01.12.2025, 12:14
Gestern habe ich es geschafft... eine Über/ Neu Bearbeitung die ich 2015 begonnen hatte, hat ihr Ende gefunden, was 2005 mit einer Story begann die mehr oder weniger spontan begann und wenn überhaupt auf maximal 8.000 - 10.000 Wörter kam endete gestern mit einer restaurierten Fassung mit eindeutig mehr Wörten... aber fürchtet euch nicht meine geneigten Mitleser... ich werde es trotzdem häppchenweise servieren.
***
P3X-116
SG-9 trat aus dem gleißenden Licht des aktivierten Stargates auf den Planeten P3X-116 hinaus. Ein leichter Wind wehte über die Lichtung, auf der das Gate stand, und brachte den Duft feuchter Erde und fremder Vegetation mit sich. Dichte Waldgebiete ragten an drei Seiten empor, während eine offene Ebene sich nach Osten erstreckte. Für einen Moment verharrte das Team schweigend, die Waffen im Anschlag, während ihre Augen die Umgebung scannten.
Was sie nicht bemerkten: Zwischen den Schatten der Bäume, kaum sichtbar hinter einem dichten Farngebüsch, beobachtete eine schmale Gestalt ihr Eintreffen. Reglos, aufmerksam, mit einem Blick, der alles andere als freundlich wirkte.
„SG-9 vollständig. Umgebung sieht ruhig aus“, murmelte Colonel Smith und machte eine Handbewegung.
Loeb, Wallace und Ripley bildeten augenblicklich ein defensives Dreieck um das Gate, jeder konzentriert auf seinen Sektor. Wallace hob sein Gerät an, führte erste atmosphärische Messungen durch, während Loeb bereits ein Notizpad gezückt hatte – eine Angewohnheit, die er selbst unter Stress nicht ablegte.
Smith wandte sich an seine Leute. „Wallace, Loeb – Sie beide sichern die nähere Umgebung ab. Maximal fünfzig Meter Abstand. Meldung alle zwei Minuten. Und keine Alleingänge, verstanden?“
„Verstanden, Sir“, antworteten beide gleichzeitig. Loeb schluckte hörbar, aber seine Schritte waren entschlossen, als er zusammen mit Wallace in Richtung des Waldrandes aufbrach.
Ripley hingegen trat etwas zurück und richtete ihre Funkantenne auf das Gate. „SFC, hier SG-9. Ankunft erfolgreich bestätigt. Keine besonderen Vorkommnisse zum jetzigen Zeitpunkt. Wir beginnen mit –“
Sie brach ab, als plötzlich hastige Schritte hinter ihnen erklangen. Loeb rannte aus dem Wald zurück, das Gesicht kreidebleich, seine Hände nervös am Gewehr krampfend.
„Colonel!“, keuchte er. „Da… da drüben am Waldrand – eine Leiche! Ich glaube… ich glaube, es ist jemand von SG-6!“ Alle drei drehten sich sofort in Loebs Richtung. Smith nickte knapp. „Ripley, bleiben Sie am Funk. Wallace, bei mir. Loeb, führen Sie uns.“
Das Team stapfte durch den hohen Farn, bis die Gestalt am Boden sichtbar wurde. Ein Mann in Standard-SG-Uniform, das Gesicht zur Seite gedreht, reglos. Ripley erreichte die Gruppe kurz darauf, mit dem Medkit in der Hand. „Ich überprüfe Puls und Zustand“, sagte sie, kniete sich neben den Körper und berührte vorsichtig seine Schulter.
Doch noch bevor sie den Puls messen konnte, geschah etwas, das niemand erwartet hatte. Der Körper begann sich zu bewegen. Ganz langsam, unnatürlich langsam, als würden die Gelenke erst lernen müssen, wieder zu funktionieren. Ripley wich reflexartig zurück. Wallace riss seine Waffe hoch, Loeb stolperte zwei Schritte hinter Smith, der seinerseits die Position einnahm und mit ruhiger, aber scharfer Stimme rief:
„Nicht schießen! Noch nicht!“
Der Körper setzte sich ruckartig auf. Das Gesicht des Mannes war bleich, die Augen glasig und rot unterlaufen. Ripley flüsterte: „Oh mein Gott… das ist Major Samuels… aber… er war tot. Ganz sicher.“
Ein gurgelnder Laut kam aus Samuels’ Kehle. Kein Wort, kein klarer Gedanke. Er erhob sich weiter, schwankend, aber zielstrebig – auf Ripley zu.
Smith spannte den Kiefer an. „Major? Können Sie mich hören? Bleiben Sie stehen!“
Der Mann reagierte nicht. Stattdessen machte er einen schnellen, verzerrten Schritt vorwärts.
Ripley wich zurück. „Sir, das ist nicht normal – das ist überhaupt nicht menschlich!“
Smith hob die Hand, zögerte einen Moment, dann brüllte er: „Feuer eröffnen!“
Wallace gab einen kurzen Burst ab – drei Treffer in Brust und Schulter. Samuels zuckte, taumelte, aber blieb stehen. Dann stieß er ein tierisches Fauchen aus. Loeb, der vor Schreck fast sein Gewehr hätte fallen lassen, brachte die Waffe ruckartig nach oben. Der Schuss löste sich – nur ein einziger –, und schlug sauber durch Samuels’ Stirn.
Der Körper sackte sofort zusammen, diesmal endgültig reglos. Eine bedrückende Stille breitete sich aus. Nur Loebs schweres Atmen war zu hören.
Smith trat vorsichtig näher, immer noch mit erhobener Waffe. „Ripley… überprüfen Sie ihn. Aber seien Sie vorsichtig.“ Sie kniete sich erneut hin, mit Handschuhen und Zitter in der Stimme. „Sir… ich weiß nicht, was hier passiert ist… aber das hier… das ist kein normales Verhalten. Nicht einmal annähernd.“
Smith nickte langsam, sein Blick hart, aber nachdenklich. „Dann finden wir heraus, was SG-6 hier wirklich entdeckt hat. Und warum der Major nicht tot geblieben ist. Sergeant Ripley, sichern sie die Leiche und markieren sie den Standort. Wir nehmen ihn mit, wenn wir zurück kommen.“
Der Colonel drehte sich zu Loeb um. „Das war ein guter Schuss. Erstes Mal das sie auf jemanden geschossen haben?“ Der Wissenschaftler wirkte leicht verlegen. „Auf einen Menschen? Ja, es sei denn Sie zählen die Dummies aus der Waffen Grundausbildung mit.“
Smith überlegte einen kurzen Moment, ob er hier wirklich die richtige Wahl getroffen hatte. Doch so schnell wie der Zweifel gekommen war, war er auch schon wieder verflogen. Ripley stand auf. Das war für John das Zeichen das Sie sich auf den Weg machen konnten.
„Wir gehen jetzt zu der letzten bekannten Position von SG-6. Wallace sie gehen voran, dann Ripley, Loeb und ich bilden die Nachhut. 10 Meter Abstand und achten Sie verschärft auf die Umgebung. Wo der herkommt, ...“ , er zeigte mit dem Lauf seiner G36 auf die Leiche des Majors, „ … gibt es vielleicht noch mehr.“
SG-9 bewegte sich vorsichtig durch den dichten Wald. Die Luft war feucht, der Boden weich, und jeder Schritt knirschte leise unter dem Gewicht ihrer Stiefel. Nach dem Vorfall mit Major Samuels lag eine unangenehme Spannung in der Luft. Niemand sagte etwas, doch die Blicke, die sich die Teammitglieder zuwarfen, verrieten genug: Wenn einer der SG-6-Leute sich so verhalten hatte … wer wusste, wie viele weitere sich in den Schatten verbargen?
Ein plötzliches Krachen irgendwo links von ihnen ließ alle alarmiert stehen bleiben. Es klang nicht nach Tier – eher nach einem hastigen, unkontrollierten Schritt. Loeb fuhr erschrocken herum und hob seine Waffe, Wallace tat dasselbe. Ripley ging leicht in die Knie, bereit, in Deckung zu springen.
Smith hob nur eine Hand. „Ruhe.“
Er lauschte. Ein zweites Geräusch folgte, ein leises Rascheln, und dann wieder Schritte, viel zu vorsichtig, um etwas Großes zu sein – und viel zu schwer, um ein kleines Tier zu sein.
Jemand folgte ihnen.
Smith wandte nur minimal den Kopf zu Wallace und machte eine knappe Handbewegung – ein militärisches Zeichen, das eindeutig war: Flankieren. Umrunden. Zugriff von hinten.
Wallace nickte kaum merklich und glitt beinahe lautlos in die dichten Büsche. Der Rest des Teams blieb sichtbar auf dem Weg stehen. Smith gab das Zeichen.
„Also gut“, sagte er laut, damit es im Wald widerhallte. „Wer auch immer da ist – wir wissen, dass Sie uns folgen. Kommen Sie raus. Langsam. Hände hoch.“
Keine Antwort.
Ripley hob die Waffe etwas höher. „Sir, ich sehe nichts.“
„Er wird sich zeigen“, murmelte Smith.
Fünf qualvolle Sekunden vergingen.
Dann hörten sie hinter einem großen Baum ein überrascht herausstoßendes Keuchen – und Wallace’ Stimme:
„Hab ihn!“
Smith wirbelte herum, und aus dem Dickicht wurde eine Gestalt gezerrt. Ein humanoides Wesen, dünn, mit leicht rötlicher Haut und großen dunklen Augen, die vor Angst förmlich glänzten. Es zitterte am ganzen Körper. Wallace hielt es fest, jedoch ohne unnötige Gewalt.
„Sir“, sagte Wallace, „ich glaube nicht, dass es kämpfen will.“
Das Wesen hob die Hände und stammelte in schwer gebrochenem Deutsch, offensichtlich einstudiert, kaum beherrscht: „Nicht… wehtun. Bitte… nicht.“
Smith hob beschwichtigend die Hand. „Wir tun dir nichts. Aber du musst uns sagen, warum du uns folgst.“
Das Wesen schnappte nach Luft, suchte nach Worten. „Ich… habe gesehen. Menschen… wie ihr. Sie kamen. In unser Dorf. Soldaten… einer hieß… Samuels? Ja. Major Samuels.“
SG-9 tauschte sofort Blicke aus.
„Was ist passiert?“, fragte Smith ruhig.
Das Wesen zitterte stärker. „Dorf… ruhig war. Dann… Tote kamen. Männer von euch… liefen. Major Samuels… rannte weg. Viele Tote hinter ihm. Viele.“ Seine Augen wurden vor Entsetzen groß. „Sie… jagen alles. Alles Lebende.“
Loeb erschauderte. „Das sind also mehr von… diesen Dingern wie Samuels.“
Smith nickte düster und kontrollierte sein Magazin.
„Gut“, sagte er und legte eine Hand auf die Schulter des Wesens. „Dann führ uns zum Dorf. Wir müssen verstehen, womit wir es hier zu tun haben.“
Das Wesen riss plötzlich panisch die Augen auf, stieß einen heiseren Laut aus und wand sich mit überraschender Kraft aus Wallace’ Griff. Bevor jemand reagieren konnte, sprang es zur Seite und verschwand zwischen den Bäumen, raschelnd, stolpernd, aber schnell.
„Ich hol’s zurück!“, rief Wallace und setzte schon zum Sprint an.
„Negativ!“ Smiths Stimme schnitt scharf durch den Wald. „Zurück ins Team, Major! Wir wissen nicht, wie viele von diesen.... Zombies, sich hier herum schleichen. Der Bursche hat es bisher auch ohne uns geschafft zu überleben und anscheinend fühlt er sich hier im Wald alleine sicherer, als bei uns.“
Widerwillig blieb Wallace stehen, die Waffe im Anschlag, den Blick noch immer auf die Richtung des Flüchtenden gerichtet.
Smith nickte Wallace zu. „Weiter zum Dorf. Augen offen halten.“
***
SG-9 erreichte lautlos die Grenze des Dorfes und glitt sofort in Deckung hinter eine niedrige Mauer, deren Steine mit Moos und dunklen Flecken überzogen waren. Der Wind trug den Geruch von feuchter Erde und etwas Moderigem herüber, das den Colonel unwillkürlich an verwesendes Fleisch denken ließ. Ripley und Loeb übernahmen die Sicherung des Rückraums, ihre Waffen fest im Griff, bereit auf jede Bewegung im Wald zu reagieren. Smith und Wallace hingegen richteten ihre Ferngläser auf die zerfallenen Hütten und die offene Fläche dahinter.
„Zwei Ziele“, murmelte Wallace.
Smith stellte den Fokus schärfer. Dort, am Rand eines kleinen Sees – oder, wie Wallace es sofort kommentierte, einer „Pfütze mit Größenwahn“ – standen zwei Gestalten reglos wie Statuen. Der eine sah aus wie das Wesen, das ihnen im Wald begegnet war. Doch die zweite Gestalt ließ Smiths Magen schlagartig enger werden.
„Captain Becker“, flüsterte er. Die Uniform war zerrissen, das Gesicht blass, die Augen leer. Doch es gab keinen Zweifel. Wallace nickte bestätigend. „Eindeutig, Sir.“ Es war Becker – oder zumindest das, was von ihm geblieben war.
Smith bemerkte wie die Wange des Majors zuckte. „Kannten sie ihn?“ Ohne ihren kommandierenden Offizier anzusehen antwortete sie: „Ja, Sir. Wir waren in derselben Trainngsgruppe, als wir zum Stargate Kommando versetzt wurden.“ John sparte sich weiteren Fragen und richteten seine Aufmerksamkeit wieder auf die beiden Untoten.
Diese bewegten sich weiterhin nicht. Keine Muskelregung. Sie starrten nur auf das dunkle Wasser vor ihnen – als würden sie auf etwas warten.
Wallace schob leise ihren Helm nach unten. „Sir… wir sollten versuchen, einen von ihnen gefangen zu nehmen. Wenn wir einen mit zurückbringen, können die Eierköpfe im SGC herausfinden,was mit SG-6 passiert ist.“
Der Colonel bemerkte aus dem Augenwinkel wie Loeb sich kurz bei dem Wort „Eierköpfe“ zu ihnen umdrehte und etwas sagen wollte. Das führte dazu das Ripley ihm mit ihren geballten Hand an der Schulter anstieß und zu verstehen gab, dass er nach vorne gucken sollte.
Smith schwieg dazu und konzentrierte sich auf sein eigenes kleines Problem. Der Vorschlag des Majors war nicht falsch.
Aber er wusste auch, dass ein Fangversuch Lärm, Risiko und Chaos bedeutete – und sie hatten keine Ahnung, wie schnell diese Wesen reagierten oder wie viele noch im Dorf lauerten.
„Sir?“, hakte Wallace leise nach.
Smith beobachtete Becker einen Moment länger, dessen Kopf leicht ruckte, als würde er auf Geräusche lauschen. Sein Finger trommelte nachdenklich auf den Lauf seines Gewehrs.
Er zögerte.
Smith nahm langsam das Fernglas vom Gesicht, atmete tief durch und traf eine Entscheidung. „Wallace, Loeb“, flüsterte er leise, aber mit einem Unterton, der keinen Widerspruch duldete. „Ihr geht zurück zum Gate. Meldet dem SGC alles, was wir wissen: SG-6 vermisst, bestätigte Untote, mögliches Infektions- oder Kontrollverhalten. Becker ist einer von ihnen. Wir brauchen sofortige Anweisungen und eventuell ein medizinisches Team.“
Loeb wollte protestieren, doch Wallace zog ihn bereits mit sich. „Wir sind unterwegs, Sir.“
Als die beiden im Wald verschwunden waren, wandte sich Smith an Ripley. „Bleiben Sie hinter der Mauer in Deckung. Ich teste die Reaktion der Wesen. Kein unnötiges Risiko.“
Ripley nickte, auch wenn ihre Augen zeigten, dass Sie die Entscheidung für gewagt hielt. Doch der Befehl stand.
Smith drang vorsichtig weiter vor, Schritt für Schritt, den Blick auf die beiden stillen Gestalten gerichtet. Becker und das andere Wesen standen noch immer am Rand des kleinen Sees, die Körper starr, die Köpfe leicht schief wie Puppen, denen jemand vergessen hatte, Leben einzuhauchen.
Als Smith einen Ast zertrat, knackte es laut. Sofort hoben beide Untote die Köpfe. Ihre Bewegungen waren ruckartig, unnatürlich, aber eindeutig eine Reaktion.
„Captain Becker!“, rief Smith.
Die Wirkung war sofort. Beide Körper richteten sich auf, als hätte man eine unsichtbare Kette angespannt. Die leeren Augen fixierten ihn direkt, und ein leises, heiseres Röcheln entwich Beckers Kehle.
„Sie hören mich… interessant“, murmelte Smith.
Er hob langsam die Hand, machte eine große, deutliche Stopp-Geste. Die Untoten hielten tatsächlich inne. Becker blinzelte – einmal, quälend langsam.
„Ripley?“, flüsterte Smith leise. „Reaktion auf Ansprache und Gesten bestätigt.“
„Sir… das ist unglaublich“, hauchte Ripley zurück.
Smith setzte gerade dazu an, einen weiteren Schritt zu wagen, als ein tiefes, vibrierendes Grollen die Luft erschütterte.
Doch es kam nicht aus dem Wald.
Es kam aus dem See.
Smith erstarrte.
Die Wasseroberfläche, eben noch spiegelglatt, begann sich zu kräuseln. Erst nur leicht, dann stärker, kreisförmig, als würde etwas unter der Oberfläche pulsieren. Kleine Wellen liefen über den schlammigen Rand, und ein dunkler Schatten formte sich unter der trüben Fläche.
Becker und das andere Untote reagierten sofort. Ihre Köpfe ruckten gleichzeitig in Richtung Wasser, die Körper leicht nach vorne gebeugt, als horchten sie auf einen stummen Befehl.
„Sir… das Wasser…“, meldete Ripley flüsternd, die Stimme angespannt.
„Ich sehe es“, antwortete Smith ebenso leise.
Das Grollen verstärkte sich, wurde tiefer, vibrierender, fast organisch. Luftblasen stiegen auf, platzten mit schmatzendem Geräusch an der Oberfläche. Irgendetwas regte sich dort unten. Groß. Schwer.
Die Untoten machten zwei Schritte auf den See zu – frühere Menschen, die nun wie magnetisch von dem Wesen oder der Kraft im Wasser angezogen wurden.
„Ripley, sichern!“, befahl Smith scharf, ohne den Blick abzuwenden.
Er hob sein Gewehr an, den Finger am Abzug. Doch er wusste: Schießen bedeutete Lärm. Lärm bedeutete Risiko. Und noch wussten sie nicht, ob das, was dort unten lauerte, ein einzelnes Wesen oder nur der Anfang war.
Das Wasser wölbte sich.
„Was zum…“, flüsterte Smith.
Die Oberfläche brach.
***
P3X-116
SG-9 trat aus dem gleißenden Licht des aktivierten Stargates auf den Planeten P3X-116 hinaus. Ein leichter Wind wehte über die Lichtung, auf der das Gate stand, und brachte den Duft feuchter Erde und fremder Vegetation mit sich. Dichte Waldgebiete ragten an drei Seiten empor, während eine offene Ebene sich nach Osten erstreckte. Für einen Moment verharrte das Team schweigend, die Waffen im Anschlag, während ihre Augen die Umgebung scannten.
Was sie nicht bemerkten: Zwischen den Schatten der Bäume, kaum sichtbar hinter einem dichten Farngebüsch, beobachtete eine schmale Gestalt ihr Eintreffen. Reglos, aufmerksam, mit einem Blick, der alles andere als freundlich wirkte.
„SG-9 vollständig. Umgebung sieht ruhig aus“, murmelte Colonel Smith und machte eine Handbewegung.
Loeb, Wallace und Ripley bildeten augenblicklich ein defensives Dreieck um das Gate, jeder konzentriert auf seinen Sektor. Wallace hob sein Gerät an, führte erste atmosphärische Messungen durch, während Loeb bereits ein Notizpad gezückt hatte – eine Angewohnheit, die er selbst unter Stress nicht ablegte.
Smith wandte sich an seine Leute. „Wallace, Loeb – Sie beide sichern die nähere Umgebung ab. Maximal fünfzig Meter Abstand. Meldung alle zwei Minuten. Und keine Alleingänge, verstanden?“
„Verstanden, Sir“, antworteten beide gleichzeitig. Loeb schluckte hörbar, aber seine Schritte waren entschlossen, als er zusammen mit Wallace in Richtung des Waldrandes aufbrach.
Ripley hingegen trat etwas zurück und richtete ihre Funkantenne auf das Gate. „SFC, hier SG-9. Ankunft erfolgreich bestätigt. Keine besonderen Vorkommnisse zum jetzigen Zeitpunkt. Wir beginnen mit –“
Sie brach ab, als plötzlich hastige Schritte hinter ihnen erklangen. Loeb rannte aus dem Wald zurück, das Gesicht kreidebleich, seine Hände nervös am Gewehr krampfend.
„Colonel!“, keuchte er. „Da… da drüben am Waldrand – eine Leiche! Ich glaube… ich glaube, es ist jemand von SG-6!“ Alle drei drehten sich sofort in Loebs Richtung. Smith nickte knapp. „Ripley, bleiben Sie am Funk. Wallace, bei mir. Loeb, führen Sie uns.“
Das Team stapfte durch den hohen Farn, bis die Gestalt am Boden sichtbar wurde. Ein Mann in Standard-SG-Uniform, das Gesicht zur Seite gedreht, reglos. Ripley erreichte die Gruppe kurz darauf, mit dem Medkit in der Hand. „Ich überprüfe Puls und Zustand“, sagte sie, kniete sich neben den Körper und berührte vorsichtig seine Schulter.
Doch noch bevor sie den Puls messen konnte, geschah etwas, das niemand erwartet hatte. Der Körper begann sich zu bewegen. Ganz langsam, unnatürlich langsam, als würden die Gelenke erst lernen müssen, wieder zu funktionieren. Ripley wich reflexartig zurück. Wallace riss seine Waffe hoch, Loeb stolperte zwei Schritte hinter Smith, der seinerseits die Position einnahm und mit ruhiger, aber scharfer Stimme rief:
„Nicht schießen! Noch nicht!“
Der Körper setzte sich ruckartig auf. Das Gesicht des Mannes war bleich, die Augen glasig und rot unterlaufen. Ripley flüsterte: „Oh mein Gott… das ist Major Samuels… aber… er war tot. Ganz sicher.“
Ein gurgelnder Laut kam aus Samuels’ Kehle. Kein Wort, kein klarer Gedanke. Er erhob sich weiter, schwankend, aber zielstrebig – auf Ripley zu.
Smith spannte den Kiefer an. „Major? Können Sie mich hören? Bleiben Sie stehen!“
Der Mann reagierte nicht. Stattdessen machte er einen schnellen, verzerrten Schritt vorwärts.
Ripley wich zurück. „Sir, das ist nicht normal – das ist überhaupt nicht menschlich!“
Smith hob die Hand, zögerte einen Moment, dann brüllte er: „Feuer eröffnen!“
Wallace gab einen kurzen Burst ab – drei Treffer in Brust und Schulter. Samuels zuckte, taumelte, aber blieb stehen. Dann stieß er ein tierisches Fauchen aus. Loeb, der vor Schreck fast sein Gewehr hätte fallen lassen, brachte die Waffe ruckartig nach oben. Der Schuss löste sich – nur ein einziger –, und schlug sauber durch Samuels’ Stirn.
Der Körper sackte sofort zusammen, diesmal endgültig reglos. Eine bedrückende Stille breitete sich aus. Nur Loebs schweres Atmen war zu hören.
Smith trat vorsichtig näher, immer noch mit erhobener Waffe. „Ripley… überprüfen Sie ihn. Aber seien Sie vorsichtig.“ Sie kniete sich erneut hin, mit Handschuhen und Zitter in der Stimme. „Sir… ich weiß nicht, was hier passiert ist… aber das hier… das ist kein normales Verhalten. Nicht einmal annähernd.“
Smith nickte langsam, sein Blick hart, aber nachdenklich. „Dann finden wir heraus, was SG-6 hier wirklich entdeckt hat. Und warum der Major nicht tot geblieben ist. Sergeant Ripley, sichern sie die Leiche und markieren sie den Standort. Wir nehmen ihn mit, wenn wir zurück kommen.“
Der Colonel drehte sich zu Loeb um. „Das war ein guter Schuss. Erstes Mal das sie auf jemanden geschossen haben?“ Der Wissenschaftler wirkte leicht verlegen. „Auf einen Menschen? Ja, es sei denn Sie zählen die Dummies aus der Waffen Grundausbildung mit.“
Smith überlegte einen kurzen Moment, ob er hier wirklich die richtige Wahl getroffen hatte. Doch so schnell wie der Zweifel gekommen war, war er auch schon wieder verflogen. Ripley stand auf. Das war für John das Zeichen das Sie sich auf den Weg machen konnten.
„Wir gehen jetzt zu der letzten bekannten Position von SG-6. Wallace sie gehen voran, dann Ripley, Loeb und ich bilden die Nachhut. 10 Meter Abstand und achten Sie verschärft auf die Umgebung. Wo der herkommt, ...“ , er zeigte mit dem Lauf seiner G36 auf die Leiche des Majors, „ … gibt es vielleicht noch mehr.“
SG-9 bewegte sich vorsichtig durch den dichten Wald. Die Luft war feucht, der Boden weich, und jeder Schritt knirschte leise unter dem Gewicht ihrer Stiefel. Nach dem Vorfall mit Major Samuels lag eine unangenehme Spannung in der Luft. Niemand sagte etwas, doch die Blicke, die sich die Teammitglieder zuwarfen, verrieten genug: Wenn einer der SG-6-Leute sich so verhalten hatte … wer wusste, wie viele weitere sich in den Schatten verbargen?
Ein plötzliches Krachen irgendwo links von ihnen ließ alle alarmiert stehen bleiben. Es klang nicht nach Tier – eher nach einem hastigen, unkontrollierten Schritt. Loeb fuhr erschrocken herum und hob seine Waffe, Wallace tat dasselbe. Ripley ging leicht in die Knie, bereit, in Deckung zu springen.
Smith hob nur eine Hand. „Ruhe.“
Er lauschte. Ein zweites Geräusch folgte, ein leises Rascheln, und dann wieder Schritte, viel zu vorsichtig, um etwas Großes zu sein – und viel zu schwer, um ein kleines Tier zu sein.
Jemand folgte ihnen.
Smith wandte nur minimal den Kopf zu Wallace und machte eine knappe Handbewegung – ein militärisches Zeichen, das eindeutig war: Flankieren. Umrunden. Zugriff von hinten.
Wallace nickte kaum merklich und glitt beinahe lautlos in die dichten Büsche. Der Rest des Teams blieb sichtbar auf dem Weg stehen. Smith gab das Zeichen.
„Also gut“, sagte er laut, damit es im Wald widerhallte. „Wer auch immer da ist – wir wissen, dass Sie uns folgen. Kommen Sie raus. Langsam. Hände hoch.“
Keine Antwort.
Ripley hob die Waffe etwas höher. „Sir, ich sehe nichts.“
„Er wird sich zeigen“, murmelte Smith.
Fünf qualvolle Sekunden vergingen.
Dann hörten sie hinter einem großen Baum ein überrascht herausstoßendes Keuchen – und Wallace’ Stimme:
„Hab ihn!“
Smith wirbelte herum, und aus dem Dickicht wurde eine Gestalt gezerrt. Ein humanoides Wesen, dünn, mit leicht rötlicher Haut und großen dunklen Augen, die vor Angst förmlich glänzten. Es zitterte am ganzen Körper. Wallace hielt es fest, jedoch ohne unnötige Gewalt.
„Sir“, sagte Wallace, „ich glaube nicht, dass es kämpfen will.“
Das Wesen hob die Hände und stammelte in schwer gebrochenem Deutsch, offensichtlich einstudiert, kaum beherrscht: „Nicht… wehtun. Bitte… nicht.“
Smith hob beschwichtigend die Hand. „Wir tun dir nichts. Aber du musst uns sagen, warum du uns folgst.“
Das Wesen schnappte nach Luft, suchte nach Worten. „Ich… habe gesehen. Menschen… wie ihr. Sie kamen. In unser Dorf. Soldaten… einer hieß… Samuels? Ja. Major Samuels.“
SG-9 tauschte sofort Blicke aus.
„Was ist passiert?“, fragte Smith ruhig.
Das Wesen zitterte stärker. „Dorf… ruhig war. Dann… Tote kamen. Männer von euch… liefen. Major Samuels… rannte weg. Viele Tote hinter ihm. Viele.“ Seine Augen wurden vor Entsetzen groß. „Sie… jagen alles. Alles Lebende.“
Loeb erschauderte. „Das sind also mehr von… diesen Dingern wie Samuels.“
Smith nickte düster und kontrollierte sein Magazin.
„Gut“, sagte er und legte eine Hand auf die Schulter des Wesens. „Dann führ uns zum Dorf. Wir müssen verstehen, womit wir es hier zu tun haben.“
Das Wesen riss plötzlich panisch die Augen auf, stieß einen heiseren Laut aus und wand sich mit überraschender Kraft aus Wallace’ Griff. Bevor jemand reagieren konnte, sprang es zur Seite und verschwand zwischen den Bäumen, raschelnd, stolpernd, aber schnell.
„Ich hol’s zurück!“, rief Wallace und setzte schon zum Sprint an.
„Negativ!“ Smiths Stimme schnitt scharf durch den Wald. „Zurück ins Team, Major! Wir wissen nicht, wie viele von diesen.... Zombies, sich hier herum schleichen. Der Bursche hat es bisher auch ohne uns geschafft zu überleben und anscheinend fühlt er sich hier im Wald alleine sicherer, als bei uns.“
Widerwillig blieb Wallace stehen, die Waffe im Anschlag, den Blick noch immer auf die Richtung des Flüchtenden gerichtet.
Smith nickte Wallace zu. „Weiter zum Dorf. Augen offen halten.“
***
SG-9 erreichte lautlos die Grenze des Dorfes und glitt sofort in Deckung hinter eine niedrige Mauer, deren Steine mit Moos und dunklen Flecken überzogen waren. Der Wind trug den Geruch von feuchter Erde und etwas Moderigem herüber, das den Colonel unwillkürlich an verwesendes Fleisch denken ließ. Ripley und Loeb übernahmen die Sicherung des Rückraums, ihre Waffen fest im Griff, bereit auf jede Bewegung im Wald zu reagieren. Smith und Wallace hingegen richteten ihre Ferngläser auf die zerfallenen Hütten und die offene Fläche dahinter.
„Zwei Ziele“, murmelte Wallace.
Smith stellte den Fokus schärfer. Dort, am Rand eines kleinen Sees – oder, wie Wallace es sofort kommentierte, einer „Pfütze mit Größenwahn“ – standen zwei Gestalten reglos wie Statuen. Der eine sah aus wie das Wesen, das ihnen im Wald begegnet war. Doch die zweite Gestalt ließ Smiths Magen schlagartig enger werden.
„Captain Becker“, flüsterte er. Die Uniform war zerrissen, das Gesicht blass, die Augen leer. Doch es gab keinen Zweifel. Wallace nickte bestätigend. „Eindeutig, Sir.“ Es war Becker – oder zumindest das, was von ihm geblieben war.
Smith bemerkte wie die Wange des Majors zuckte. „Kannten sie ihn?“ Ohne ihren kommandierenden Offizier anzusehen antwortete sie: „Ja, Sir. Wir waren in derselben Trainngsgruppe, als wir zum Stargate Kommando versetzt wurden.“ John sparte sich weiteren Fragen und richteten seine Aufmerksamkeit wieder auf die beiden Untoten.
Diese bewegten sich weiterhin nicht. Keine Muskelregung. Sie starrten nur auf das dunkle Wasser vor ihnen – als würden sie auf etwas warten.
Wallace schob leise ihren Helm nach unten. „Sir… wir sollten versuchen, einen von ihnen gefangen zu nehmen. Wenn wir einen mit zurückbringen, können die Eierköpfe im SGC herausfinden,was mit SG-6 passiert ist.“
Der Colonel bemerkte aus dem Augenwinkel wie Loeb sich kurz bei dem Wort „Eierköpfe“ zu ihnen umdrehte und etwas sagen wollte. Das führte dazu das Ripley ihm mit ihren geballten Hand an der Schulter anstieß und zu verstehen gab, dass er nach vorne gucken sollte.
Smith schwieg dazu und konzentrierte sich auf sein eigenes kleines Problem. Der Vorschlag des Majors war nicht falsch.
Aber er wusste auch, dass ein Fangversuch Lärm, Risiko und Chaos bedeutete – und sie hatten keine Ahnung, wie schnell diese Wesen reagierten oder wie viele noch im Dorf lauerten.
„Sir?“, hakte Wallace leise nach.
Smith beobachtete Becker einen Moment länger, dessen Kopf leicht ruckte, als würde er auf Geräusche lauschen. Sein Finger trommelte nachdenklich auf den Lauf seines Gewehrs.
Er zögerte.
Smith nahm langsam das Fernglas vom Gesicht, atmete tief durch und traf eine Entscheidung. „Wallace, Loeb“, flüsterte er leise, aber mit einem Unterton, der keinen Widerspruch duldete. „Ihr geht zurück zum Gate. Meldet dem SGC alles, was wir wissen: SG-6 vermisst, bestätigte Untote, mögliches Infektions- oder Kontrollverhalten. Becker ist einer von ihnen. Wir brauchen sofortige Anweisungen und eventuell ein medizinisches Team.“
Loeb wollte protestieren, doch Wallace zog ihn bereits mit sich. „Wir sind unterwegs, Sir.“
Als die beiden im Wald verschwunden waren, wandte sich Smith an Ripley. „Bleiben Sie hinter der Mauer in Deckung. Ich teste die Reaktion der Wesen. Kein unnötiges Risiko.“
Ripley nickte, auch wenn ihre Augen zeigten, dass Sie die Entscheidung für gewagt hielt. Doch der Befehl stand.
Smith drang vorsichtig weiter vor, Schritt für Schritt, den Blick auf die beiden stillen Gestalten gerichtet. Becker und das andere Wesen standen noch immer am Rand des kleinen Sees, die Körper starr, die Köpfe leicht schief wie Puppen, denen jemand vergessen hatte, Leben einzuhauchen.
Als Smith einen Ast zertrat, knackte es laut. Sofort hoben beide Untote die Köpfe. Ihre Bewegungen waren ruckartig, unnatürlich, aber eindeutig eine Reaktion.
„Captain Becker!“, rief Smith.
Die Wirkung war sofort. Beide Körper richteten sich auf, als hätte man eine unsichtbare Kette angespannt. Die leeren Augen fixierten ihn direkt, und ein leises, heiseres Röcheln entwich Beckers Kehle.
„Sie hören mich… interessant“, murmelte Smith.
Er hob langsam die Hand, machte eine große, deutliche Stopp-Geste. Die Untoten hielten tatsächlich inne. Becker blinzelte – einmal, quälend langsam.
„Ripley?“, flüsterte Smith leise. „Reaktion auf Ansprache und Gesten bestätigt.“
„Sir… das ist unglaublich“, hauchte Ripley zurück.
Smith setzte gerade dazu an, einen weiteren Schritt zu wagen, als ein tiefes, vibrierendes Grollen die Luft erschütterte.
Doch es kam nicht aus dem Wald.
Es kam aus dem See.
Smith erstarrte.
Die Wasseroberfläche, eben noch spiegelglatt, begann sich zu kräuseln. Erst nur leicht, dann stärker, kreisförmig, als würde etwas unter der Oberfläche pulsieren. Kleine Wellen liefen über den schlammigen Rand, und ein dunkler Schatten formte sich unter der trüben Fläche.
Becker und das andere Untote reagierten sofort. Ihre Köpfe ruckten gleichzeitig in Richtung Wasser, die Körper leicht nach vorne gebeugt, als horchten sie auf einen stummen Befehl.
„Sir… das Wasser…“, meldete Ripley flüsternd, die Stimme angespannt.
„Ich sehe es“, antwortete Smith ebenso leise.
Das Grollen verstärkte sich, wurde tiefer, vibrierender, fast organisch. Luftblasen stiegen auf, platzten mit schmatzendem Geräusch an der Oberfläche. Irgendetwas regte sich dort unten. Groß. Schwer.
Die Untoten machten zwei Schritte auf den See zu – frühere Menschen, die nun wie magnetisch von dem Wesen oder der Kraft im Wasser angezogen wurden.
„Ripley, sichern!“, befahl Smith scharf, ohne den Blick abzuwenden.
Er hob sein Gewehr an, den Finger am Abzug. Doch er wusste: Schießen bedeutete Lärm. Lärm bedeutete Risiko. Und noch wussten sie nicht, ob das, was dort unten lauerte, ein einzelnes Wesen oder nur der Anfang war.
Das Wasser wölbte sich.
„Was zum…“, flüsterte Smith.
Die Oberfläche brach.
