch abermals hinein und atmete erleichtert durch, denn ihre Mutter hatte an das Obst gedacht, obwohl es gestern Abend schon so spät war als sie diese Bitte geäußert hatte.
Adriana hatte erst einige Bissen zu sich genommen als sie unvermittelt die verzweifelten Hilferufe und Schreie eines anderen Mädchens vernahm. Sie kamen von ganz in der Nähe. Fieberhaft dachte das Hirtenmädchen kurz nach.
“Die Steilwand!”, fiel ihr ein, als sie alarmiert aufsprang, alles schnell wieder im Beutel verstaute. Dann hob sie ihren Hirtenstab auf, eilte in Richtung der Steilwand los.
Ihre drei Hirtenhunde folgten ihr sofort, daher wandte sie sich um: “Nein! Nein! Helena, Hector, Paris - bleibt bei der Herde!”
Mit treuen Blicken wurde sie kurz angeschaut, doch die drei verstanden die ihrigen, die Gesten und Worte und wandten sich den Schafen zu um diese zu bewachen.
Alleine eilte Adriana weiter durch das Dickicht des Waldes den Rufen des anderen Mädchens zu, das immer mehr an Halt verlor und immer weiter nach unten zu rutschen drohte. Das weiche Erdreich an welches es sich mit aller Kraft versuchte festzuhalten gab immer mehr nach.
Überraschend für sie waren auf einmal zwei Hände da, die etwas kleiner waren als ihre eigenen, und beherzt zugriffen.
“Habe Dich!”, rief eine Stimme über ihr.
Mit großer Kraftanstrengung zog Adriana und das andere Mädchen trat mit aller Kraft in die weiche Wand um Halt zu finden. Diese gemeinsame Kraftanstrengung führte zu dem Erfolg.
Schweißgebadet und erschöpft von diesem gewaltigen Kraftakt sanken beide in das Gras nieder. Beide atmeten mehrere Minuten erst einmal schwer durch.
“Für deine Körpergröße bist du ganz schön kräftig”, bemerkte die Gerettete, die sich als Erste wieder langsam aufgerichtet hatte, während ihre Retterin immer noch etwas matt im Gras lag.
Sie sah sich ihre unverhoffte Hilfe näher an, stutzte kurz und ergänzte: “…und dabei bist Du keine von uns, sondern nur ein junges Hirtenmädchen.”
“Ja, ich bin ein Hirtenmädchen. Ist doch kein Problem, oder?”, erwiderte Adriana, die sich in eine sitzende Position gebracht hatte, um ihre Gesprächspartnerin ansehen zu können.
Der Anblick allerdings ließ sie zusammenzucken, nachdem sie das andere Mädchen gemustert hatte, deren Körper von einem dunklen wollenden Hemd bedeckt war, sowie einen ledernen Lederschurz um die Hüften und leichte Lederstiefel, auf den Rücken einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen trug. Auch die beiden Messer an den Stiefelschäften und den Dolch am Ledergürtel, der das wollende Hemd zusammenhielt bemerkte sie.
Daher stotterte Adriana etwas verängstigt: “Du… du bist… du bist eine… eine Amazone, nicht wahr!”
Das ältere Mädchen, das einen Kopf größer und einige Jahre älter als sie war, bemerkte den bangen Blick und sagte: “Ja. Man nennt mich Veronika.”
“Tötest Du mich jetzt?”, murmelte Adriana, deren Hand nach den eigenen Dolch tastete.
“Nein! Außerdem töten wir nur Männer”, antwortete die junge Amazone. Dann fügte sie lachend hinzu: “Nein! Jetzt mal im ernst, wir Amazonen töten andere Menschen nur um unser Volk zu beschützen, und es wäre so etwas von undankbar von mir meiner Lebensretterin so etwas anzutun. Wir sind wohl eher Schwestern. Ich habe Dir meinen Namen genannt…”
“Ich bin Adriana, die Tochter des Alexander und der Eve - meinen Pflegeeltern”, murmelte das Hirtenmädchen erleichtert. “Hm, ich war gerade beim Essen… hast du auch Hunger Veronika?”
“Und wie. Von deiner Familie habe ich gehört, ihr wohnt auf dem neutralen Gebiet. Dein Vater treibt sogar Handel mit uns…”
“He, warte mal… dann bist du ja eine der Prinzessinnen der Amazonen.”
“Das ist richtig. Ich war gerade auf der Jagd, als… he, schau nicht so fragend. In unserem Volk müssen wir sehr schnell den Umgang mit den Waffen lernen. Hör mal, ich könnte dir den Umgang mit Pfeil und Bogen beibringen, denn jetzt mal ehrlich mit dem Hirtenstab und den Dolch, sowie deinen Schäferhunden schaffst du es nicht die wirklich gefährlichen Raubtiere dieser Wälder in Schach zu halten…”
“Darüber würde ich mich sehr freuen.”
Während sich die beiden miteinander unterhalten hatten, hatten sie die Herde erreicht und wurden mit dem Gebell der drei Hunde begrüßt.
Es war früh am morgen, und da Veronika genau wusste wo Adriana und ihre Familie wohnten, wartete sie in der Nähe des Pfades, den ihre Freundin mit der Schafherde auf dem Weg zu Weide benutzen musste.
Sie verbarg sich schon seit einiger Zeit geübt zwischen den Büschen am Wegesrand um nicht entdeckt und eventuell gefangengenommen, oder gar ermordet oder als Sklavin verkauft zu werden.
Kaum war Adriana nicht mehr vom Hof aus zu sehen, da vernahm Alexander vollkommen unerwartet das freudige Gebell der Hunde, welches aber sehr schnell wieder abebbte.
“Hm, ich glaube unsere Tochter hat eine Freundin gefunden”, murmelte er.
Eve seine Ehefrau dachte kurz nach, bevor sie ihre Vermutung aussprach: “Sag es bloß keinen weiter - doch ich vermute dass wohl Amazonen in der Nähe sind.”
“Ist anzunehmen. Was nicht schlecht wäre… sie würden jeden Schurken von unserer Tochter fernhalten.”
“Warten wir doch einfach ab. Ich bin mir sicher, dass sie es uns irgendwann erzählen wird”, sagte Eve, die ihren Mann freundlich anlächelte.
Als Adriana und Veronika mit den Hunden und der Herde den Weideplatz erreicht hatten, erklärte die Amazone: “Habe dir etwas mitgebracht.”
Während sie redete, hatte sie den Beutel geöffnet und einen zweiten Bogen und Köcher mit Pfeilen herausgeholt.
“Für mich?”
“Ja. Ist mein verlässlicher Reservebogen. Von nun an gehört er Dir!”
“Danke.”
Zuerst brachte die Amazonenprinzessin dem Hirtenmädchen bei, wie man die Bogensehne einharkt.
“Puh, endlich geschafft. Muss man das etwa jedes Mal machen?”
“Besser wäre es, sonst geht die Spannung vom Holz mit der Zeit verloren, wenn man den Bogen eine längere Zeit lang nicht gebraucht”, erklärte Veronika. “Siehst du den Baumstumpf dort drüben Adriana?”
“Ja. Ist wohl unser Trainingsziel.”
“So ist es. Doch solltest du die Schoner hier anlegen, sonst brichst du dir noch die Arme.”
Gehorsam tat das jüngere Mädchen wie ihr empfohlen worden war.
Der Tag verging so um einiges schneller, und Veronika stellte am Ende des Tages fest: “Du bist eine sehr gute Schülerin.”
Gemeinsam legten sie den Weg zum Hof zurück. Die junge Amazone trennte sich an der gleichen Stelle, wo sie ihre neue Freundin am morgen begrüßt hatte.
Die Sonne ging immer weiter unter und tauchte die wenigen Wolken in ein prächtiges Farbspiel. Adriana brachte alle Schafe in den sicheren Stall, schloss die Tür und schob den Riegel vor. Dann machte sie sich gutgelaunt auf dem Weg zum Haus, wo sie von ihrer Familie bereits mit Spannung erwartet wurde.
Ihre Eltern bemerkten den Bogen und den Köcher auf ihren Rücken sofort.
“Tja, wie wir sehen waren unsere Vermutungen richtig gewesen”, bemerkte Alexander, der Eve zuzwinkerte.
“So ist es”, bemerkte diese milde lächelnd, “unsere Tochter hat Bekanntschaft mit den Amazonen gemacht und eine Freundin gewonnen.”
“Ja”, stammelte Adriana. “Aber woher…”
“Ganz einfach: Die Machart des Bogens, des Köchers und der Pfeile entspricht eindeutig der Kunst der Amazonen. Doch mache Dir keine Gedanken - wir freuen uns für dich. Aber halte diese Freundschaft noch vor den Leuten in den Dörfern und der Stadt geheim!”, erklärte Alexander.
“Ihr verbietet mir also den Umgang nicht?”
Eve hatte sich erhoben, trat hinzu, legte ihre Hände auf die Schultern Adrianas und sagte: “Es ist gut und wichtig wahre Freunde zu haben. Wie Du weißt kommen wir mit dem Volk der Amazonen sehr gut aus. Es sind gute Nachbarn. Aber Vater hat Recht: Halte diese Freundschaft bedeckt um deine Freundin zu schützen!”
Gegenwart
Messier 110 alias NGC 205 alias Andro-Alpha-Galaxie
Heraclia
Viele Jahre waren seit dieser Nacht, als Eremitias das Findelkind vor dem Haus von Alexander und Eve abgelegt hatte, vergangen, und Adriana war wie ihre beste Freundin Veronika zu einer sehr attraktiven jungen Frau herangewachsen.
Dies hatte dazu geführt das sämtliche junge aber auch ältere Männer daher den Versuch unternahmen um ihre Hand anzuhalten. Darunter waren auch einige sehr vermögende und einflussreiche Häuser, denn Alexander und seine Familie waren im Verlaufe der letzten Jahre in der Lage gewesen den eigenen Besitz zu vermehren.
Bei dem ganzen Werben um die junge Frau bedrängten sie aber auch Alexander und Eve. Aber die beiden blieben bei ihrer klaren Haltung: Adriana solle sich ihren zukünftigen Ehemann selber frei und ohne Zwang wählen dürfen.
Dies hatte schließlich dazu geführt das kurz darauf viele Werber sich frustriert abgewandt hatten. Nur ein paar wenige wollten sich nicht beirren lassen, und versuchten Adriana direkt den Hof zu machen. Darunter war ein gewisser Rufus, der älteste Sohn eines reichen und mächtigen Kaufmannes, der am hartnäckigsten agierte.
Die mittlerweile nun junge Frau war so sehr genervt von ihm, dass sie es schon in aller Frühe mit den Schafen hinaus auf die fernsten Weiden zog, und sich dazu genötigt sah erst spät am Abend wieder heimzukehren.
Durch diese entstandene Situation machten sich insbesondere Eve, aber auch Alexander große Sorgen um sie. Aber auch die anderen Kinder litten massiv darunter, weil Adriana sehr beliebt bei den beiden jüngsten Alexa und Ruben war.
Eines Abends kehrte sie wieder einmal sehr spät nach Hause zurück, aber der Grund war dieses Mal ein anderer: Denn sie hatte nach einigen vermissten Tieren der größer gewordenen Herde zu suchen, welche sie auch zum Glück in einem Erdloch wiederfinden konnte.
Sie war gerade dabei ins Haus zu kommen, als sie beinahe von Ruben und Alexa umgerannt wurde.
“Oh, ihr beiden Racker… seid ihr noch nicht im Bett!”
Die beiden jüngsten ihrer Geschwister schüttelten gemeinsam verneinend die Köpfe.
“Du kommst heute sehr spät, liebe Schwester”, stellte Egeria müde fest, die ihrer Mutter den ganzen Tag über geholfen hatte, während sie ihre ältere Schwester zur Begrüßung liebevoll umarmte.
“Du ahnst nicht, wer heute schon wieder hier war.”
“Rufus.”
“Ja.”
“So langsam nervt der Kerl mich.”
“Kann ich verstehen. Der muss schlimmer sein als ein Blutegel”, lachte Egeria, während Adriana, die ebenfalls lachen musste Ruben und Alexa liebevoll über die Köpfe streichelte, während diese sie umklammerten.
“Vater will dich noch sprechen, ehe du zu Bett gehst”, fuhr Egeria fort, um dann im Anschluss ihre jüngsten Geschwister unter Protest endlich in die Betten zu bringen.
“Ist gut”, seufzte Adriana. Nachdem sie dann ihre Sachen an die Harken gehängt hatte, trat sie in die kleine Arbeitsstube ihres Vaters, wo jener sie bereits erwartete.
Es war zum Glück kein sehr allzu langes Gespräch zwischen den beiden. Doch beinhaltet es verschiedene Themen und es wurde hin und wieder leise gelacht. Es war bereits schon Mitternacht als sich die beiden trennten um sich wohlverdient schlafen zu legen.
Erschöpft und todmüde betrat Adriana ihre Kammer, schlurfte zum Bett, wo sie sich bereits liegend gerade noch ihrer Stiefel entledigte und auch schon einschlief, als ihr Kopf die weiche Unterlage kaum berührt hatte.
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Nicht nur der erste zarte Lichtstrahl der aufgehenden Sonne weckte sie früh am nächsten Morgen, denn Adriana hörte auch den Hahn schreien, welcher ihr zu verstehen gab endlich aus dem warmen und weichen Bett zu steigen.
Gähnend erhob sie sich von ihrem Nachtlager, wankte zu der kleinen Kommode, die neben der Tür stand. Dort stand eine Schüssel mit Wasser mit der sie sich mit einer Handvoll des nassen Elements munter machte.
Die junge Frau stellte verdutzt fest, dass sie immer noch vollständig bekleidet war. Ihre beiden Stiefel lagen quer vor, und ihr Gürtel mit ihrer Waffe neben dem Bett. Sie muss in der Tat vollkommen erschöpft gewesen sein, dass sie sich nicht mehr daran erinnern konnte.
Aber sie musste sich beeilen, denn die Schafe sollten auf die Weide geführt werden. Noch einmal wusch sie sich kurz.
Immer noch ein wenig müde von dem vergangenen Tag verließ sie ihre Kammer. Leise ging sie die Treppe hinunter um ihre jüngeren Geschwister ja nicht zu wecken.
Die Schritte führten sie ins Esszimmer, in welcher Eve bereits beschäftigt war. Allerdings war von Alexander am heutigen Morgen nichts zu sehen. Es war aber zu vermuten, dass er bereits seinen Rundgang auf dem Hof machte, ehe die ersten Arbeiter mit ihrer Arbeit begannen.
“Ah, guten Morgen Adriana. Es ist bereits alles vorbereitet. Aber nimm Dir heute mal Zeit mit dem Frühstück um Kraft bis zum Mittag zu haben!”
“Danke, Mutter”, seufzte die junge Frau, die erst vor wenigen Tagen 18 Jahre alt geworden war, und sich gehorsam an den Tisch setzte.
Sorgfältig verstaute sie nach dem Frühstück den von ihrer Mutter vorbereiteten Proviant in ihrer Vorratstasche, welche sie sich schnell umgehängt hatte.
Sie wollte schon zur Tür hinaus als ihre Mutter hustete und mahnte: “Hast Du nicht etwas Wichtiges vergessen, Kind?”
“Ach ja, mein Bogen und den Köcher.”
“Genau. Du bist zwar stark und mutig - allerdings ist es wirklich fraglich, ob du dir große Raubtiere nur mit dem Dolch an deinem Gürtel fernhalten und die Herde beschützen kannst”, erinnerte die Frau ihre Tochter fürsorglich…
“Genau diese Worte hat mir auch Veronika gesagt”, seufzte Adriana, die Eve noch einmal kurz liebevoll umarmte.
Kaum war sie aus dem Haus getreten, liefen Schwänze wedelnd sofort die drei Hirtenhunde Helena, Hector und Paris auf sie zu.
“Guten Morgen, die Nachtruhe war hoffentlich nicht zu kurz!”, rief ihr Vater, der soeben aus der Scheune getreten war, ihr zu.
Schüchtern lief sie auf den Mann zu, umarmte ihn kurz, ehe sie erwiderte: “Zum Glück nicht, denn ich habe es gerade noch irgendwie zustande gebracht mit meine Stiefel und meinen Gürtel irgendwie abzulegen…”
“Oh! Na ja, hast du dir das ankleiden heute früh gespart”, scherzte ihr Pflegevater. “Doch jetzt müssen wir an die Arbeit. Wir beide müssen die Herde aufteilen, da es für einen Teil zum Markt in die große Stadt geht, weil sie zum Verkauf bestimmt sind! Am Besten so wie besprochen durch das Gatter dort!”
“Ist gut Vater”, nickte Adriana.
Alexander lächelte, denn er freute sich darüber dass sie seine Frau Eve und ihn immer noch Mutter und Vater nannte, obwohl sie wusste dass sie beide nicht ihre leiblichen Eltern waren.
Da die Schafe bereits in den letzten Tagen über gekennzeichnet worden waren, ging dieser Arbeitsschritt schnell vorüber.
“So das müssten jetzt alle sein.”
“Schauen wir am Besten noch einmal kurz nach, falls eines durchgeschlüpft ist.”
“In Ordnung. Tja, hier drin sind jetzt wie erhofft 20 Schafe, 18 Lämmer und 2 Böcke”, teilte Adriana nach wenigen Minuten erleichtert mit.
Nach einer kurzen Verabschiedung in Form eines Kusses, trieb sie die anderen Schafe mit ihren drei Hirtenhunden in Richtung Weideplatz. Dabei stellte sie amüsiert fest, dass die Tiere den Weg dahin anscheinend bereits zu kennen schienen, denn die drei Hunde mussten kaum eingreifen.
Es war mehr als nur deutlich zu spüren das Sommer war. Die besonders heißen und trockenen Tage hielten seit Wochen an. Viele Wolken zogen über das gesamte Land, doch fiel nur sehr selten Regen auf die vertrocknete Erde hinab. Aber alle sprachen schon von einem Wunder dass das Land von Alexander davon do gut wie unberührt blieb. Was aber keiner ahnte, war das Eremitias, der Prior, welcher als Einsiedler in den Wäldern lebte dieser Familie wohl gesonnen war.
Es blieb aber in diesem Sommer so wie schon in den vielen Jahren zuvor, die Weiden an den Gewässern blieben am längsten grün. Aber es barg auch viele Gefahren, weil hier um diese Jahreszeit die meisten Raubtiere auf leichte Beute lauerten. Dies wusste Adriana, die sich daher sehr auf ihre Aufgabe konzentrieren musste, weswegen sie kaum zum Lesen in ihrem Buch kam.
Auch Helena, Hector und Paris verhielten sich angespannt, denn sie witterten nach jedem leichten Windhauch, horchten nach auf jedes Geräusch und suchten mit wachsamen Augen die nahe Umgebung nach verräterischen Bewegungen ab.
Diese Unruhe übertrug sich auch auf Adriana. Irgendetwas lag in der Luft. Die junge Frau schien die Gefahr für die Herde zu spüren, denn ihre treuen Schäferhunde wurden immer nervöser. Sie ergriff daher ihren Bogen und legte bereits vorsorglich einen Pfeil auf die Sehne, während sie so schnell wie möglich versuchte das Verhalten von Helena, Hector und Paris nachzuvollziehen.
“Kommt schon meine lieben Freunde, was oder wen habt ihr da nur gewittert”, flüsterte Adriana, die die Blickrichtung der drei Schäferhunde überprüfte.
Instinktiv spannte sie daher den Bogen zunächst nur ganz leicht um im Notfall wertvolle Zeit zu gewinnen. Die junge Frau hatte schon viele Raubtiere abgewehrt und auch erlegt, auch schon in jungen Jahren. Viele Raubtiere waren der Schafherde schon zu einer Gefahr geworden.
Helena hatte damit begonnen intensiver zu knurren, so als ob sie einem Feind drohen wollte. Kurz darauf auch noch das warnende Bellen in welches auch die anderen beiden mit einstimmten. Diese Taktik hat schon in der Vergangenheit des Öfteren zur Abwehr genügt, um einen Angreifer erfolgreich in die Flucht zu schlagen. Und falls nicht war da immer noch Adriana mit ihren Bogen gewesen.
Leider nicht am heutigen Tag. Die junge Frau hatte die Blickrichtung falsch interpretiert Denn während Adriana den Waldrand absuchte, brach zwischen den drei Schäferhunden und der Schafherde die Erde auf.
Zuerst war nichts groß zu sehen. Aber dann war aus dem großen entstandenen Erdloch eine monströse Kreatur entstiegen, die Merkmale eines Maulwurfes und eines Bären aufwies.
“He!”, rief Adriana dieser riesigen Kreatur mit lauter Stimme zu, welche sich ihr prompt zugewandt hatte und von den Schafen abließ. Sofort schoben sich die drei Schäferhunde schützend dazwischen.
“Lass gefälligst meine Schafe und die Hunde in Ruhe, du verfluchtes Monster!”
Die Antwort des Untiers war zunächst nur ein wütendes Schnaufen, welches sich aber dann schnell innerhalb weniger Sekunden in ein drohendes Gebrüll geändert hatte.
Um seine schon bestehende böse Drohgebärde klar zu unterstreichen, hatte sich das gefährliche Raubtier auf die Hinterbeine aufgerichtet, wodurch es noch größer und um einiges bedrohlicher wirkte. Denn es hatte so schon bereits in etwa die Größe eines Kamtschatkabären von der Erde.
Die junge Frau wusste sehr genau was für ein Tier sie da vor sich hatte. Ein gefährlicher Gegner war es allemal, den man am Besten bezwingen konnte, wenn es sich auf die Hinterbeine gestellt hatte.
Eine Situation wie jene eben. Adriana zog die Sehne zu sich heran und zielte sehr genau, dann atmete sie noch einmal kurz ein. Kurz vor dem Ausatmen ließ sie die Sehne und den Pfeil los.
Kaum hatte sie dies getan und das Geschoss auf sein Ziel zuflog, hatte sie einen weiteren Pfeil aufgelegt. Während der erste Pfeil die Kehle des Raubtiers durchbohrte, hatte sie den Bogen ein weiteres Mal gespannt.
Sie wusste dass sie sich beeilen musste und schoss ein zweites Mal.
Dieser Pfeil traf genau ins Herz des Raubtieres. Und abermals brüllte dieses voller Schmerz auf bevor es zu Boden stürzte und reglos an Ort und Stelle liegen blieb.
Adriana legte einen dritten Pfeil auf und umkreiste in einen weiten Bogen das reglose Raubtier. Schließlich war sie in dessen Rücken angekommen und zielte erneut, aber nun auf die empfindlichen Sohlen der krallenbewehrten Klauen. Diese waren sehr empfindlich und würden, wenn dieses Raubtier nur verwundet und doch noch nicht tot war auf jeden Fall eine Reaktion hervorrufen.
Doch diese Provokation blieb ohne aus, denn sie hatte dieses Ungetüm erfolgreich zur Strecke gebracht. Erleichtert über diesen Erfolg atmete Adriana erst einmal durch.
Zu ihren Verdruss war die schwer wieder erkämpfte Ruhe nur von kurzer Dauer, denn alle drei Schäferhunde drehten ihre Köpfe in Richtung eines sich nahenden Reiters.
Es handelte sich dabei ausgerechnet um Rufus, der dieses Mal erfolgreich nach Adriana gesucht hatte, um ihr endlich seinen Antrag zu machen.
“Nicht einmal in Ruhe etwas Essen kann ich”, bemängelte die junge Frau gestresst leise vor sich hin murmelnd.
“Frau! Gib mir von dem Wasser und etwas zu Essen!”
“Wie redest Du eigentlich mit mir?”
“Na, ich übe schon einmal für unser Eheleben…”
Doch diese Frechheit des Mannes machte Adriana mehr als nur wütend, und wies Rufus endgültig ab: “Vergiss es! Du hast keine Manieren - und ich lasse mir nicht befehlen, außer von meinem Vater und meiner Mutter, die mir etwas zu sagen haben. Auch Eremitias, der mich vieles gelehrt hat wie das Lesen und Schreiben…”
“Du meinst diesen komischen alten Einsiedler mit der entstellten und vernarbten Haut, der in den Bergen und Wäldern in dieser Gegend haust und umherstreift”, unterbrach Rufus verächtlich. “Du wirst mein Eheweib werden Adriana, und dann ist Schluss mit diesen Amazonenverhalten!”
Während er so sprach, war er bedrohlich nahe an die junge Frau herangetreten.
Diese fühlte sich immer mehr genötigt und in die Enge gedrängt. Sie überlegte schnell fieberhaft, ob sie die Hunde auf ihn hetzen sollte, was aber wohl einen schweren Eklat auslösen könnte. Sie musste sich aber dieser Aufdringlichkeit endlich erwehren, denn es war einfach ein für allemal endgültig zuviel. Adriana wusste es, sie könnte Rufus mit bloßen Händen besiegen, weil Veronika sie viel für den Zweikampf ohne Waffen gelehrt hatte. Oh ja, diese Schmach würde ihn endgültig demütigen und zu einem Schwächling brandmarken.
Aber sie entschied sich für eine andere Variante, eine dritte Option, wie sie sich ihn vom Leib halten konnte. Mit einem entschlossen Gesichtausdruck hatte sie ihren Dolch gezogen, und sagte warnend: “Keinen Schritt weiter! Sonst kannst du dich neben diese Kreatur da legen Rufus!”
Erst jetzt bemerkte der Mann das erlegte Raubtier, welches er auf Grund von dessen struppigen und Erdverkrusteten Aussehen bislang für einen kahlen Erdhaufen gehalten hatte.
Er schluckte kurz, und drohte dann: “Mich töten? Das wagst Du nicht! Du vergisst wohl von welcher Familie ich stamme, und wer ich bin!”
“Das liegt ganz allein bei Dir. Und jetzt verschwinde von hier Rufus! Und zwar sofort!”, warnte daraufhin Adriana wiederholt.
Um seine klare Angst vor dieser jungen Frau zu verbergen, begann Rufus lauthals zornig gegen sie schimpfen, während er sich wieder auf sein Pferd setzte: “Diesen Moment wirst du noch bereuen…!”
Er fluchte und schimpfte immer noch wütend vor sich hin, als er bereits zu Pferde saß und davon galoppierte.
Was beide nicht wussten war dass sie seit geraumer Zeit beobachtet worden waren. Es war Veronika, die seit der Ankunft Adrianas sich in der Nähe dieses Ortes aufgehalten und auch den Kampf der Hirtin gegen das Raubtier beobachtet hatte.
Die Amazone hatte zweimal überlegt ob sie zu Gunsten ihrer Freundin eingreifen sollte. Insbesondere als Rufus Adriana massiv bedrängt hatte, war es ihr beinahe zu bunt geworden und hatte ihren Bogen zum zweiten Male schussbereit gemacht. Aber mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht hatte sie zur Kenntnis genommen wie gut sich ihre Freundin am heutigen Tage behauptet hatte.
Endlich war sie aus ihrer Deckung hervorgetreten und rief: “Du bist zumindest mehr als nur eine hervorragende Bogenschützin und Jägerin. Und in meinen Augen wärst du sogar eine ausgezeichnete Kriegerin - auch wenn du es nicht wahrhaben willst Adriana.”
“Du warst die ganze Zeit hier?”, schallte es fragend über die Wiese zurück.
“Ja. War ich”, lachte die Amazone, die auf die Hirtin zulief.
“Hättest Du mich nicht zumindest beim zweiten Male erlösen können Veronika?”
“In dem ich Rufus mit einem gezielten Schuss töte, oder knapp verfehle so dass der sich vor Angst in die Windeln macht? Damit hätte ich wohl einen weiteren Krieg ausgelöst”, murmelte die Amazonenkriegerin, die endlich bei ihrer Freundin angelangt war.
Nach einer kurzen Umarmung nickte Adriana: “Du hast Recht. Aber da kommt bestimmt eh noch etwas. Ich habe Rufus meinen Dolch vor die Brust gehalten, und dies vergisst er nicht. Er wird also jetzt zu seinem Vater reiten, nachdem er sich bei meinen Eltern über mich und mein Verhalten beschwert hat.”
“Klingt nach einem Problem, was leicht zu lösen ist… Du und deine Familie sind uns jederzeit willkommen”, bot Veronika an, die die Befürchtungen ihrer Freundin spürte.
“Danke. Aber es ist nicht so leicht, weil Vater für einige Tage zur Hauptstadt, Capripolis gereist ist. Dort ist auch die Familie von Rufus zu Hause.”
“Diese Stadt ist eine Festung”, wusste die Amazone, “hoffentlich kommt er da weg, ehe diese Heulsuse dort ankommt. Hör mal: Ich versuche einige Kriegerinnen zu sammeln, damit er dort sicher wieder wegkommt.”
“Danke.”
“Doch nicht dafür. Wir wollten uns da eh mal umsehen. Ich schlage vor dass wir uns auf den Rückweg zu eurem Hof machen.”
“Klingt so als ob ihr da was vorhabt”, stellte Adriana fest, worauf Veronika leicht böse grinste.
“Aha. Ihr Amazonen wollt mal wieder etwas wagen… na ja, wie dem auch sei… ich komme aber mit nach Capripolis.”
“Würde mich freuen.”
Doch ehe sich die beiden auf den Weg machten, trennte Adriana mit ihrem scharfen Dolch vom erlegten Raubtier eine Klaue ab, und sagte dabei: “Ohne Beweis glaubt mir sonst keiner diese Geschichte von heute…”
Mit Spannung wurden sie bereits von Eve erwartet und erzählte sofort von Rufus, der kurz auf dem Hof gewesen sei um sich über Adrianas Art und Weise zu beschweren, sowie auch alles seinem Vater zu berichten.
“Du hast Recht behalten Adriana, da scheint sich was anzubahnen. Ich werde in zwei oder drei Tagen wieder hier sein”, seufzte Veronika und klopfte ihrer Freundin kurz auf den Rücken bevor sie mit schnellen Schritten davonlief.
Derweil hatte Adriana den besorgten Blick ihrer Mutter bemerkt, die sich um ihren Mann Alexander sorgte. Mutig und entschlossen erklärte die junge Frau ihrer Familie, dass sie diese beschützen würde. Die Hirtin war in dieser Nacht dafür auf einen Baum geklettert von dem sie einen guten Blick auf den Hof hatte.
Von der Ferne hatte der Eremitias stets alles verfolgt und flüsterte: “Nun ist der Moment für dich gekommen Adriana! Aber mal schauen was Darius so treibt.”
Beim letzten Satz schaute der Prior in den Kristall seines Stabes um nach dem Bruder von Adriana und seiner bisherigen Lebensgeschichte zu sehen.
.Den "Danke-Button" habe ich auch schon vergeblich gesucht
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So, dann mal weiter mit der 1. Staffel, und deren Abschluss
Nächstes Wochenende, ab Freitag, geht es dann mit der 2. Staffel weiter
Odyssee
Folge 1.16 - Das Findelkind, Teil 1
Höhere Ebene des Universums
Ebene der ewigen Auseinandersetzungen
Pausenlos zuckten mächtige Blitze auf dieser Ebene der Existenz, aber auch andere heftige Energieentladungen herrschten hier vor.
Es gab hier so einige Aufgestiegene deren Konflikte sie hierher gebracht hatten.
Doch man nahm von den anderen Paaren, die sich hier aufhielten keinerlei Notiz, denn zu tief und erbittert war man auf den jeweils eigenen Streit fixiert.
So auch Adria, die Orici der Ori und ihre Rivalin Ganos Lal, die man auf der Erde in der Artus-Sage auch unter den Namen Morgan Le Fay kannte.
Beide rangen bereits seit etwa anderthalb Jahrzehnten heftig miteinander, ohne das jemals den anderen überlegen sein könnte um den anderen zu vernichten und diese Ebene wieder zu verlassen.
Doch durch genau diese langen Kämpfe lernte man seinen Gegner immer mehr kennen, Schwächen und Stärken, Fehler und Erfolge, Erfahrungen und Irrtümer. Drang dadurch immer tiefer in die Vergangenheit der jeweils erbitterten Feindin vor.
Schließlich war die Antikerin auf etwas gestoßen, womit sie niemals gerechnet hatte. Zu gut hatte die Orici dieses Geheimnis bisher vor ihr verwahrt.
“Was hast du getan?”
“Tja, ich werde gewinnen”, lachte Adria, “denn mein Wille wird geschehen. Und sobald ich wieder stark genug als Göttin angebetet und verehrt werde - werde ich wieder frei sein! Somit stark genug wieder meinen rechtmäßigen Platz im Universum einzunehmen!”
Mit großer Genugtuung registrierte sie daher den entsetzten Gesichtsausdruck ihrer Gegnerin.
viele Jahre zuvor
Milchstraße
Merlins Verbannungsort
Mit knapper Not und der Hilfe von Daniel Jackson war SG-1 gerade noch rechtzeitig durch das Stargate entkommen. Schwer gezeichnet und mitgenommen vom Kampf mit der Orici war Daniel in die Hocke gegangen.
Sie hatte es zwar nicht geschafft SG-1 zu töten, doch dafür schritt Adria auf ihren Trostpreis zu. Sie erwog kurz zumindest ihn aus Rache zu töten, doch besann sie sich sofort, denn sie hatte sich an etwas erinnert, daher ging die Orici neben ihren wohl wichtigsten Gefangenen in die Hocke und wisperte leise in dessen Ohr: “Nein, mein Lieber, du wirst nicht durch meine Hand sterben - denn wir haben große Pläne mit Dir vor!”
Einige Wochen später
Ori-Flotte - Adrias Mutterschiff
Schnell hatte die Orici bemerkt, dass ihre Liebesnacht mit Daniel, nachdem sie diesen unter Drogen gesetzt hatte, erfolgreiche Frucht tragen würde. Daher musste sie schnell handeln, wobei ihr ihre gute Planung zugute kommen sollte, denn sie hatte vorgesorgt.
Unverzüglich rief sie nach einen der wenigen Priore, die in ihre Pläne eingeweiht waren.
“Göttliche Orici!”, murmelte er ehrfürchtig als er sich verneigte, nachdem er das Quartier betreten hatte.
“Mein lieber Eremitias. Ihr anderen alle verlasst nun diese Gemächer - auch meine Leibgarde!”, befahl Adria, die dann in der Tat solange wartete bis alle hinausgegangen und die Türen wieder verschlossen waren.
“Ich werde wie geplant schon sehr bald Daniel Jackson zu einem Prior machen, damit er uns hilft die Menschen dieser Galaxie auf dem Pfad des Lichtes und der Wahrheit zu führen. Denn dieser Freund meiner Mutter hat nämlich endlich erkannt, worum es geht. Doch bevor es soweit ist, müsst Ihr, die auserwählte Magd und ein Teil meiner Leibgarde fort. Ihr werdet zu einer langen Reise zu fernen Sternen aufbrechen, euer Ziel ist eine Galaxie, wo laut einiger Aufzeichnungen ebenfalls Menschen leben sollten. Es ist also ein wichtiger Auftrag, der euch alle zufällt und somit ein Geheimnis zu bewahren von welchem nur ihr wisst und sonst niemand - außer mir!”
“Euer Wille wird geschehen, o Orici! Denn ich werde euch ewig dienen.”
Adria lächelte wohlwollend den Prior an, und ergänzte: “Ich weiß Eremitias. So folge mir jetzt, damit wir den Glauben an den Pfad des Ursprungs noch weiter in das Universum tragen!”
Ohne ein Wort zu sprechen folgte der Mann seiner mächtigen Herrin in eine geheime Kammer. Dort hielt sich seit einiger Zeit eine schwangere Frau auf, die sich dem Willen von Adria vollkommen unterworfen hatte.
Erneut lauschte der Prior sehr genau den Worten und Anweisungen der Orici.
“…deswegen habe ich diese Magd für diese Aufgabe auserwählt ohne jegliche Gefahr für meine Blutlinie um diese fortzuführen, damit ich in dieser Galaxie meine Rolle erfüllen kann.”
“Ich verstehe und werde es genauso ausführen, wie Ihr es mir aufgetragen habt.”
“Sehr gut. Doch nun müsst ihr unverzüglich ins ferne Sternenmeer aufbrechen, Eremitias!”
“Wie Ihr befiehlt!”
Abermals lächelte Adria ihn, und auch die Magd an, und rief dann nach den auserwählten Männern und auch Frauen, die zu ihrer Leibgarde gehörten.
“Ihr wisst alle was zu tun ist. Ihr werdet in einer fernen Welt eine Kolonie gründen, sobald die Zeit gekommen ist! Und nun, geht!”, ordnete die Orici an.
Sogleich machten sich die Gruppe der Auserwählten auf den Weg zu den Hangars des Ori-Mutterschiffes.
Im Hangar stand das bereitgestellte Shuttle schon seit einigen Tagen zur Verfügung, denn es war eines welches von Adria persönlich des Öfteren genutzt wurde. An Bord fanden der Prior Eremitias und die anderen alles exakt genauso vor, wie es die Orici ihnen allen gesagt hatte.
Auch waren die Zielkoordinaten bereits in den Bordcomputer eingespeichert, und somit war die Besatzung an Bord nur noch für die wichtige Fracht verantwortlich.
Durch das Fenster ihres Quartiers aus, sah Adria zufrieden das das kleine Raumschiff gestartet und kurz darauf im Hyperraum verschwunden war.
Später verlangte die Orici endlich Daniel Jackson zu sehen, um diesen wie geplant in einen Prior zu verwandeln.
einige Wochen später
Sternbild & Andromeda-Galaxie
Messier 110 alias NGC 205 alias Andro-Alpha-Galaxie
Hyperraum < = > Zielwelt: Planet Heraclia
Es war ein langer Flug für die Besatzung an Bord des kleinen Raumschiffes gewesen, welcher sich den Ende zuneigte. Ein akustisches Signal hatte dies allen signalisiert.
Schon kurz darauf wurde der Hyperraum verlassen. Seit Wochen hatten alle nur hin und wieder aus eines der vorhandenen Fenster geschaut, wo sie Sterne und Galaxien an sich vorüberhuschen sahen - doch nun blickten sie gespannt auf das Planetensystem vor sich.
Der Autopilot steuerte das Shuttle auf einen Planeten zu, auf welchen es laut der Daten, die man empfing kein Sternentor existierte. Einige Kilometer vor der Atmosphäre des Planeten schaltete sich der Autopilot ab, und Eremitias steuerte das Raumschiff von nun an mit der Kraft seiner Gedanken.
Nach einem langen Erkundungsflug setzte der alte Prior in einem großen Waldgebiet in einer zerklüfteten Bergregion zur Landung an. Hier waren sie gut verborgen vor den Augen der einheimischen Bewohner dieser Welt.
Die Besatzung verlor keine Zeit, und wer nicht zur Wache eingeteilt war, half dabei die Anweisungen von Adria umzusetzen. Der Aufklärungstrupp der Leibgarde beobachtete mit großem Interesse das kriegerische Treiben der Menschen, die auf diesen Planeten zu Hause waren. Davon berichteten sie allen anderen sehr ausführlich.
Die Zeit verging rasch und als alle Anordnungen, die die Orici in Auftrag gegeben hatte, kam für die von ihr auserwählte Magd die Zeit ihrer Niederkunft.
Es trat genauso ein wie es die Orici allen prophezeit hatte, denn die Magd gebar zuerst ein Mädchen und kurz darauf noch einen Jungen. Wenige Stunden nach der Entbindung starb diese, weil sie zu erschöpft war. Der Prior tröstete sie als sie im Sterben lag und damit die Frau nicht litt, versetzte er jene in einen tiefen Schlaf.
Mit der anschließenden Beisetzung ehrten ihre Weggefährten sie mit großem Respekt, ehe der Prior den aufgeschichteten Holzstapel mit dem Leichnam mit seinem Stab entzündete.
Auf den Tag darauf teilte der Prior die Leibgarde wie von der Orici aufgetragen auf. Eine Hälfte blieb bei ihm. Er versetzte die Männer und Frauen in einen tiefen Schlaf indem er sie alle in Statuen verwandelte. Die andere Hälfte schickte er fort, um für den Sohn der Orici eine Pflegefamilie suchen zu lassen. Und sobald die Soldatinnen und Soldaten der Leibgarde ihre Mission erfüllt haben würden, würden auch sie sich in Statuen verwandeln, wofür sie aber von einem Trank trinken mussten.
Derweil zog Eremitias umher um für das erst vor wenigen Tagen geborene Mädchen eine geeignete Pflegefamilie zu finden. Der Prior musste nicht lange suchen. Schließlich fand er, wonach er gesucht hatte und legte den Korb mit dem Mädchen vor der Tür eines Hauses ab.
Kaum hatte er dies getan, verneigte er sich ehrfürchtig und zog sich dann in den Wald zurück um dort als Einsiedler zu leben und von dort aus über die Kinder wachen zu können.
Es war früh am Morgen und die Sonne war noch nicht ganz zu sehen als sich die Tür öffnete. Der Hausherr, dem das Haus und das Farmland gehörte und gerade eben wie jeden Tag zu dieser Stunde sich zu seinem Kontrollgang aufmachen wollte, stutzte sofort als er den Korb zu seinen Füßen sah.
“Na da soll mich doch… Schatz! Komm doch bitte mal her”, rief er laut hinein als er sich nach hinten umwandte.
“Was gibt es denn mein lieber Gemahl?”
“Komm einfach her, und siehe selbst.”
Mit einem leicht gestressten Gemurmel trat sie an ihn heran: “Also was gibt es das Du hier so einen Aufstand am frühen Morgen machst?”
Zur Antwort deutete er nur nach unten.
Sie folgte der Geste und stieß: “Oh ihr Götter!” - hervor als sie das kleine Kind im Korb vor sich liegen sah.
Wie lange hatten sich diese beiden schon ein Kind gewünscht - und nun lag eines vor ihnen. Für beide war es ein Zeichen der Götter, welche sie nun endlich erhört hatten.
“Tja, ich würde sagen… wir kümmern uns erst einmal um Dich!”, brummte ein sich bückender Alexander, der den Korb hochhob um ihn ins Haus ins Warme zu tragen. Er stellte ihn auf einen Tisch in der großen Stube des Hauses ab. Seine Gemahlin Eve übernahm die sehr sorgfältige Untersuchung des Neuankömmlings und stellte erleichtert fest: “Es ist ein Mädchen! Wir haben also von den Göttern eine Tochter geschenkt bekommen! Das wichtigste. Sie scheint bei perfekter Gesundheit zu sein… und um den Hals befindet sich eine Kette… auf dem Stein hier ist ihr Name eingraviert worden: Adriana. Adriana heißt du also. Was für einen schönen Namen du hast!”
Die beiden konnten ihr Glück immer noch kaum fassen, und während Eve die kleine Adriana in ihren Armen wiegte, untersuchte Alexander den Inhalt des Korbes sehr genau.
“Hm”, brummte er, “wie es aussieht muss die Kleine von adliger Herkunft sein…”
“Woraus schließt Du das? Was befindet sich denn noch so in diesen Korb?”
“Anhand des Heftes von diesem Dolch und den Ledergürtel hier, einem Buch, sowie diesen Kostbarkeiten hier - so etwas haben nur die Personen in der Oberschicht”, lautete die Antwort ihres Gemahls, der alles auf dem Tisch ausgebreitet hatte.
“Da gebe ich Dir Recht… kleine Gold- und Silberbarren, und das dort muss Kupfer oder Bronze sein, sowie einige Beutel mit Edelsteinen. Und was ist das da?”
“Eine Schriftrolle vermute ich.”
“Schlauberger! Spann mich nicht auf die Folter! Was steht drin?”
“Tja”, brummte er lächelnd, “es beginnt mit einer Grußformel, der Namen des Kindes, enthält Bitten und Anweisungen was zu tun ist damit Adriana ihren Platz einnehmen kann. Vermutlich um die Stelle ihrer Mutter als Herrscherin einzunehmen. Genaueres dazu steht leider nicht drin. Dann am Schluss eine Segensformel.”
“So, ich lege die kleine Adriana erst einmal in ihr Körbchen und lese die Schriftrolle selber noch einmal durch, weil Du mal wieder sehr sparsam mit Deinen Worten warst…”
“Ist gut. Und ich werde dann mal meinen Rundgang auf dem Hof machen”, erklärte Alexander, der Eve die Schriftrolle aushändigte.
“Die Kleine muss in der Tat von sehr hoher Geburt sein. Wir werden Adriana behüten, als wäre sie unser eigen Fleisch und Blut!”, legte Eve fest, ehe ihr Mann aus dem Hause nach draußen trat, als sie begonnen hatte sehr aufmerksam in der Botschaft zu lesen.
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Die darauffolgenden Jahre vergingen schnell und die kleine Adriana wuchs heran. Doch blieb der Schoß von Eve nicht mehr länger verschlossen, denn sie konnte sich gemeinsam mit ihrem Gemahl Alexander 2 Jahre nachdem sie Adriana als ihr Kind angenommen hatten, über eine weitere Tochter, der sie den Namen Egeria gaben, freuen.
Als Adriana alt genug geworden war, stellte ihr Pflegevater erstaunt fest, wie gut sie mit den Tieren, insbesondere mit den Schafen, Pferden und Hunden umzugehen verstand.
Dies führte dazu dass er sie mit zum Schafe hüten mitnahm, was zeitweise auch sein Bruder übernahm. Parallel dazu bildeten die drei einige Schäferhunde aus, welche Adriana später unterstützen sollten.
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Es waren wieder einige weitere Jahre vergangen, und es zeichnete sich an der Figur von Eve ab, dass jene ein weiteres Kind erwartete. Deswegen hielt sie sich überwiegend in der Nähe des Hauses auf. Sie hatte sich an den Tisch gesetzt um das Gemüse zu putzen, als sie nach Adriana rief: “Liebling! Dein Vater hat etwas für Dich!”
“Ich komme”, hallte es von draußen her.
Nur wenige Sekunden waren verstrichen und Adriana eilte zu den beiden ins Haus.
Alexander räusperte sich kurz, dann schritt er zu einem Schrank, bückte sich hinab zu den Korb und hob etwas auf. Es war der Gürtel mit dem Dolch.
Das Mädchen machte große Augen: “Ist der etwa für mich?”
“Ja, er gehört Dir. Nach unseren Kalender wirst du morgen elf Jahre alt, und gemäß der Botschaft solltest du dies hier für genau dieses Lebensjahr erhalten. Bedenke aber, das hier ist eine Waffe und kein Spielzeug, das bedeutet: Nutze ihn nur zur Verteidigung und Abwehr - also zu Deinem Schutz!”, schärfte Alexander seiner Tochter ein.
“Also wird mich wohl Onkel Philip nicht länger begleiten”, erkannte Adriana.
“So ist es. Außerdem hast Du die drei guten Schäferhunde: Helena, Hector und Paris, sowie mein vollstes Vertrauen!”
“Ich danke dir, Vater”, entgegnete sie mit Tränen in den Augen als sie ihn umarmte. Dann legte sich das Mädchen den Gürtel um, während ihre Mutter aufstand um ihr einen Beutel zu reichen.
“Hier mein Kind. In diesen Vorratsbeutel ist Verpflegung für Dich und die Schäferhunde.”
“Danke Mutter.”
“Pass auf Dich auf!”
“Das werde ich.”
“Ich begleite dich noch ein Stück Adriana”, erklärte Alexander, der schon länger wusste dass seine Pflegetochter ein ausgezeichnete Hirtin war.
Nach einem Fußmarsch von einer guten Stunde hatten sie den aktuellen Weideplatz mit der Schafherde von etwa drei Dutzend Tieren erreicht. Schon vor der Ankunft hatte sich Alexander auf den Rückweg zu seinem Hof gemacht.
Somit war die junge Adriana allein mit den drei Schäferhunden und der Schafherde. Die Sonne stieg immer höher. Um die Mittagszeit suchte sie deswegen ihren Lieblingsplatz unter einer schattigen Weide an einem Bach auf, welche auf einen kleinen Hügel stand.
Nach und nach rief sie dann ihre Hunde zu sich, angefangen bei Helena um ihnen nacheinander ihr Fressen zu geben. Den Hirtenstab hatte sie griffbereit neben sich auf den Boden abgelegt, als sie mit dem Füttern der Hunde fertig war, und sich selber was aus der Vorratstasche herauszusuchen begann. Das Mädchen hatte vor ihre Mahlzeit zu sich zu nehmen und nebenbei etwas in dem Buch zu lesen. Im Augenwinkel bemerkte sie eine schleichende Bewegung.
´Das darf doch nicht wahr sein, oder!´, dachte sie als sie die schäferhundgroße Kreatur bemerkte, die sich an eines der Lämmer heranpirschte.
Sie sah sich auf den Boden um auf dem sie Platz genommen hatte, es lagen hier verstreut einige faustgroße Steine herum. Schnell hob sie einen der Steine auf, und schrie: “Lass meine Tiere in Ruhe, du verdammtes Vieh!”
Sie schleuderte den Stein, der das Raubtier schmerzhaft an der Flanke traf. Knurrend wandte es sich dem Mädchen zu, das aufgestanden war und den Hirtenstab in der linken Hand hielt und in der rechten den Dolch.
Doch zum Glück hatten auch ihre drei Hirtenhunde endlich auf den Eindringling reagiert, der eingekreist und letztendlich mit wilden gezielten bösen Bissen verjagt wurde.
“Komm ja nie wieder!”, rief Adriana dem geschundenen Raubtier hinterher, welches sich jaulend in Sicherheit gebracht hatte.
Beruhigend mischte sie sich unter die Schafe, hielt aber ihren drei Hunden eine kleine Predigt: “Was soll das Paris? Du warst am dichtesten dran - schäm dich!” - tadelte sie den Rüden am Ohr ziehend.
Als die Sonne sich senkte machte sie sich auf den Rückweg. Und daheim auf dem Hof angekommen erzählte sie von ihren ersten Tag.
Früh am nächsten Tag steuerte Adriana die gleiche Weide an. Ehe sie sich einen Platz suchte, machte sie zunächst einen Rundgang und suchte nach verräterischen Spuren von Raubtieren. Sie fand zu ihrer Erleichterung keine.
Wieder zur Mittagszeit waren zuerst Helena, Hector und Paris mit ihrem Futter dran. Dieses Mal wartete das Mädchen bis die Hunde mit dem Fressen fertig waren, dann mahnte sie die drei: “He! Aufpassen! Passt ja auf!”
Aber Adriana selbst war wachsam als sie in der Vorratstasche suchte, denn sie schaute sich immer wieder den Waldrand an. Mit einem Lächeln holte sie einige Scheiben Brot, etwas Schinken und Käse heraus. Irritiert schaute sie noch abermals hinein und atmete erleichtert durch, denn ihre Mutter hatte an das Obst gedacht, obwohl es gestern Abend schon so spät war als sie diese Bitte geäußert hatte.
Adriana hatte erst einige Bissen zu sich genommen als sie unvermittelt die verzweifelten Hilferufe und Schreie eines anderen Mädchens vernahm. Sie kamen von ganz in der Nähe. Fieberhaft dachte das Hirtenmädchen kurz nach.
“Die Steilwand!”, fiel ihr ein, als sie alarmiert aufsprang, alles schnell wieder im Beutel verstaute. Dann hob sie ihren Hirtenstab auf, eilte in Richtung der Steilwand los.
Ihre drei Hirtenhunde folgten ihr sofort, daher wandte sie sich um: “Nein! Nein! Helena, Hector, Paris - bleibt bei der Herde!”
Mit treuen Blicken wurde sie kurz angeschaut, doch die drei verstanden die ihrigen, die Gesten und Worte und wandten sich den Schafen zu um diese zu bewachen.
Alleine eilte Adriana weiter durch das Dickicht des Waldes den Rufen des anderen Mädchens zu, das immer mehr an Halt verlor und immer weiter nach unten zu rutschen drohte. Das weiche Erdreich an welches es sich mit aller Kraft versuchte festzuhalten gab immer mehr nach.
Überraschend für sie waren auf einmal zwei Hände da, die etwas kleiner waren als ihre eigenen, und beherzt zugriffen.
“Habe Dich!”, rief eine Stimme über ihr.
Mit großer Kraftanstrengung zog Adriana und das andere Mädchen trat mit aller Kraft in die weiche Wand um Halt zu finden. Diese gemeinsame Kraftanstrengung führte zu dem Erfolg.
Schweißgebadet und erschöpft von diesem gewaltigen Kraftakt sanken beide in das Gras nieder. Beide atmeten mehrere Minuten erst einmal schwer durch.
“Für deine Körpergröße bist du ganz schön kräftig”, bemerkte die Gerettete, die sich als Erste wieder langsam aufgerichtet hatte, während ihre Retterin immer noch etwas matt im Gras lag.
Sie sah sich ihre unverhoffte Hilfe näher an, stutzte kurz und ergänzte: “…und dabei bist Du keine von uns, sondern nur ein junges Hirtenmädchen.”
“Ja, ich bin ein Hirtenmädchen. Ist doch kein Problem, oder?”, erwiderte Adriana, die sich in eine sitzende Position gebracht hatte, um ihre Gesprächspartnerin ansehen zu können.
Der Anblick allerdings ließ sie zusammenzucken, nachdem sie das andere Mädchen gemustert hatte, deren Körper von einem dunklen wollenden Hemd bedeckt war, sowie einen ledernen Lederschurz um die Hüften und leichte Lederstiefel, auf den Rücken einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen trug. Auch die beiden Messer an den Stiefelschäften und den Dolch am Ledergürtel, der das wollende Hemd zusammenhielt bemerkte sie.
Daher stotterte Adriana etwas verängstigt: “Du… du bist… du bist eine… eine Amazone, nicht wahr!”
Das ältere Mädchen, das einen Kopf größer und einige Jahre älter als sie war, bemerkte den bangen Blick und sagte: “Ja. Man nennt mich Veronika.”
“Tötest Du mich jetzt?”, murmelte Adriana, deren Hand nach den eigenen Dolch tastete.
“Nein! Außerdem töten wir nur Männer”, antwortete die junge Amazone. Dann fügte sie lachend hinzu: “Nein! Jetzt mal im ernst, wir Amazonen töten andere Menschen nur um unser Volk zu beschützen, und es wäre so etwas von undankbar von mir meiner Lebensretterin so etwas anzutun. Wir sind wohl eher Schwestern. Ich habe Dir meinen Namen genannt…”
“Ich bin Adriana, die Tochter des Alexander und der Eve - meinen Pflegeeltern”, murmelte das Hirtenmädchen erleichtert. “Hm, ich war gerade beim Essen… hast du auch Hunger Veronika?”
“Und wie. Von deiner Familie habe ich gehört, ihr wohnt auf dem neutralen Gebiet. Dein Vater treibt sogar Handel mit uns…”
“He, warte mal… dann bist du ja eine der Prinzessinnen der Amazonen.”
“Das ist richtig. Ich war gerade auf der Jagd, als… he, schau nicht so fragend. In unserem Volk müssen wir sehr schnell den Umgang mit den Waffen lernen. Hör mal, ich könnte dir den Umgang mit Pfeil und Bogen beibringen, denn jetzt mal ehrlich mit dem Hirtenstab und den Dolch, sowie deinen Schäferhunden schaffst du es nicht die wirklich gefährlichen Raubtiere dieser Wälder in Schach zu halten…”
“Darüber würde ich mich sehr freuen.”
Während sich die beiden miteinander unterhalten hatten, hatten sie die Herde erreicht und wurden mit dem Gebell der drei Hunde begrüßt.
Es war früh am morgen, und da Veronika genau wusste wo Adriana und ihre Familie wohnten, wartete sie in der Nähe des Pfades, den ihre Freundin mit der Schafherde auf dem Weg zu Weide benutzen musste.
Sie verbarg sich schon seit einiger Zeit geübt zwischen den Büschen am Wegesrand um nicht entdeckt und eventuell gefangengenommen, oder gar ermordet oder als Sklavin verkauft zu werden.
Kaum war Adriana nicht mehr vom Hof aus zu sehen, da vernahm Alexander vollkommen unerwartet das freudige Gebell der Hunde, welches aber sehr schnell wieder abebbte.
“Hm, ich glaube unsere Tochter hat eine Freundin gefunden”, murmelte er.
Eve seine Ehefrau dachte kurz nach, bevor sie ihre Vermutung aussprach: “Sag es bloß keinen weiter - doch ich vermute dass wohl Amazonen in der Nähe sind.”
“Ist anzunehmen. Was nicht schlecht wäre… sie würden jeden Schurken von unserer Tochter fernhalten.”
“Warten wir doch einfach ab. Ich bin mir sicher, dass sie es uns irgendwann erzählen wird”, sagte Eve, die ihren Mann freundlich anlächelte.
Als Adriana und Veronika mit den Hunden und der Herde den Weideplatz erreicht hatten, erklärte die Amazone: “Habe dir etwas mitgebracht.”
Während sie redete, hatte sie den Beutel geöffnet und einen zweiten Bogen und Köcher mit Pfeilen herausgeholt.
“Für mich?”
“Ja. Ist mein verlässlicher Reservebogen. Von nun an gehört er Dir!”
“Danke.”
Zuerst brachte die Amazonenprinzessin dem Hirtenmädchen bei, wie man die Bogensehne einharkt.
“Puh, endlich geschafft. Muss man das etwa jedes Mal machen?”
“Besser wäre es, sonst geht die Spannung vom Holz mit der Zeit verloren, wenn man den Bogen eine längere Zeit lang nicht gebraucht”, erklärte Veronika. “Siehst du den Baumstumpf dort drüben Adriana?”
“Ja. Ist wohl unser Trainingsziel.”
“So ist es. Doch solltest du die Schoner hier anlegen, sonst brichst du dir noch die Arme.”
Gehorsam tat das jüngere Mädchen wie ihr empfohlen worden war.
Der Tag verging so um einiges schneller, und Veronika stellte am Ende des Tages fest: “Du bist eine sehr gute Schülerin.”
Gemeinsam legten sie den Weg zum Hof zurück. Die junge Amazone trennte sich an der gleichen Stelle, wo sie ihre neue Freundin am morgen begrüßt hatte.
Die Sonne ging immer weiter unter und tauchte die wenigen Wolken in ein prächtiges Farbspiel. Adriana brachte alle Schafe in den sicheren Stall, schloss die Tür und schob den Riegel vor. Dann machte sie sich gutgelaunt auf dem Weg zum Haus, wo sie von ihrer Familie bereits mit Spannung erwartet wurde.
Ihre Eltern bemerkten den Bogen und den Köcher auf ihren Rücken sofort.
“Tja, wie wir sehen waren unsere Vermutungen richtig gewesen”, bemerkte Alexander, der Eve zuzwinkerte.
“So ist es”, bemerkte diese milde lächelnd, “unsere Tochter hat Bekanntschaft mit den Amazonen gemacht und eine Freundin gewonnen.”
“Ja”, stammelte Adriana. “Aber woher…”
“Ganz einfach: Die Machart des Bogens, des Köchers und der Pfeile entspricht eindeutig der Kunst der Amazonen. Doch mache Dir keine Gedanken - wir freuen uns für dich. Aber halte diese Freundschaft noch vor den Leuten in den Dörfern und der Stadt geheim!”, erklärte Alexander.
“Ihr verbietet mir also den Umgang nicht?”
Eve hatte sich erhoben, trat hinzu, legte ihre Hände auf die Schultern Adrianas und sagte: “Es ist gut und wichtig wahre Freunde zu haben. Wie Du weißt kommen wir mit dem Volk der Amazonen sehr gut aus. Es sind gute Nachbarn. Aber Vater hat Recht: Halte diese Freundschaft bedeckt um deine Freundin zu schützen!”
Odyssee
Folge 1.17 - Das Findelkind, Teil 2
Gegenwart
Messier 110 alias NGC 205 alias Andro-Alpha-Galaxie
Heraclia
Viele Jahre waren seit dieser Nacht, als Eremitias das Findelkind vor dem Haus von Alexander und Eve abgelegt hatte, vergangen, und Adriana war wie ihre beste Freundin Veronika zu einer sehr attraktiven jungen Frau herangewachsen.
Dies hatte dazu geführt das sämtliche junge aber auch ältere Männer daher den Versuch unternahmen um ihre Hand anzuhalten. Darunter waren auch einige sehr vermögende und einflussreiche Häuser, denn Alexander und seine Familie waren im Verlaufe der letzten Jahre in der Lage gewesen den eigenen Besitz zu vermehren.
Bei dem ganzen Werben um die junge Frau bedrängten sie aber auch Alexander und Eve. Aber die beiden blieben bei ihrer klaren Haltung: Adriana solle sich ihren zukünftigen Ehemann selber frei und ohne Zwang wählen dürfen.
Dies hatte schließlich dazu geführt das kurz darauf viele Werber sich frustriert abgewandt hatten. Nur ein paar wenige wollten sich nicht beirren lassen, und versuchten Adriana direkt den Hof zu machen. Darunter war ein gewisser Rufus, der älteste Sohn eines reichen und mächtigen Kaufmannes, der am hartnäckigsten agierte.
Die mittlerweile nun junge Frau war so sehr genervt von ihm, dass sie es schon in aller Frühe mit den Schafen hinaus auf die fernsten Weiden zog, und sich dazu genötigt sah erst spät am Abend wieder heimzukehren.
Durch diese entstandene Situation machten sich insbesondere Eve, aber auch Alexander große Sorgen um sie. Aber auch die anderen Kinder litten massiv darunter, weil Adriana sehr beliebt bei den beiden jüngsten Alexa und Ruben war.
Eines Abends kehrte sie wieder einmal sehr spät nach Hause zurück, aber der Grund war dieses Mal ein anderer: Denn sie hatte nach einigen vermissten Tieren der größer gewordenen Herde zu suchen, welche sie auch zum Glück in einem Erdloch wiederfinden konnte.
Sie war gerade dabei ins Haus zu kommen, als sie beinahe von Ruben und Alexa umgerannt wurde.
“Oh, ihr beiden Racker… seid ihr noch nicht im Bett!”
Die beiden jüngsten ihrer Geschwister schüttelten gemeinsam verneinend die Köpfe.
“Du kommst heute sehr spät, liebe Schwester”, stellte Egeria müde fest, die ihrer Mutter den ganzen Tag über geholfen hatte, während sie ihre ältere Schwester zur Begrüßung liebevoll umarmte.
“Du ahnst nicht, wer heute schon wieder hier war.”
“Rufus.”
“Ja.”
“So langsam nervt der Kerl mich.”
“Kann ich verstehen. Der muss schlimmer sein als ein Blutegel”, lachte Egeria, während Adriana, die ebenfalls lachen musste Ruben und Alexa liebevoll über die Köpfe streichelte, während diese sie umklammerten.
“Vater will dich noch sprechen, ehe du zu Bett gehst”, fuhr Egeria fort, um dann im Anschluss ihre jüngsten Geschwister unter Protest endlich in die Betten zu bringen.
“Ist gut”, seufzte Adriana. Nachdem sie dann ihre Sachen an die Harken gehängt hatte, trat sie in die kleine Arbeitsstube ihres Vaters, wo jener sie bereits erwartete.
Es war zum Glück kein sehr allzu langes Gespräch zwischen den beiden. Doch beinhaltet es verschiedene Themen und es wurde hin und wieder leise gelacht. Es war bereits schon Mitternacht als sich die beiden trennten um sich wohlverdient schlafen zu legen.
Erschöpft und todmüde betrat Adriana ihre Kammer, schlurfte zum Bett, wo sie sich bereits liegend gerade noch ihrer Stiefel entledigte und auch schon einschlief, als ihr Kopf die weiche Unterlage kaum berührt hatte.
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Nicht nur der erste zarte Lichtstrahl der aufgehenden Sonne weckte sie früh am nächsten Morgen, denn Adriana hörte auch den Hahn schreien, welcher ihr zu verstehen gab endlich aus dem warmen und weichen Bett zu steigen.
Gähnend erhob sie sich von ihrem Nachtlager, wankte zu der kleinen Kommode, die neben der Tür stand. Dort stand eine Schüssel mit Wasser mit der sie sich mit einer Handvoll des nassen Elements munter machte.
Die junge Frau stellte verdutzt fest, dass sie immer noch vollständig bekleidet war. Ihre beiden Stiefel lagen quer vor, und ihr Gürtel mit ihrer Waffe neben dem Bett. Sie muss in der Tat vollkommen erschöpft gewesen sein, dass sie sich nicht mehr daran erinnern konnte.
Aber sie musste sich beeilen, denn die Schafe sollten auf die Weide geführt werden. Noch einmal wusch sie sich kurz.
Immer noch ein wenig müde von dem vergangenen Tag verließ sie ihre Kammer. Leise ging sie die Treppe hinunter um ihre jüngeren Geschwister ja nicht zu wecken.
Die Schritte führten sie ins Esszimmer, in welcher Eve bereits beschäftigt war. Allerdings war von Alexander am heutigen Morgen nichts zu sehen. Es war aber zu vermuten, dass er bereits seinen Rundgang auf dem Hof machte, ehe die ersten Arbeiter mit ihrer Arbeit begannen.
“Ah, guten Morgen Adriana. Es ist bereits alles vorbereitet. Aber nimm Dir heute mal Zeit mit dem Frühstück um Kraft bis zum Mittag zu haben!”
“Danke, Mutter”, seufzte die junge Frau, die erst vor wenigen Tagen 18 Jahre alt geworden war, und sich gehorsam an den Tisch setzte.
Sorgfältig verstaute sie nach dem Frühstück den von ihrer Mutter vorbereiteten Proviant in ihrer Vorratstasche, welche sie sich schnell umgehängt hatte.
Sie wollte schon zur Tür hinaus als ihre Mutter hustete und mahnte: “Hast Du nicht etwas Wichtiges vergessen, Kind?”
“Ach ja, mein Bogen und den Köcher.”
“Genau. Du bist zwar stark und mutig - allerdings ist es wirklich fraglich, ob du dir große Raubtiere nur mit dem Dolch an deinem Gürtel fernhalten und die Herde beschützen kannst”, erinnerte die Frau ihre Tochter fürsorglich…
“Genau diese Worte hat mir auch Veronika gesagt”, seufzte Adriana, die Eve noch einmal kurz liebevoll umarmte.
Kaum war sie aus dem Haus getreten, liefen Schwänze wedelnd sofort die drei Hirtenhunde Helena, Hector und Paris auf sie zu.
“Guten Morgen, die Nachtruhe war hoffentlich nicht zu kurz!”, rief ihr Vater, der soeben aus der Scheune getreten war, ihr zu.
Schüchtern lief sie auf den Mann zu, umarmte ihn kurz, ehe sie erwiderte: “Zum Glück nicht, denn ich habe es gerade noch irgendwie zustande gebracht mit meine Stiefel und meinen Gürtel irgendwie abzulegen…”
“Oh! Na ja, hast du dir das ankleiden heute früh gespart”, scherzte ihr Pflegevater. “Doch jetzt müssen wir an die Arbeit. Wir beide müssen die Herde aufteilen, da es für einen Teil zum Markt in die große Stadt geht, weil sie zum Verkauf bestimmt sind! Am Besten so wie besprochen durch das Gatter dort!”
“Ist gut Vater”, nickte Adriana.
Alexander lächelte, denn er freute sich darüber dass sie seine Frau Eve und ihn immer noch Mutter und Vater nannte, obwohl sie wusste dass sie beide nicht ihre leiblichen Eltern waren.
Da die Schafe bereits in den letzten Tagen über gekennzeichnet worden waren, ging dieser Arbeitsschritt schnell vorüber.
“So das müssten jetzt alle sein.”
“Schauen wir am Besten noch einmal kurz nach, falls eines durchgeschlüpft ist.”
“In Ordnung. Tja, hier drin sind jetzt wie erhofft 20 Schafe, 18 Lämmer und 2 Böcke”, teilte Adriana nach wenigen Minuten erleichtert mit.
Nach einer kurzen Verabschiedung in Form eines Kusses, trieb sie die anderen Schafe mit ihren drei Hirtenhunden in Richtung Weideplatz. Dabei stellte sie amüsiert fest, dass die Tiere den Weg dahin anscheinend bereits zu kennen schienen, denn die drei Hunde mussten kaum eingreifen.
Es war mehr als nur deutlich zu spüren das Sommer war. Die besonders heißen und trockenen Tage hielten seit Wochen an. Viele Wolken zogen über das gesamte Land, doch fiel nur sehr selten Regen auf die vertrocknete Erde hinab. Aber alle sprachen schon von einem Wunder dass das Land von Alexander davon do gut wie unberührt blieb. Was aber keiner ahnte, war das Eremitias, der Prior, welcher als Einsiedler in den Wäldern lebte dieser Familie wohl gesonnen war.
Es blieb aber in diesem Sommer so wie schon in den vielen Jahren zuvor, die Weiden an den Gewässern blieben am längsten grün. Aber es barg auch viele Gefahren, weil hier um diese Jahreszeit die meisten Raubtiere auf leichte Beute lauerten. Dies wusste Adriana, die sich daher sehr auf ihre Aufgabe konzentrieren musste, weswegen sie kaum zum Lesen in ihrem Buch kam.
Auch Helena, Hector und Paris verhielten sich angespannt, denn sie witterten nach jedem leichten Windhauch, horchten nach auf jedes Geräusch und suchten mit wachsamen Augen die nahe Umgebung nach verräterischen Bewegungen ab.
Diese Unruhe übertrug sich auch auf Adriana. Irgendetwas lag in der Luft. Die junge Frau schien die Gefahr für die Herde zu spüren, denn ihre treuen Schäferhunde wurden immer nervöser. Sie ergriff daher ihren Bogen und legte bereits vorsorglich einen Pfeil auf die Sehne, während sie so schnell wie möglich versuchte das Verhalten von Helena, Hector und Paris nachzuvollziehen.
“Kommt schon meine lieben Freunde, was oder wen habt ihr da nur gewittert”, flüsterte Adriana, die die Blickrichtung der drei Schäferhunde überprüfte.
Instinktiv spannte sie daher den Bogen zunächst nur ganz leicht um im Notfall wertvolle Zeit zu gewinnen. Die junge Frau hatte schon viele Raubtiere abgewehrt und auch erlegt, auch schon in jungen Jahren. Viele Raubtiere waren der Schafherde schon zu einer Gefahr geworden.
Helena hatte damit begonnen intensiver zu knurren, so als ob sie einem Feind drohen wollte. Kurz darauf auch noch das warnende Bellen in welches auch die anderen beiden mit einstimmten. Diese Taktik hat schon in der Vergangenheit des Öfteren zur Abwehr genügt, um einen Angreifer erfolgreich in die Flucht zu schlagen. Und falls nicht war da immer noch Adriana mit ihren Bogen gewesen.
Leider nicht am heutigen Tag. Die junge Frau hatte die Blickrichtung falsch interpretiert Denn während Adriana den Waldrand absuchte, brach zwischen den drei Schäferhunden und der Schafherde die Erde auf.
Zuerst war nichts groß zu sehen. Aber dann war aus dem großen entstandenen Erdloch eine monströse Kreatur entstiegen, die Merkmale eines Maulwurfes und eines Bären aufwies.
“He!”, rief Adriana dieser riesigen Kreatur mit lauter Stimme zu, welche sich ihr prompt zugewandt hatte und von den Schafen abließ. Sofort schoben sich die drei Schäferhunde schützend dazwischen.
“Lass gefälligst meine Schafe und die Hunde in Ruhe, du verfluchtes Monster!”
Die Antwort des Untiers war zunächst nur ein wütendes Schnaufen, welches sich aber dann schnell innerhalb weniger Sekunden in ein drohendes Gebrüll geändert hatte.
Um seine schon bestehende böse Drohgebärde klar zu unterstreichen, hatte sich das gefährliche Raubtier auf die Hinterbeine aufgerichtet, wodurch es noch größer und um einiges bedrohlicher wirkte. Denn es hatte so schon bereits in etwa die Größe eines Kamtschatkabären von der Erde.
Die junge Frau wusste sehr genau was für ein Tier sie da vor sich hatte. Ein gefährlicher Gegner war es allemal, den man am Besten bezwingen konnte, wenn es sich auf die Hinterbeine gestellt hatte.
Eine Situation wie jene eben. Adriana zog die Sehne zu sich heran und zielte sehr genau, dann atmete sie noch einmal kurz ein. Kurz vor dem Ausatmen ließ sie die Sehne und den Pfeil los.
Kaum hatte sie dies getan und das Geschoss auf sein Ziel zuflog, hatte sie einen weiteren Pfeil aufgelegt. Während der erste Pfeil die Kehle des Raubtiers durchbohrte, hatte sie den Bogen ein weiteres Mal gespannt.
Sie wusste dass sie sich beeilen musste und schoss ein zweites Mal.
Dieser Pfeil traf genau ins Herz des Raubtieres. Und abermals brüllte dieses voller Schmerz auf bevor es zu Boden stürzte und reglos an Ort und Stelle liegen blieb.
Adriana legte einen dritten Pfeil auf und umkreiste in einen weiten Bogen das reglose Raubtier. Schließlich war sie in dessen Rücken angekommen und zielte erneut, aber nun auf die empfindlichen Sohlen der krallenbewehrten Klauen. Diese waren sehr empfindlich und würden, wenn dieses Raubtier nur verwundet und doch noch nicht tot war auf jeden Fall eine Reaktion hervorrufen.
Doch diese Provokation blieb ohne aus, denn sie hatte dieses Ungetüm erfolgreich zur Strecke gebracht. Erleichtert über diesen Erfolg atmete Adriana erst einmal durch.
Zu ihren Verdruss war die schwer wieder erkämpfte Ruhe nur von kurzer Dauer, denn alle drei Schäferhunde drehten ihre Köpfe in Richtung eines sich nahenden Reiters.
Es handelte sich dabei ausgerechnet um Rufus, der dieses Mal erfolgreich nach Adriana gesucht hatte, um ihr endlich seinen Antrag zu machen.
“Nicht einmal in Ruhe etwas Essen kann ich”, bemängelte die junge Frau gestresst leise vor sich hin murmelnd.
“Frau! Gib mir von dem Wasser und etwas zu Essen!”
“Wie redest Du eigentlich mit mir?”
“Na, ich übe schon einmal für unser Eheleben…”
Doch diese Frechheit des Mannes machte Adriana mehr als nur wütend, und wies Rufus endgültig ab: “Vergiss es! Du hast keine Manieren - und ich lasse mir nicht befehlen, außer von meinem Vater und meiner Mutter, die mir etwas zu sagen haben. Auch Eremitias, der mich vieles gelehrt hat wie das Lesen und Schreiben…”
“Du meinst diesen komischen alten Einsiedler mit der entstellten und vernarbten Haut, der in den Bergen und Wäldern in dieser Gegend haust und umherstreift”, unterbrach Rufus verächtlich. “Du wirst mein Eheweib werden Adriana, und dann ist Schluss mit diesen Amazonenverhalten!”
Während er so sprach, war er bedrohlich nahe an die junge Frau herangetreten.
Diese fühlte sich immer mehr genötigt und in die Enge gedrängt. Sie überlegte schnell fieberhaft, ob sie die Hunde auf ihn hetzen sollte, was aber wohl einen schweren Eklat auslösen könnte. Sie musste sich aber dieser Aufdringlichkeit endlich erwehren, denn es war einfach ein für allemal endgültig zuviel. Adriana wusste es, sie könnte Rufus mit bloßen Händen besiegen, weil Veronika sie viel für den Zweikampf ohne Waffen gelehrt hatte. Oh ja, diese Schmach würde ihn endgültig demütigen und zu einem Schwächling brandmarken.
Aber sie entschied sich für eine andere Variante, eine dritte Option, wie sie sich ihn vom Leib halten konnte. Mit einem entschlossen Gesichtausdruck hatte sie ihren Dolch gezogen, und sagte warnend: “Keinen Schritt weiter! Sonst kannst du dich neben diese Kreatur da legen Rufus!”
Erst jetzt bemerkte der Mann das erlegte Raubtier, welches er auf Grund von dessen struppigen und Erdverkrusteten Aussehen bislang für einen kahlen Erdhaufen gehalten hatte.
Er schluckte kurz, und drohte dann: “Mich töten? Das wagst Du nicht! Du vergisst wohl von welcher Familie ich stamme, und wer ich bin!”
“Das liegt ganz allein bei Dir. Und jetzt verschwinde von hier Rufus! Und zwar sofort!”, warnte daraufhin Adriana wiederholt.
Um seine klare Angst vor dieser jungen Frau zu verbergen, begann Rufus lauthals zornig gegen sie schimpfen, während er sich wieder auf sein Pferd setzte: “Diesen Moment wirst du noch bereuen…!”
Er fluchte und schimpfte immer noch wütend vor sich hin, als er bereits zu Pferde saß und davon galoppierte.
Was beide nicht wussten war dass sie seit geraumer Zeit beobachtet worden waren. Es war Veronika, die seit der Ankunft Adrianas sich in der Nähe dieses Ortes aufgehalten und auch den Kampf der Hirtin gegen das Raubtier beobachtet hatte.
Die Amazone hatte zweimal überlegt ob sie zu Gunsten ihrer Freundin eingreifen sollte. Insbesondere als Rufus Adriana massiv bedrängt hatte, war es ihr beinahe zu bunt geworden und hatte ihren Bogen zum zweiten Male schussbereit gemacht. Aber mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht hatte sie zur Kenntnis genommen wie gut sich ihre Freundin am heutigen Tage behauptet hatte.
Endlich war sie aus ihrer Deckung hervorgetreten und rief: “Du bist zumindest mehr als nur eine hervorragende Bogenschützin und Jägerin. Und in meinen Augen wärst du sogar eine ausgezeichnete Kriegerin - auch wenn du es nicht wahrhaben willst Adriana.”
“Du warst die ganze Zeit hier?”, schallte es fragend über die Wiese zurück.
“Ja. War ich”, lachte die Amazone, die auf die Hirtin zulief.
“Hättest Du mich nicht zumindest beim zweiten Male erlösen können Veronika?”
“In dem ich Rufus mit einem gezielten Schuss töte, oder knapp verfehle so dass der sich vor Angst in die Windeln macht? Damit hätte ich wohl einen weiteren Krieg ausgelöst”, murmelte die Amazonenkriegerin, die endlich bei ihrer Freundin angelangt war.
Nach einer kurzen Umarmung nickte Adriana: “Du hast Recht. Aber da kommt bestimmt eh noch etwas. Ich habe Rufus meinen Dolch vor die Brust gehalten, und dies vergisst er nicht. Er wird also jetzt zu seinem Vater reiten, nachdem er sich bei meinen Eltern über mich und mein Verhalten beschwert hat.”
“Klingt nach einem Problem, was leicht zu lösen ist… Du und deine Familie sind uns jederzeit willkommen”, bot Veronika an, die die Befürchtungen ihrer Freundin spürte.
“Danke. Aber es ist nicht so leicht, weil Vater für einige Tage zur Hauptstadt, Capripolis gereist ist. Dort ist auch die Familie von Rufus zu Hause.”
“Diese Stadt ist eine Festung”, wusste die Amazone, “hoffentlich kommt er da weg, ehe diese Heulsuse dort ankommt. Hör mal: Ich versuche einige Kriegerinnen zu sammeln, damit er dort sicher wieder wegkommt.”
“Danke.”
“Doch nicht dafür. Wir wollten uns da eh mal umsehen. Ich schlage vor dass wir uns auf den Rückweg zu eurem Hof machen.”
“Klingt so als ob ihr da was vorhabt”, stellte Adriana fest, worauf Veronika leicht böse grinste.
“Aha. Ihr Amazonen wollt mal wieder etwas wagen… na ja, wie dem auch sei… ich komme aber mit nach Capripolis.”
“Würde mich freuen.”
Doch ehe sich die beiden auf den Weg machten, trennte Adriana mit ihrem scharfen Dolch vom erlegten Raubtier eine Klaue ab, und sagte dabei: “Ohne Beweis glaubt mir sonst keiner diese Geschichte von heute…”
Mit Spannung wurden sie bereits von Eve erwartet und erzählte sofort von Rufus, der kurz auf dem Hof gewesen sei um sich über Adrianas Art und Weise zu beschweren, sowie auch alles seinem Vater zu berichten.
“Du hast Recht behalten Adriana, da scheint sich was anzubahnen. Ich werde in zwei oder drei Tagen wieder hier sein”, seufzte Veronika und klopfte ihrer Freundin kurz auf den Rücken bevor sie mit schnellen Schritten davonlief.
Derweil hatte Adriana den besorgten Blick ihrer Mutter bemerkt, die sich um ihren Mann Alexander sorgte. Mutig und entschlossen erklärte die junge Frau ihrer Familie, dass sie diese beschützen würde. Die Hirtin war in dieser Nacht dafür auf einen Baum geklettert von dem sie einen guten Blick auf den Hof hatte.
Von der Ferne hatte der Eremitias stets alles verfolgt und flüsterte: “Nun ist der Moment für dich gekommen Adriana! Aber mal schauen was Darius so treibt.”
Beim letzten Satz schaute der Prior in den Kristall seines Stabes um nach dem Bruder von Adriana und seiner bisherigen Lebensgeschichte zu sehen.
