02.12.2025, 15:18
Heute werde ich mich nicht mit öangen Vorreden aufhalten.... 
***
Wallace und Loeb bewegten sich zügig, aber geduckt durch den Wald, immer wieder stehenbleibend, um zu lauschen. Die Wälder von P3X-116 waren gespenstisch still geworden. Kein Vogelruf, kein Rascheln, kein Insekt — nur ihr eigener Atem, der in der bedrückenden Stille viel zu laut wirkte.
Nach einigen Minuten erreichten sie die Lichtung des Sternentors. Die Sonne stand inzwischen höher, und ihre Strahlen brachen sich hart an der metallenen Oberfläche des Tores, warfen flackernde Reflexe in die umstehenden Bäume wie Signale, die niemand zu deuten wusste. Doch der Anblick, der sich ihnen bot, ließ beiden das Blut in den Adern gefrieren.
Die gesamte Anlage rund um das Stargate war von Untoten umzingelt.
Mindestens hundert, wahrscheinlich mehr Wesen standen oder taumelten zwischen den Steinen, im Gras, bei den abgebrannten Fackeln. Einige wirkten, als hätten sie einmal Uniformen getragen, andere sahen aus wie Einheimische. Ihre Bewegungen waren ruckartig, fahrig — und doch alle in Richtung des Tores ausgerichtet, als warteten sie auf etwas, das ihnen niemand erklärt hatte.
Und genau dort, wo das Rückkehrwahlgerät stand, drängte sich eine besonders dichte Gruppe zusammen.
„Verdammt“, flüsterte Loeb. „Da kommen wir nie ran…“
Wallace zog ihn sofort weiter zurück, hinter ein umgestürztes Stück Baumstamm. „Runter! Keine schnellen Bewegungen. Die dürfen uns nicht sehen.“
Sie lugte über die borkige Kante und verengte die Augen. „Das sind zu viele. Selbst wenn wir feuern, erreichen wir das DHD nicht.“
Loeb nickte schwer. Seine Stirn glänzte vor Anstrengung. „Was machen wir jetzt?“
Wallace wollte gerade etwas erwidern, da zuckte sie plötzlich zusammen. Zwischen den stehenden Untoten, halb am Rand, halb im Schatten — bewegte sich etwas, das ihr sofort bekannt vorkam.
Das Wesen aus dem Wald.
Dasselbe menschenähnliche Geschöpf, das sie und Smith erst vor Kurzem festgehalten hatten, das panisch gewesen war, aber lebendig. Jetzt stand es reglos, Kopf leicht zur Seite geneigt, die Haut fahl und wächsern. Es wirkte… leer.
„Oh nein…“, flüsterte Wallace. „Sie haben es erwischt. Es ist… eines von ihnen.“
Loeb verzog das Gesicht, als wollte er etwas sagen — und trat auf einen Ast.
Knack.
Ein einzelnes, erbarmungslos lautes Geräusch.
Wallace riss die Augen auf. „Loeb… bitte sag mir, dass das nicht—“
Doch es war zu spät.
Zuerst drehten sich zwei Köpfe in ihre Richtung. Dann fünf. Dann alle.
Die Horde begann sich zu bewegen. Nicht schnell — aber zielgerichtet, unerbittlich, keuchend, schlurfend, mit diesem furchtbaren Laut, der irgendwo zwischen Röcheln und einem trockenen, brechenden Kratzen lag.
Loeb wurde kalkweiß. „O-okay… das ist schlecht… sehr schlecht—“
Wallace warf ihm einen Blick zu, der gleichzeitig wütend, unglaublich frustriert und völlig ungläubig war. „Loeb… du bist ein verdammter Idiot.“
Loeb blinzelte. „Was?! Das war ein Unfall!“
„Ist mir egal! Beine in die Hand — JETZT!“ fauchte Wallace.
Sie packte ihn am Kragen und zerrte ihn hoch. Die ersten Untoten durchbrachen bereits den äußeren Ring der Bäume.
Wallace stieß Loeb an. „Los! Lauf, bevor wir hier verrotten!“
Und dann rannten sie — so schnell sie konnten — weg vom Gate, zurück Richtung Dorf, während hinter ihnen das Knurren, Schlurfen und Brechen der Untoten anschwoll wie ein tödlicher Sturm.
***
Smith stand am Rand der alten Mauer, den Blick fest auf die Oberfläche des kleinen Sees gerichtet, die sich weiter kräuselte. Das Grollen wurde intensiver, vibrierender, als würde irgendeine gewaltige Kraft direkt unter seinen Füßen pulsieren. Ripley spannte jede Muskel, die P90 fest im Anschlag, aber beide wussten: Nichts konnte sie auf das vorbereiten, was jetzt kommen würde.
Die Wasseroberfläche wölbte sich, als würde ein riesiger Luftballon darunter aufsteigen. Dann brach etwas hindurch — und Smith’ Herz setzte für einen Schlag aus.
Ein massiges, schleimiges Wesen schob sich durch die Wasseroberfläche, eine groteske, sich windende Masse, die an eine gigantische Nacktschnecke erinnerte. Ihre Haut war grau und schimmerte feucht, Adern zogen sich wie rote Linien unter der glitschigen Oberfläche entlang. Aus dem vorderen Teil streckte sich ein maulartiger Schlitz, der bei jedem Atemzug zitterte.
„Oh, großartig…“, murmelte Smith. „Das war eine verdammt blöde Idee…“
Doch noch bevor er weiterdenken konnte, hörte er Geräusche — Holz, das krachte, Stoff, der riss, langsame, schleifende Schritte.
Er drehte sich um.
Aus den Hütten des Dorfes strömten Dutzende Untote hervor. Aus Türrahmen, durch zerschlagene Fenster, manche krochen sogar aus den dunklen Spalten unter den Holzplanken hervor. Ihre leeren Augen richteten sich unisono auf ihn.
Es waren zu viele. Viel zu viele.
„Verdammt!“ Smith riss die Waffe hoch und sprintete zurück in Richtung Deckung. Doch kaum hatte er zwei Schritte gemacht, standen ihm vier Untote direkt im Weg — als hätten sie ihn erwartet. Ihre Körper waren verdreht, einer hatte nur noch einen Arm, ein anderer schleppte ein Bein hinter sich her. Sie öffneten ihre Münder zu einem trockenen, kratzenden Röcheln.
Smith hob das Gewehr — aber er kam nicht mehr dazu zu feuern.
PFFT—PFFT—PFFT—PFFT
Vier perfekte Kopfschüsse trafen die Untoten nacheinander. Alle vier Körper kippten nahezu zeitgleich um, als hätte jemand ihre Fäden durchtrennt. Blut und graue Masse spritzten auf den Boden.
Smith riss herum.
Ripley stand hinter der Mauer, halb kniend, die P90 auf ihn gerichtet — oder besser gesagt: auf das, was ihn bedrohte. Ihr Ausdruck war entschlossen, kühl, beinahe unheimlich konzentriert.
„Ich hab’s Ihnen gesagt, Sir!“, rief sie.
Smith wäre beinahe aufgelacht — aus Erleichterung oder Panik, er wusste es nicht. „Ripley, bei Gott… Sie haben nicht übertrieben.“
Doch dafür blieb keine Zeit. Das Schneckenwesen hatte sich inzwischen vollständig erhoben. Es war größer, als es zuerst gewirkt hatte — mindestens drei Meter lang, und es hob seinen vorderen Körperteil an wie eine Kobra, die zum Schlag ansetzt. Die Untoten, die es umgaben, begannen sich ebenfalls zu bewegen, angelockt vom Lärm der Schüsse.
Smith griff an seinen Gürtel.
„Ripley! Deckung!“
Er zog eine Splittergranate, riss den Stift heraus und schleuderte sie mit voller Kraft in Richtung des monströsen Wesens. Die Granate prallte gegen den schleimigen Leib, glitt ab — und landete direkt am Rand des Wassers, zwischen drei weiteren Untoten.
Smith stürmte los, die neu entstandene Lücke nutzend, die Ripley ihm geschossen hatte. Er spürte, wie sich die Untoten hinter ihm bewegten, hörte ihr Keuchen, das Schleifen ihrer Füße im Schlamm.
Ripley feuerte erneut, präzise und ohne einen Funken Zögern. „Sir! Links!“
Smith duckte sich, rutschte beinahe aus und hechtete hinter die Mauer, gerade als die Granate detonierte.
BOOOOM
Der Knall riss durch das gesamte Dorf. Ein Druckstoß fegte Erde und Wasser durch die Luft. Der schleimige Körper des großen Wesens wurde zur Seite geschleudert, während mehrere Untote in Stücke gerissen oder zumindest aus dem Gleichgewicht gebracht wurden.
Einige Sekunden lang war alles Chaos.
Dann, ein kurzer Moment Stille.
„Ripley“, keuchte Smith, „das war unser Zeichen. Jetzt oder nie!“
Ripley nickte, lud geistesgegenwärtig nach und rannte bereits los. Smith folgte ihr, beide im vollen Sprint, die Waffen noch immer in den Händen. Hinter ihnen erhob sich das monotone, hungrige Aufheulen der Untoten erneut, aber diesmal weiter entfernt, verzögert durch die Explosion.
Die beiden Soldaten jagten durch das Dorf, zwischen den Hütten hindurch, über umgestürzte Gerüste und Trümmer hinweg. Smith’ Lunge brannte, Ripley schwitzte trotz der Kälte dieses Planeten.
„Richtung Gate!“, rief Ripley. „Wenn Wallace und Loeb es geschafft haben—“
Wie auf Stichwort knackte Smiths Funkgerät, gefolgt von Wallace’ schwerem Atem. „Colonel, hier Wallace… wir haben’s zum Gate geschafft, aber eine riesige Horde hängt uns im Nacken!“ Im Hintergrund hörte er Loeb fluchen und das wütende Knurren der Verfolger.
Smith duckte sich hinter den Felsblock, warf Ripley einen kurzen Blick zu und drückte die Taste. „Verstanden, Major. Hört zu: Auf dem Weg ins Dorf haben wir eine Felsformation passiert – etwa zwanzig Meter hoch, mehrere Spalten und Überhänge. Gute Deckung, gute Sichtlinien. Wir treffen uns dort.“
„Colonel, die sind schnell!“, keuchte Wallace.
„Dann seid schneller“, antwortete Smith, härter als beabsichtigt. „Haltet Abstand, bleibt in Bewegung. Ripley und ich sorgen dafür, dass euch die Biester nicht einkreisen.“
Er hörte Wallace' knappe Bestätigung, dann verstummte das Funkgerät wieder. Smith warf Ripley einen Blick zu. „Bewegung. Wir bereiten den Empfang vor.“ Ripley nickte nur, die P90 fest im Griff, während sie sich gemeinsam in Richtung des vereinbarten Treffpunkts aufmachten.
***
Die Felsformation ragte wie ein dunkler Zacken aus der Landschaft, eine verwitterte Insel aus Stein, die im flachen Licht der untergehenden Sonne lange Schatten warf. Smith und Ripley erreichten als Erste das vereinbarte Versteck. Kaum hatten sie Deckung hinter einem breiten Überhang gefunden, hörten sie hastige Schritte, dann tauchten Wallace und Loeb zwischen den Büschen auf. Beide wirkten erschöpft, aber unverletzt.
Smith richtete sich auf. „Alles gut bei euch?“
Wallace nickte schwer atmend. „Wir glauben… wir haben sie abgeschüttelt.“ Ihr Blick wanderte in die Richtung, aus der sie gekommen waren, als würde sie jederzeit erwarten, dass die Horde erneut aus dem Unterholz brach. Doch der Wald hinter ihnen blieb stumm, nur das leise Rascheln der Blätter im Abendwind war zu hören.
Ripley senkte ihre P90. „Fürs Erste scheinen wir sauber zu sein.“
Der Major richtete sich auf, strich sich den Schweiß von der Stirn und sah zum Himmel. Zwischen den Baumwipfeln glühte der Westen in einem warmen, rötlichen Gold, aber die Sonne berührte bereits den Horizont. „Wir verlieren das Licht“, sagte sie. „Und wenn das, was wir heute gesehen haben, irgendein Maßstab ist… dann will ich nicht wissen, was hier nachts herumläuft.“
„Da sind wir uns einig“, antwortete Smith. „Rauf auf die Formation. Von oben haben wir mehr Überblick und nur wenige Zugänge, die wir sichern müssen.“
Wallace und Smith begannen bereits mit dem Aufstieg. Die ersten Meter waren flach genug, doch der Fels wurde bald steiler. Die Oberfläche war brüchig, kleine Kiesel lösten sich unter ihren Stiefeln. Ripley folgte zuletzt, deutlich erschöpft von den Kämpfen des Tages. Loeb blieb dicht hinter ihr, das Funkgerät in der Hand, noch immer damit beschäftigt, es auf Schäden zu prüfen.
Die Sonne sank weiter, und das Licht färbte die Felsen in tiefe Rot- und Orangetöne. Die Schatten wurden länger, das Gelände schwerer einzuschätzen.
Ripley setzte ihren Fuß auf einen breiteren Vorsprung, doch als sie sich nach oben zog, brach ein Stück Stein unter ihrem Gewicht weg. Sie rutschte zur Seite, verlor den Halt und stürzte den kurzen, aber steilen Abschnitt rückwärts hinunter. Mit einem gedämpften Schrei prallte sie hart auf dem Boden auf.
„Ripley!“ Smith beugte sich sofort über den Rand und griff nach seiner Waffe, während Wallace alarmiert zurückblickte.
Loeb aber reagierte schneller als jeder von ihnen. Er sprang den Hang hinunter, rutschte auf den letzten Metern fast in einen kontrollierten Fall und landete neben Ripley. Er kniete sich sofort zu ihr, legte behutsam seine Hände an ihr Bein.
Ripley presste die Zähne aufeinander, ihr Gesicht verzerrt vor Schmerz. „Ah—verdammt…“
„Stillhalten“, sagte Loeb mit einer Schärfe, die sie sonst nie von ihm hörten. Er betastete die Stelle vorsichtig, bis Ripley erneut scharf einatmete. Dann schüttelte er den Kopf und sah nach oben zu den beiden Offizieren. „Es ist gebrochen.“
Smith machte Anstalten, wieder hinunterzuklettern. „Ich komme runter—“
„Nein, Sir.“ Loebs Stimme schnitt klar und ungewohnt bestimmt durch den beginnenden Abend. „Das bringt jetzt nichts. Ich kann es schienen. Ihr solltet oben bleiben und das Gelände sichern, solange wir noch Restlicht haben.“
Wallace begann sofort, ihre Position am Felsrand anzupassen, um die Umgebung im Auge zu behalten. Smith blieb jedoch noch über Loeb stehen, den Kiefer verkrampft. „Sie muss hoch zu uns. Wir können hier unten niemanden schützen.“
„Genau deshalb brauchen wir ein Seil.“ Loebs Tonfall ließ keine Diskussion zu. „Werfen Sie es runter. Vorsichtig. Ich richte das Bein so, dass sie hochgezogen werden kann, ohne es schlimmer zu machen.“
Für einen Moment war nur Ripleys angestrengter Atem zu hören, während die Dunkelheit um sie herum dichter wurde. Smith atmete tief durch, zwang sich, die Kontrolle wiederzuerlangen, und nickte Wallace zu. Zusammen suchten sie in ihren Rucksäcken, bis Wallace das zusammengerollte Kletterseil hervorholte.
„Seil kommt!“, rief Wallace und ließ das Ende kontrolliert zu Loeb hinab. Es schlug neben ihm auf. Loeb griff danach, legte es Ripley über die Brust und unter die Arme und erklärte ihr ruhig jeden Schritt. Seine Hände zitterten leicht, aber sein Blick war fest.
„Das wird wehtun“, sagte er leise.
„Tu es einfach“, presste Ripley hervor.
Loeb schiente das Bein so gut er konnte – zwei gerade Äste aus dem nahen Gebüsch, fest umwickelt mit Verbandsmaterial aus seinem Medikit. Ripley erstickte einen Schrei, als er den Knochen wieder in Position brachte, aber sie hielt still, Schweiß auf der Stirn.
Oben zog Smith das Seil straff. „Bereit?“
„Bereit“, antwortete Loeb.
Gemeinsam zogen Smith und Wallace Ripley Meter für Meter nach oben, langsam und gleichmäßig. Loeb hielt sie unten stabil, bis der steilere Teil geschafft war und er selbst den Aufstieg beginnen konnte.
Als Ripley schließlich oben über die Kante gezogen wurde, senkte Smith sie vorsichtig auf einen flachen Felsvorsprung. Wallace kniete sofort neben ihr, kontrollierte die Schiene und nickte anerkennend. „Gute Arbeit, Loeb.“
Unten machte Loeb sich bereit, selbst hochzuklettern.
Loeb erreichte schließlich den oberen Absatz der Felsformation und zog sich keuchend über die Kante. Kaum oben, ließ er sich rücklings auf den warmen Stein fallen. Seine Brust hob und senkte sich schnell, der Adrenalinschub ebbte nur langsam ab. Wallace warf ihm einen kurzen, aber respektvollen Blick zu — ein stilles „gut gemacht“, das keiner Worte bedurfte.
Smith trat einen Schritt zurück, musterte seine drei Teammitglieder und straffte die Schultern. „In Ordnung“, sagte er leise. „Wir richten eine Wach- und Schlafrotation ein. Ripley ruht sich aus. Loeb, Wallace — einer von euch bleibt wach mit mir, der andere schläft.“
Die Nacht würde lang werden.
Fortsetzung folgt

***
Wallace und Loeb bewegten sich zügig, aber geduckt durch den Wald, immer wieder stehenbleibend, um zu lauschen. Die Wälder von P3X-116 waren gespenstisch still geworden. Kein Vogelruf, kein Rascheln, kein Insekt — nur ihr eigener Atem, der in der bedrückenden Stille viel zu laut wirkte.
Nach einigen Minuten erreichten sie die Lichtung des Sternentors. Die Sonne stand inzwischen höher, und ihre Strahlen brachen sich hart an der metallenen Oberfläche des Tores, warfen flackernde Reflexe in die umstehenden Bäume wie Signale, die niemand zu deuten wusste. Doch der Anblick, der sich ihnen bot, ließ beiden das Blut in den Adern gefrieren.
Die gesamte Anlage rund um das Stargate war von Untoten umzingelt.
Mindestens hundert, wahrscheinlich mehr Wesen standen oder taumelten zwischen den Steinen, im Gras, bei den abgebrannten Fackeln. Einige wirkten, als hätten sie einmal Uniformen getragen, andere sahen aus wie Einheimische. Ihre Bewegungen waren ruckartig, fahrig — und doch alle in Richtung des Tores ausgerichtet, als warteten sie auf etwas, das ihnen niemand erklärt hatte.
Und genau dort, wo das Rückkehrwahlgerät stand, drängte sich eine besonders dichte Gruppe zusammen.
„Verdammt“, flüsterte Loeb. „Da kommen wir nie ran…“
Wallace zog ihn sofort weiter zurück, hinter ein umgestürztes Stück Baumstamm. „Runter! Keine schnellen Bewegungen. Die dürfen uns nicht sehen.“
Sie lugte über die borkige Kante und verengte die Augen. „Das sind zu viele. Selbst wenn wir feuern, erreichen wir das DHD nicht.“
Loeb nickte schwer. Seine Stirn glänzte vor Anstrengung. „Was machen wir jetzt?“
Wallace wollte gerade etwas erwidern, da zuckte sie plötzlich zusammen. Zwischen den stehenden Untoten, halb am Rand, halb im Schatten — bewegte sich etwas, das ihr sofort bekannt vorkam.
Das Wesen aus dem Wald.
Dasselbe menschenähnliche Geschöpf, das sie und Smith erst vor Kurzem festgehalten hatten, das panisch gewesen war, aber lebendig. Jetzt stand es reglos, Kopf leicht zur Seite geneigt, die Haut fahl und wächsern. Es wirkte… leer.
„Oh nein…“, flüsterte Wallace. „Sie haben es erwischt. Es ist… eines von ihnen.“
Loeb verzog das Gesicht, als wollte er etwas sagen — und trat auf einen Ast.
Knack.
Ein einzelnes, erbarmungslos lautes Geräusch.
Wallace riss die Augen auf. „Loeb… bitte sag mir, dass das nicht—“
Doch es war zu spät.
Zuerst drehten sich zwei Köpfe in ihre Richtung. Dann fünf. Dann alle.
Die Horde begann sich zu bewegen. Nicht schnell — aber zielgerichtet, unerbittlich, keuchend, schlurfend, mit diesem furchtbaren Laut, der irgendwo zwischen Röcheln und einem trockenen, brechenden Kratzen lag.
Loeb wurde kalkweiß. „O-okay… das ist schlecht… sehr schlecht—“
Wallace warf ihm einen Blick zu, der gleichzeitig wütend, unglaublich frustriert und völlig ungläubig war. „Loeb… du bist ein verdammter Idiot.“
Loeb blinzelte. „Was?! Das war ein Unfall!“
„Ist mir egal! Beine in die Hand — JETZT!“ fauchte Wallace.
Sie packte ihn am Kragen und zerrte ihn hoch. Die ersten Untoten durchbrachen bereits den äußeren Ring der Bäume.
Wallace stieß Loeb an. „Los! Lauf, bevor wir hier verrotten!“
Und dann rannten sie — so schnell sie konnten — weg vom Gate, zurück Richtung Dorf, während hinter ihnen das Knurren, Schlurfen und Brechen der Untoten anschwoll wie ein tödlicher Sturm.
***
Smith stand am Rand der alten Mauer, den Blick fest auf die Oberfläche des kleinen Sees gerichtet, die sich weiter kräuselte. Das Grollen wurde intensiver, vibrierender, als würde irgendeine gewaltige Kraft direkt unter seinen Füßen pulsieren. Ripley spannte jede Muskel, die P90 fest im Anschlag, aber beide wussten: Nichts konnte sie auf das vorbereiten, was jetzt kommen würde.
Die Wasseroberfläche wölbte sich, als würde ein riesiger Luftballon darunter aufsteigen. Dann brach etwas hindurch — und Smith’ Herz setzte für einen Schlag aus.
Ein massiges, schleimiges Wesen schob sich durch die Wasseroberfläche, eine groteske, sich windende Masse, die an eine gigantische Nacktschnecke erinnerte. Ihre Haut war grau und schimmerte feucht, Adern zogen sich wie rote Linien unter der glitschigen Oberfläche entlang. Aus dem vorderen Teil streckte sich ein maulartiger Schlitz, der bei jedem Atemzug zitterte.
„Oh, großartig…“, murmelte Smith. „Das war eine verdammt blöde Idee…“
Doch noch bevor er weiterdenken konnte, hörte er Geräusche — Holz, das krachte, Stoff, der riss, langsame, schleifende Schritte.
Er drehte sich um.
Aus den Hütten des Dorfes strömten Dutzende Untote hervor. Aus Türrahmen, durch zerschlagene Fenster, manche krochen sogar aus den dunklen Spalten unter den Holzplanken hervor. Ihre leeren Augen richteten sich unisono auf ihn.
Es waren zu viele. Viel zu viele.
„Verdammt!“ Smith riss die Waffe hoch und sprintete zurück in Richtung Deckung. Doch kaum hatte er zwei Schritte gemacht, standen ihm vier Untote direkt im Weg — als hätten sie ihn erwartet. Ihre Körper waren verdreht, einer hatte nur noch einen Arm, ein anderer schleppte ein Bein hinter sich her. Sie öffneten ihre Münder zu einem trockenen, kratzenden Röcheln.
Smith hob das Gewehr — aber er kam nicht mehr dazu zu feuern.
PFFT—PFFT—PFFT—PFFT
Vier perfekte Kopfschüsse trafen die Untoten nacheinander. Alle vier Körper kippten nahezu zeitgleich um, als hätte jemand ihre Fäden durchtrennt. Blut und graue Masse spritzten auf den Boden.
Smith riss herum.
Ripley stand hinter der Mauer, halb kniend, die P90 auf ihn gerichtet — oder besser gesagt: auf das, was ihn bedrohte. Ihr Ausdruck war entschlossen, kühl, beinahe unheimlich konzentriert.
„Ich hab’s Ihnen gesagt, Sir!“, rief sie.
Smith wäre beinahe aufgelacht — aus Erleichterung oder Panik, er wusste es nicht. „Ripley, bei Gott… Sie haben nicht übertrieben.“
Doch dafür blieb keine Zeit. Das Schneckenwesen hatte sich inzwischen vollständig erhoben. Es war größer, als es zuerst gewirkt hatte — mindestens drei Meter lang, und es hob seinen vorderen Körperteil an wie eine Kobra, die zum Schlag ansetzt. Die Untoten, die es umgaben, begannen sich ebenfalls zu bewegen, angelockt vom Lärm der Schüsse.
Smith griff an seinen Gürtel.
„Ripley! Deckung!“
Er zog eine Splittergranate, riss den Stift heraus und schleuderte sie mit voller Kraft in Richtung des monströsen Wesens. Die Granate prallte gegen den schleimigen Leib, glitt ab — und landete direkt am Rand des Wassers, zwischen drei weiteren Untoten.
Smith stürmte los, die neu entstandene Lücke nutzend, die Ripley ihm geschossen hatte. Er spürte, wie sich die Untoten hinter ihm bewegten, hörte ihr Keuchen, das Schleifen ihrer Füße im Schlamm.
Ripley feuerte erneut, präzise und ohne einen Funken Zögern. „Sir! Links!“
Smith duckte sich, rutschte beinahe aus und hechtete hinter die Mauer, gerade als die Granate detonierte.
BOOOOM
Der Knall riss durch das gesamte Dorf. Ein Druckstoß fegte Erde und Wasser durch die Luft. Der schleimige Körper des großen Wesens wurde zur Seite geschleudert, während mehrere Untote in Stücke gerissen oder zumindest aus dem Gleichgewicht gebracht wurden.
Einige Sekunden lang war alles Chaos.
Dann, ein kurzer Moment Stille.
„Ripley“, keuchte Smith, „das war unser Zeichen. Jetzt oder nie!“
Ripley nickte, lud geistesgegenwärtig nach und rannte bereits los. Smith folgte ihr, beide im vollen Sprint, die Waffen noch immer in den Händen. Hinter ihnen erhob sich das monotone, hungrige Aufheulen der Untoten erneut, aber diesmal weiter entfernt, verzögert durch die Explosion.
Die beiden Soldaten jagten durch das Dorf, zwischen den Hütten hindurch, über umgestürzte Gerüste und Trümmer hinweg. Smith’ Lunge brannte, Ripley schwitzte trotz der Kälte dieses Planeten.
„Richtung Gate!“, rief Ripley. „Wenn Wallace und Loeb es geschafft haben—“
Wie auf Stichwort knackte Smiths Funkgerät, gefolgt von Wallace’ schwerem Atem. „Colonel, hier Wallace… wir haben’s zum Gate geschafft, aber eine riesige Horde hängt uns im Nacken!“ Im Hintergrund hörte er Loeb fluchen und das wütende Knurren der Verfolger.
Smith duckte sich hinter den Felsblock, warf Ripley einen kurzen Blick zu und drückte die Taste. „Verstanden, Major. Hört zu: Auf dem Weg ins Dorf haben wir eine Felsformation passiert – etwa zwanzig Meter hoch, mehrere Spalten und Überhänge. Gute Deckung, gute Sichtlinien. Wir treffen uns dort.“
„Colonel, die sind schnell!“, keuchte Wallace.
„Dann seid schneller“, antwortete Smith, härter als beabsichtigt. „Haltet Abstand, bleibt in Bewegung. Ripley und ich sorgen dafür, dass euch die Biester nicht einkreisen.“
Er hörte Wallace' knappe Bestätigung, dann verstummte das Funkgerät wieder. Smith warf Ripley einen Blick zu. „Bewegung. Wir bereiten den Empfang vor.“ Ripley nickte nur, die P90 fest im Griff, während sie sich gemeinsam in Richtung des vereinbarten Treffpunkts aufmachten.
***
Die Felsformation ragte wie ein dunkler Zacken aus der Landschaft, eine verwitterte Insel aus Stein, die im flachen Licht der untergehenden Sonne lange Schatten warf. Smith und Ripley erreichten als Erste das vereinbarte Versteck. Kaum hatten sie Deckung hinter einem breiten Überhang gefunden, hörten sie hastige Schritte, dann tauchten Wallace und Loeb zwischen den Büschen auf. Beide wirkten erschöpft, aber unverletzt.
Smith richtete sich auf. „Alles gut bei euch?“
Wallace nickte schwer atmend. „Wir glauben… wir haben sie abgeschüttelt.“ Ihr Blick wanderte in die Richtung, aus der sie gekommen waren, als würde sie jederzeit erwarten, dass die Horde erneut aus dem Unterholz brach. Doch der Wald hinter ihnen blieb stumm, nur das leise Rascheln der Blätter im Abendwind war zu hören.
Ripley senkte ihre P90. „Fürs Erste scheinen wir sauber zu sein.“
Der Major richtete sich auf, strich sich den Schweiß von der Stirn und sah zum Himmel. Zwischen den Baumwipfeln glühte der Westen in einem warmen, rötlichen Gold, aber die Sonne berührte bereits den Horizont. „Wir verlieren das Licht“, sagte sie. „Und wenn das, was wir heute gesehen haben, irgendein Maßstab ist… dann will ich nicht wissen, was hier nachts herumläuft.“
„Da sind wir uns einig“, antwortete Smith. „Rauf auf die Formation. Von oben haben wir mehr Überblick und nur wenige Zugänge, die wir sichern müssen.“
Wallace und Smith begannen bereits mit dem Aufstieg. Die ersten Meter waren flach genug, doch der Fels wurde bald steiler. Die Oberfläche war brüchig, kleine Kiesel lösten sich unter ihren Stiefeln. Ripley folgte zuletzt, deutlich erschöpft von den Kämpfen des Tages. Loeb blieb dicht hinter ihr, das Funkgerät in der Hand, noch immer damit beschäftigt, es auf Schäden zu prüfen.
Die Sonne sank weiter, und das Licht färbte die Felsen in tiefe Rot- und Orangetöne. Die Schatten wurden länger, das Gelände schwerer einzuschätzen.
Ripley setzte ihren Fuß auf einen breiteren Vorsprung, doch als sie sich nach oben zog, brach ein Stück Stein unter ihrem Gewicht weg. Sie rutschte zur Seite, verlor den Halt und stürzte den kurzen, aber steilen Abschnitt rückwärts hinunter. Mit einem gedämpften Schrei prallte sie hart auf dem Boden auf.
„Ripley!“ Smith beugte sich sofort über den Rand und griff nach seiner Waffe, während Wallace alarmiert zurückblickte.
Loeb aber reagierte schneller als jeder von ihnen. Er sprang den Hang hinunter, rutschte auf den letzten Metern fast in einen kontrollierten Fall und landete neben Ripley. Er kniete sich sofort zu ihr, legte behutsam seine Hände an ihr Bein.
Ripley presste die Zähne aufeinander, ihr Gesicht verzerrt vor Schmerz. „Ah—verdammt…“
„Stillhalten“, sagte Loeb mit einer Schärfe, die sie sonst nie von ihm hörten. Er betastete die Stelle vorsichtig, bis Ripley erneut scharf einatmete. Dann schüttelte er den Kopf und sah nach oben zu den beiden Offizieren. „Es ist gebrochen.“
Smith machte Anstalten, wieder hinunterzuklettern. „Ich komme runter—“
„Nein, Sir.“ Loebs Stimme schnitt klar und ungewohnt bestimmt durch den beginnenden Abend. „Das bringt jetzt nichts. Ich kann es schienen. Ihr solltet oben bleiben und das Gelände sichern, solange wir noch Restlicht haben.“
Wallace begann sofort, ihre Position am Felsrand anzupassen, um die Umgebung im Auge zu behalten. Smith blieb jedoch noch über Loeb stehen, den Kiefer verkrampft. „Sie muss hoch zu uns. Wir können hier unten niemanden schützen.“
„Genau deshalb brauchen wir ein Seil.“ Loebs Tonfall ließ keine Diskussion zu. „Werfen Sie es runter. Vorsichtig. Ich richte das Bein so, dass sie hochgezogen werden kann, ohne es schlimmer zu machen.“
Für einen Moment war nur Ripleys angestrengter Atem zu hören, während die Dunkelheit um sie herum dichter wurde. Smith atmete tief durch, zwang sich, die Kontrolle wiederzuerlangen, und nickte Wallace zu. Zusammen suchten sie in ihren Rucksäcken, bis Wallace das zusammengerollte Kletterseil hervorholte.
„Seil kommt!“, rief Wallace und ließ das Ende kontrolliert zu Loeb hinab. Es schlug neben ihm auf. Loeb griff danach, legte es Ripley über die Brust und unter die Arme und erklärte ihr ruhig jeden Schritt. Seine Hände zitterten leicht, aber sein Blick war fest.
„Das wird wehtun“, sagte er leise.
„Tu es einfach“, presste Ripley hervor.
Loeb schiente das Bein so gut er konnte – zwei gerade Äste aus dem nahen Gebüsch, fest umwickelt mit Verbandsmaterial aus seinem Medikit. Ripley erstickte einen Schrei, als er den Knochen wieder in Position brachte, aber sie hielt still, Schweiß auf der Stirn.
Oben zog Smith das Seil straff. „Bereit?“
„Bereit“, antwortete Loeb.
Gemeinsam zogen Smith und Wallace Ripley Meter für Meter nach oben, langsam und gleichmäßig. Loeb hielt sie unten stabil, bis der steilere Teil geschafft war und er selbst den Aufstieg beginnen konnte.
Als Ripley schließlich oben über die Kante gezogen wurde, senkte Smith sie vorsichtig auf einen flachen Felsvorsprung. Wallace kniete sofort neben ihr, kontrollierte die Schiene und nickte anerkennend. „Gute Arbeit, Loeb.“
Unten machte Loeb sich bereit, selbst hochzuklettern.
Loeb erreichte schließlich den oberen Absatz der Felsformation und zog sich keuchend über die Kante. Kaum oben, ließ er sich rücklings auf den warmen Stein fallen. Seine Brust hob und senkte sich schnell, der Adrenalinschub ebbte nur langsam ab. Wallace warf ihm einen kurzen, aber respektvollen Blick zu — ein stilles „gut gemacht“, das keiner Worte bedurfte.
Smith trat einen Schritt zurück, musterte seine drei Teammitglieder und straffte die Schultern. „In Ordnung“, sagte er leise. „Wir richten eine Wach- und Schlafrotation ein. Ripley ruht sich aus. Loeb, Wallace — einer von euch bleibt wach mit mir, der andere schläft.“
Die Nacht würde lang werden.
Fortsetzung folgt
