05.12.2025, 21:20
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.12.2025, 21:35 von Jonathan J. O´Neill.)
Hallo liebe Leser, heute setzen für den Re-Start von Odyssee mit den ersten Folgen der 2. Staffel fort, um wieder in das Geschehen reinzukommen, bevor es dann im Frühjahr des kommenden Jahres mit der Fortsetzung losgehen wird.
Milchstraße
Mars - Stargate Command Base
Eilig und so schnell sie laufen konnten, waren Miss Xiaoyi Shen und Major Jennifer Hailey gemeinsam in den Torraum geeilt, und waren ebenso schnell in den wartenden Jumper und zwängten sich nach vorne, vorbei an den aufgestapelten Kisten, Koffern und auf den Bänken sitzenden Crewmitgliedern in den Cockpit-Bereich des Fluggerätes
Da die Mission bereits frei gegeben worden war, fasste sich die Expeditionsleiterin recht kurz mit ihrer ersten Anweisung.
In der zuvor festgelegten Reihenfolge hatten sich die 12 Jumper von ihrer Parkposition erhoben. Dann nach einem ersten kurzen Flug auf den Ereignishorizont des Stargates, tauchten die Fluggeräte nacheinander in die bläulich schimmernde Wand ein.
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Und obwohl jeder, und natürlich auch alles andere, in einzelne Atome zersetzt worden ist, sah man Sterne, Planeten und Galaxien während der Reise durch das Wurmloch von dem Stargate von der Erde hin zu dem Ziel-Stargate vorüberziehen. Alles schimmerte in einem orangefarbigen Licht. Bis man es ganz kurz spürte. Etwas war geschehen und alles war ganz kurz nur für wenige Sekundenbruchteile in einem merkwürdigen Violett getaucht.
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Andromeda-Galaxie
Cyrannus Star System
Helios Beta System - Ouranos Asteroid Belt
Sonst herrschte hier in jenen Bereich des gewaltigen Asteroidengürtels überwiegend Dunkelheit. Nur hin und wieder schimmerte mal die Sonne durch die unterschiedlich großen Gesteins- und Mineralienbrocken in jenem Sektor hindurch.
Diese Eintönigkeit wurde unterbrochen als unerwartet ein uraltes antikes und längst vergessenes Artefakt wieder zu neuem Leben erwachte.
Eine blaue Welle hatte für wenige Sekunden aus dem Stargate geschlagen, ehe sich diese zurückgezogen hatte und nur einen schimmernden Teich hinterließ.
Diese Energiefreisetzung hatte einen unerwünschten Nebeneffekt: Der Asteroid begann unerwartet zu rotieren.
Kurz darauf verließen mehrere Fluggeräte das antike ringförmige Artefakt mit viel zu hoher Geschwindigkeit. Auch die Rotation des Himmelskörpers sorgte für etwas, nämlich dass alle Fluggeräte verstreut worden waren.
Wenige Minuten nachdem der letzte Jumper angekommen war, erlosch das Stargate und der Asteroid auf welchen es sich befand, kollidierte mit einem anderen Himmelskörper.
Mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit hatte unser Jumper, wie die anderen elf ebenfalls das Stargate wieder verlassen. Es dauerte eine Weile ehe die beiden Lieutenants Jin und de Vaux das Fluggerät wieder unter ihre Kontrolle gebracht hatten.
“Na schön”, stöhnte Miss Shen, die sich langsam wieder erholt hatte, “was ist da gerade passiert? Major Hailey, haben sie da schon eine Theorie?”
“Leider nicht, Ma’am. Würde mich aber gerne mit den anderen darüber austauschen, ob auch sie dieselben Beobachtungen gemacht haben…”, antwortete Jennifer mitgenommen.
“Tun Sie das. Wo sind wir?”, stutzte die Expeditionsleiterin, die gerade eben erst bemerkt hatte, dass sie sich im All befanden und nicht auf einem Planeten. Fassungslos starrte sie nach vorne aus dem einzigen Fenster, denn sie befanden sich nicht in einer zerklüfteten Bergwelt des angewählten Zielplaneten, sondern in einem Asteroidenfeld.
“Das muss ein Asteroidengürtel sein”, bemerkte Lieutenant Tessa de Vaux, die auf die sich langsam aufbauende holographische Karte des Sonnensystems schaute, während sie versuchte Funkverbindungen zu den anderen Teams herzustellen.
“Dies war der härteste und aufregendste Ritt in einem Fluggerät, den ich eh hinter mir gebracht habe”, erklärte Doktor Rosenthal, der als einer der wenigsten entspannt wirkte, aber wie alle anderen auch es noch nicht wagte den Sicherheitsgurt zu lösen.
Es dauerte viele quälende Minuten, die einen wie Stunden vorkamen bis sich alle Jumper gemeldet und wieder versammelt hatten. Immer noch stellte sich keine Entspannung ein, denn man wusste nicht wo man letztendlich gelandet war.
Während die Physiker im Expeditionsteam ihre Erkenntnisse zusammentrugen, behielten alle Jumper-Piloten die Anzeigen der Instrumente im Blick, die sie darüber informierten was sich sonst noch im Sonnensystem befand, wo wir allesamt gelandet waren.
Als dann mehrere große Raumschiffe entdeckt worden waren, die eindeutig militärischen Zwecken dienten war man froh darüber dass der Tarnmodus trotz der aktuellen Probleme funktionierte. Dank der fortschrittlichen Technologie der Antiker, die Doktor McKay und sein Team erfolgreich hatte duplizieren können, erfuhr man dass mindestens einer der Planeten im System bewohnt war.
Trotz Tarnung hielt sich unsere Jumper-Flotte in Formation nur im Asteroidengürtel auf.
Nach vielen Stunden war es dann endlich so weit, weil die Physiker endlich fertig waren um nach Erklärungen zu suchen, und Miss Shen übernahm die Einleitung: “So alle mal herhören, den wir fassen kurz zusammen was wir wissen: Das Stargate wurde mit der korrekten Adresse erfolgreich geöffnet, worauf wir protokollgetreu die Erkundungssonde vorausgeschickt hatten. Diese hat uns dann die Bilder der näheren Umgebung übermittelt. Eine Umgebung einer zerklüfteten Bergwelt. Doch stattdessen ist etwas geschehen, weshalb wir hier gelandet sind…”
Hilfesuchend drehte sich die Expeditionsleiterin zu Hailey, um sie dadurch aufzufordern allen anderen Expeditionsmitgliedern die wissenschaftlichen Erkenntnisse mitzuteilen.
“…das ist leider wahr. Wir haben wie geplant in den 12 Jumpern den Ereignishorizont des Sternentores auf der Erde passiert. Der Rausch, so nenne ich persönlich die Reise durch das Wurmloch, haben wir wohl auf eine ähnliche Art und Weise wahrgenommen bis… ja bis zu diesen einen Moment mit der Farbänderung, unerwarteten Beschleunigung und dem im Anschluss beinahe unkontrollierten verlassen des Stargates in diesem uns noch vollkommen unbekannten Teil des Universums. Wir vermuten das dieses Phänomen entweder durch ein normales oder vagabundierendes Schwarzes Loch, eine Supernova, einem Pulsar oder einem vergleichbaren Ereignis verursacht worden ist”, berichtete Jennifer uns allen.
“Und was jetzt? Steuern wir das Sternentor an um zur Erde zurückzukehren?”
“Nein, First Lieutenant Jin! Das Tor befindet sich in einer ungünstigen Lage und Zustand, weil es durch die Kollision mit einem anderen Asteroiden beschädigt worden ist, wie mir Colonel Chou berichtet hat. Und auch wenn es intakt wäre, wir könnten dennoch nicht zurück, denn wir hätten keinen Ausgangspunkt - wir wissen nicht wo wir gelandet sind”, antwortete die Expeditionsleiterin niedergeschlagen.
“So ist es - und somit sitzen wir hier eine Weile fest. Zumindest bis wir einen Aus- oder Rückweg gefunden haben”, bemerkte Lieutenant Fraiser.
“Ja, ganz genau. Wir lassen uns davon nicht entmutigen. Daher ordne ich hiermit an das wir dieses Sonnensystem gründlicher erforschen, wobei alle Jumper im Tarnmodus verbleiben! Wir teilen unsere Flotte dabei aber auf! Äh, Lieutenant de Vaux, wie viele Planeten gibt es in diesem System hier?”, legte Miss Shen fest, die sofort fragend zu der Co-Pilotin schaute.
Tessa hatte nur kurz noch einmal auf die holographische Karte geblickt, ehe sie dann antwortete: “Nahe des Zentralgestirns gibt es einen kleinen und offenbar unbewohnten, dann den einen besiedelten Planeten, den Asteroidengürtel in den wir uns aufhalten, und eine weitere Welt mit guten Lebensbedingungen, der ebenfalls bewohnt sein könnte mit einem großen Mond. Außen einen gewaltigen Gasgigant mit mehreren Monden… he, und noch einen weiteren Planeten auf einer anderen Umlaufbahn… Also gibt es genug Ziele, die wir erkunden können, Miss Shen.”
“Da haben sie Recht, Lieutenant. Wir werden uns alle, bis auf den Gasgiganten ansehen! Keine Kontakte mit der hier heimischen Zivilisationen!”, legte die Expeditionsleiterin fest, die die Jumper-Flotte in vier Verbände aufteilte und dann die Ziele, sowie ein Zeitlimit von maximal 48 Stunden und den Treffpunkt auf gleicher Position im Asteroidengürtel bestimmte.
Battlestar Heracles - CIC
“Sir, wir hatten da gerade etwas”, meldete Colonel Lot Hebridian.
“Und was?”, fragte Admiral Diana McBride müde.
“Einen sehr heftigen Energieausbruch im Ouranos Asteroid Belt, sowie ein Dutzend Kontakte, die dann aber schnell wieder verschwunden sind”, antwortete der Taktikoffizier, der nervös wirkte.
“Und? Was für eine Kennung?”
“Dafür waren die leider viel zu kurz auf dem DRADIS, Sir. Vielleicht waren das aber auch nur irgendwelche Trümmer, Raptor oder gar Schiffe von Schmugglern.”
“Lassen wir das, machen wir einen Vermerk dass sich hier in diesem Sektor Schmuggler des Öfteren aufhalten - und mehr nicht! Und bereiten Sie lieber den Sprung ins Helios Gamma System vor! Denn die Pegasus liegt für die nächsten Monate in den Scorpia Shipyards, und wir sollen dort für diese Zeit von etwa sechs Monaten die Vertretung übernehmen!”, entschied McBride.
Helios Alpha System
Battlestar Galactica
Voller Misstrauen beäugte Commander William “Husker” Adama immer wieder die ganzen Fremden, welche sich auf seinem Schiff aufhielten, kommen und gingen. Doch was den alten Kriegsveteranen aus dem Zylonischen Krieg, der vor gut vierzig Jahren endete, am meisten wurmte, war in seinen Augen die Verschandlung, welche die Galactica seit einigen Wochen erfuhr. Der alte Kampfstern wurde immer mehr zu einen Museum umgebaut. Dies störte Adama, der sich dafür stark gemacht hatte dieses alte Schlachtschiff eher als Schulungsschiff für die Kadetten der Akademie der Kolonialen Flotte so zu belassen wie es war. Doch war er aus unbekannten Gründen mit seinem eindringlichen mit einem solchen Appell bei der Admiralität gescheitert.
“Dies ist ein Kampfstern, und sollte auch besser einer bleiben!”, brummte er mürrisch leise vor sich hin.
Milchstraße
Erde
USA, New York - Westchester
In der Schule und auf dem Anwesen von Charles Xavier machte sich immer mehr ein bedrückte Stimmung breit, denn man hatte Kenntnis von dem vermissten Team der erst vor kurzem aufgebrochenen Andromeda-Expedition erhalten. Wobei der Professor und Jean auf Grund ihrer Gabe sofort davon gewusst, aber aus Rücksicht auf andere solange geschwiegen hatten, ehe es von den Verantwortlichen bestätigt worden war.
“Die Ärmsten. Besonders die Frau von Wolfrino tut mir leid. Denn erst hatten sich die zwei wieder gefunden, und schienen nach dem Angriff dieser Monster ihre Beziehung erneuert zu haben…”, begann Storm mitfühlend.
Wolverine ergänzte trocken: “…und dann diese erneute harte Trennung. Die arme Frau und der Kerl haben wirklich Pech.”
“Ja”, nickte Magneto, der mal wieder zu Besuch war um mit Charles eine Runde Schach zu spielen, “vor allem weil die Frau von vorneherein dagegen war, dass sich ihr Ehemann der Expedition anschließt.”
Deutschland - Hamburg
Vor einen Zweifamilienhaus fuhr ein schwarzer Geländewagen vor. Schnell und gewand war der Fahrer ausgestiegen, um kurz darauf der Mitfahrerin und einem weiteren Fahrgast im Anschluss das Aussteigen zu ermöglichen. Die beiden Personen erstgenannten trugen die Uniform der United States Air Force, während die dritte im sportlichen Zivil gekleidet war. Während der Fahrer im Wagen zurückblieb, ging die Frau, welche als Brigadier General erkennbar war, mit dem älteren Herrn auf das Haus zu und betätigte die Klingel.
Die Tür öffnete sich erst nach dem zweiten Läuten.
“Ja, was gibt es?”
“Guten Tag. Das hier ist Mister Angus MacGyver und ich bin Brigadier General Samantha Carter von der US Air Force. Sind sie, Misses Jeanne Nicole Schneider?”
“Ja, irgendwoher kenne ich sie beide. Sie haben Glück, denn ich muss bald los. Wollen Sie denn nicht solange reinkommen bis ich los muss - um mir zu erzählen was schief gelaufen ist?”
Sam und auch Mac machten betroffene Gesichter, daher zögerten beide einen Moment, weswegen Jeanne locker ergänzte: “Ich bin Polizistin und merke schon wegen ihres Besuchs das es wohl schlechte Nachrichten geben muss, denn sonst wären sie beide nicht hier.”
“Das ist leider wahr. Aber das bedeutet nicht, dass alle tot sind und als für immer verloren gelten. Ich würde Ihnen aber gern berichten was wir bislang in Erfahrung gebracht haben”, versuchte MacGyver sofort die schlimmsten Befürchtungen zu dämpfen.
“Habe nichts dagegen, aber ihr zwei habt dafür nur knapp zwei Stunden Zeit, dann muss ich selber zum Dienst. Das Wohnzimmer ist dort hinten - einfach den Flur entlang. Wie wäre es mit Kaffee?”
“Danke. Und wir, Mister MacGyver und ich, werden uns so kurz wie möglich fassen”, versprach Carter.
Während Samantha und Angus im Wohnzimmer Platz genommen hatten und damit begonnen hatten ihre Präsentation vorzubereiten, war Jeanne alleine in der Küche verschwunden. Dort liefen ihr die Tränen über die Wangen. Sie war froh darüber dass die beiden Kinder bereits schon in der Kita waren und es nicht mitbekamen.
Doch nach nur wenigen Minuten tauchte sie dann, nachdem sie die Spuren ihrer Traurigkeit beseitigt hatte, mit einem Tablett im Wohnzimmer auf.
Mit einem gütigen Lächeln nahm Sam die Kaffeetasse entgegen. Derweil war Jeanne aber auch dankbar dafür dass sie informiert wurde, und dann auch noch von einer sehr ranghohen Offizierin, die sich die Zeit dafür genommen hatte, obwohl für sie die erst vor kurzen wieder zurechtgerückte Welt zusammengebrochen war.
Dies spürte Carter regelrecht, weswegen sie alles versuchte um zu zeigen dass alle nur als vermisst galten.
“…durch die Hilfe eines Satelliten, den die Phoenix Foundation bei der Mister MacGyver tätig ist, ist es uns nach der bisherigen Analyse der Daten, die wir erhalten hatten, feststellen das ein Pulsar für das globale Phänomen von zum Beispiel den zahlreichen Stromausfällen verantwortlich gewesen sein muss. Diese Pulsare sind stellare Objekte und schnell rotierende überdichte Neutronensterne mit hoher Strahlung, die Radioimpulse aussenden, die wie Wellen durch das Universum wandern. Und gerade eben als das Team das Tor passiert hat, hat uns ein solcher Impuls zweier kollidierender Pulsare getroffen. Der Materiestrom muss umgeleitet worden sein, was wir anhand aller gesammelten Daten und Rechenmodelle herausbekommen haben. Das Team ist irgendwo herausgekommen. Überall dort wo ein Tor ist oder war - und zwar in diesem Bereich hier!”, erklärte Sam, die auf dem Tisch ausgebreitete Karte mit Galaxien deutete. Diese Karte war von ihr mit einem Dreieck ausgehend von der Milchstraße in Richtung der Andromeda markiert worden war.
“Es befinden sich sehr viele kluge, sehr kluge Menschen in diesem Team. Ja, sie sind auf sich gestellt - aber sie werden den Weg zurück zur Erde suchen und finden. Glauben Sie mir”, ergänzte Samantha, während Jeanne wortlos voller Schmerz auf diese Karte mit dem Dreieck starrte wo sich mehrere Galaxien befanden.
´Jetzt habe ich dich ein zweites Mal, und wohl auch für immer verloren Jonathan´, dachte sie betrübt im Stillen.
Andromeda-Galaxie
Messier 110 alias NGC 205 alias Andro-Alpha-Galaxie
Planet Heraclia - Festland, neutrale Region
Wie sie es vor einigen Tagen versprochen hatte, war Veronika mit einer guten Anzahl von Kriegerinnen auf dem Hof von der Familie von Adriana erschienen.
“Es kommen noch mehr Kriegerinnen nach. Zum einen um die Familie von Alexander, sowie diejenigen, die es wünschen in das Reich der Amazonen zu führen wo sie alle in Sicherheit wären. Und andere Kriegerinnen um unserer Gruppe im Notfall beizustehen, denn unsere Mission wird dieses Königreich und alle anliegenden Reiche in eine sehr große Aufregung versetzen”, versicherte die Prinzessin der Amazonen.
Kurz danach hatten zahlreiche Mägde und Knechte damit begonnen untereinander zu tuscheln, wobei sie auch ab und wann auch recht heftig miteinander diskutierten.
Erstaunlich war aber eines, denn obwohl die Amazonen bereits da waren, hatte Adriana das Haus immer noch nicht verlassen - im Gegensatz zu Eve, Egeria, Ruben und Alexa, die nervös immer wieder hinüber zur Tür schauen mussten.
Es verrannen noch einige Minuten, ehe die Wartezeit vorüber war und die junge Frau in der Kleidung, welche sie erst gestern in der Grotte gefunden hatte, aus der Tür trat. Dieses Erscheinungsbild hatten vor allem ihre Mutter und zahlreiche Bedienstete der Farm nicht erwartet, weswegen sie auch einen ziemlichen Schreck bekamen. Im Gegensatz zu den Amazonen, welche neugierig näher traten und interessiert die junge Frau und ihr Outfit begutachteten.
“Du sag mal”, begann Veronika verwundert, “ist dir etwa zu kalt, wir haben doch Hochsommer? Du musst doch in diesen Sachen schwitzen wie ein Bär, liebe Schwester.”
Adriana hatte kurz überlegen müssen, ehe sie reagierte und sagte dann: “Es klingt zwar merkwürdig, aber ich friere nicht und schwitze trotz dieser Sachen, welche ich am Körper trage nicht.”
“Ist deine Sache… Und was ist mit euch? Ihr müsst euch entschieden haben bis die anderen Kriegerinnen hier sind. Dies wird sein sobald es dämmert!”
Die Amazonenprinzessin schaute sich noch einmal kurz in der Runde um, dann hatte sie sich wieder auf ihr Pferd geschwungen. Auch die junge Frau tat es ihr gleich nachdem sie sich von ihrer Pflegefamilie verabschiedet hatte.
Danach war die Gruppe auch schon davon geritten ins Königreich Capripolia, um keine unnötige Zeit mehr zu verlieren.
Inselreich Katmos
“Wir waren wieder siegreich! Ehre sei den Ori!”, hatte so eben ein junger Mann euphorisch laut geschrien, nachdem sie endgültig das letzte verbliebene Bündnis der Könige und Fürsten sämtlicher noch bisher nicht unterworfener Inselreiche vernichtend geschlagen hatten.
Dieser junge Mann, welcher Darius hieß, wusste nicht dass er die ganze Zeit über aus weiter Ferne mit äußerster Zufriedenheit beobachtet worden war.
Wie zu erwarten war, war einer seiner obersten Hauptleute, der zu seiner Leibgarde gehörte, die von seiner Mutter der Orici für diese Mission auserwählt worden war, an ihn herangetreten, und meldete: “Mein Gebieter, wir haben zahlreiche Rädelsführer, darunter auch einige der Könige und Fürsten gefangen nehmen können.”
“Hervorragend. Bringe mich sogleich zu ihnen!”
“Wie ihr befiehlt. Bitte folgt mir. - Hier entlang. Gebieter durch diesen glorreichen von den Ori gewollten Sieg sind euch von diesem Tage an alle Inseln untertan. Wann wendet ihr euch dem Festland zu?”
“Schon sehr bald, Hauptmann. Schon sehr bald.”
Während er sich mit diesem Hauptmann besprach, waren sie bei den wichtigsten Leuten, die jetzt seine Gefangenen waren angekommen.
“Wie ihr alle mitbekommen habt, ist euer lächerlicher Versuch die Auserwählten der Ori aufzuhalten oder gar zu vernichten endgültig gescheitert. Euer Bündnis ist besiegt, was auch dazu führt, wie es im Gesetz festgelegt worden ist, dass von den heutigen Tage an mir alles gehört: Reiche, Besitz und sämtliche Armeen. Doch ich will großzügig sein, wenn ihr euern falschen Göttern abschwört und stattdessen den wahren, den Ori unterwerft. Jeder der dies tut, erhält den Rang eines Fürsten, der dann sein bisheriges Land für mich verwalten darf. Wer von euch allen dazu bereit ist, möge nun hervortreten.”
Lange Zeit geschah nur dies: Alle Gefangenen blickten sich und ihren Bezwinger prüfend an.
Minuten vergingen bis Bewegung in das Geschehen kam, und der besiegte aber von sehr vielen angesehene und alte König von Katmos, Menas, verächtlich auf den Boden spuckte sowie einige Schritte nach hinten getreten war.
Als er dies getan hatte, erklärte er: “Ich weiß noch nicht wie sich meine Brüder hier noch entscheiden werden, aber ich verrate auf keinen Fall das Erbe unserer ehrwürdigen Ahnen, nur um mein vergängliches Leben zu retten - du elender Sprössling eines Piraten!”
Darius hatte darauf kurz etwas das Gesicht verzogen, ließ die Bemerkung seines Feindes ohne Kommentar stehen, stattdessen fragte er: “Will sich hier noch jemand kundtun?”
Kurz darauf waren zunächst Gemurmel und Geflüster, und danach Beschimpfungen sowie wüste Verwünschungen zu vernehmen. Der Grund dafür war da sich einige dazu entschlossen hatten einen oder mehrere Schritte vorzutreten, und andere die es Menas gleichgetan hatten. Aber einige waren reglos an Ort und Stelle stehengeblieben.
Alle wurden dann wie von Darius befohlen in drei separaten Gruppen abgeführt. Die Gruppe von Königen und Fürsten, die bereit waren sich zu unterwerfen in ein Zelt, die Unentschlossenen und diejenigen welche sich nicht beugen wollten wurden zusammen in Käfige gesperrt.
Festland - Königreich Capripolia
Die Amazonenkriegerinnen und Adriana hatten das neutrale Gebiet verlassen und waren schon tief in das Königreich Capripolia eingedrungen. Es zeigte sich dass die Amazonen eine Vielzahl von unbekannten Pfaden kannten, weswegen sie ihrem Ziel schon sehr nahe gekommen waren. Auch war bereits schon das leise Rauschen des nahen Meeres zu hören, denn die Hauptstadt Capripolis mit ihrem großen Hafen lag in einer günstig gelegenen und geschützten Bucht.
Auf einer bewachsenden Anhöhe befahl Veronika allen anderen mit einer eindeutigen Geste, die Pferde anzuhalten und ruhig zu halten. Der Grund dafür war klar, es war noch heller Tag und die Stadt war bereits in Sichtweite.
“Wir warten wohl bis zur Dämmerung?”, fragte Adriana, die sich ebenso wie ihre beste Freundin, welche kurz bestätigend genickt hatte, vom Pferd gleiten ließ.
“Wir werden uns ausruhen bis es dämmert, dann gehen wir alle, bis auf zwei von uns hinab in die Stadt um deinen Vater zu suchen, sowie ihn zu befreien falls er in Not sein sollte!”, legte die Prinzessin der Amazonen fest.
Ihr Lagerplatz war gut gewählt, weil er auch sehr leicht für eine gewisse Zeit zu verteidigen war. Während sich Veronika stärkte, suchte sie bereits mit ihren Augen einen sicheren Weg zur Stadt. Schließlich lächelte sie siegessicher, erhob sich und ging zurück zu Adriana und ihren Kriegerinnen. Auch sie nahmen gerade Nahrung und Wasser zu sich, als Veronika ihnen den Plan erläuterte: “…bis dorthin haben wir Deckung, wo auch Vivien und Lalila mit den Pferden zurückbleiben werden! Ihr beiden müsst genau auf die Umgebung achten! Wir übrigen und Adriana dringen dann in die Stadt ein, dringen bis zu den Palast von Rufus und seiner Familie vor, dabei ist es wichtig immer bereit für den Kampf mit dem Feind zu sein!”
Insel & Königreich Katmos
Lange hatte Darius in seinem fürstlichen Zelt auf den besiegten König von Katmos, der sich geweigert hatte sich ihm zu unterwerfen, gewartet.
Doch das Warten hatte ein Ende, denn acht seiner Krieger hatten König Menas zu ihm gebracht.
Für den Bezwungenen war es eine Schmach, da er auf einer sandigen Stelle stehen bleiben musste. Es war klar zu erkennen, man hatte die kostbaren Teppiche und Felle, die noch vor einiger Zeit hier gelegen hatten, weggenommen.
Gemächlich schritt Darius auf Menas zu, wobei er kurz nach draußen geschaut hatte, dann sprach er: “Ihr habt mich respektlos behandelt und die wahrhaften Götter, die Ori beleidigt. Außerdem bin ich der Sohn der göttlichen Orici, die die verheißene Tochter der Ori…”
Abrupt unterbrach der Besiegte trocken: “Das ändert nichts daran, dass Du nichts weiter als ein Verbrecher bist. Wer sehr hoch thront, wird irgendwann schwer fallen!”
“Ah ja, so wie Du? Oder bist du ein Prophet Menas? Die Sonne geht gerade unter, wie am heutigen Tage auch deine Herrschaft über diese gewaltige Insel bereits untergegangen ist - genauso… ach ja, du ziehst es vor zu sterben hast du mir vorhin gesagt… also endet heute Abend euer Leben”, entgegnete Darius leise murmelnd. Die letzten Worte sprach er so leise, dass sie nur Menas gerade noch so vernehmen konnte.
Voller Schmerz schrie der alte besiegte König kurz darauf auch noch auf, denn sein Bezwinger hatte den wehrlosen ohne jegliche Warnung mit dem Schwert durchbohrt.
Tödlich verwundet stöhnte er daher anklagend: “Du bist ohne jede Ehre… eine Schande für alle Könige, weil du vor nichts zurückschreckst… Und ob ich ein Prophet bin, …wird Dir deine eigene Zukunft zeigen… du… du Deimos!”
“Ja. Ganz genau. Denn ich werde sogar meine Zwillingsschwester beseitigen, sobald sie mir begegnet, um mir auf diesem Wege mein verheißenes Erbe zu sichern - ganz genauso wie man es mir bereits prophezeit hat. Witzig nicht wahr?”, erklärte Darius mit einem kalten Grinsen, ehe König Menas verstarb.
Festland - Königreich Capripolia
Hauptstadt Capripolis
Die lang ersehnte Dämmerung war endlich gekommen. Anhand des Geschickes der Kriegerinnen war Adriana sehr schnell klar geworden, dass jene nicht das erste Mal eine solche Mission vor sich hatten. Denn jede Wache, die man nicht umgehen konnte, wurde von den Amazonen lautlos und ohne Aufsehen zu erregen beseitigt.
Geräuschlos und still wie Katzen huschten sie durch die Straßen und Gassen der Stadt, wobei sie sich meist im Schatten verborgen hielten. Ihr Ziel war der Palast von der Familie von Rufus, welcher sich in der Nähe des Tempelbezirks befand.
“Der Wachposten dort am Tor muss weg!”, wisperte Veronika, die den Bogen und den Köcher abgelegt hatte um diese Aufgabe persönlich zu übernehmen. Aus dem Schatten heraus griff sie blitzschnell zu, als sich der Mann für einen kurzen Moment wegdrehte.
Mit der linken Hand hielt sie dem Wachposten den Mund zu um jenen am Schreien zu hindern, und mit der rechten stieß sie ihn mit ihrem Dolch ins Herz. Anschließend zerrte sie den Toten ins naheliegende Gebüsch, nachdem sie ihren Gefährtinnen angezeigt hatte zu ihr aufzuschließen.
Ein weiteres Mal hatte Adriana mitverfolgen müssen, wie kaltblütig und brutal ihre beste Freundin sein konnte. Daher hatte sie mehrfach erschrocken schlucken müssen.
Veronika schien das Unbehagen von ihr zu spüren, daher fasste sie ihr kurz an den Arm, und flüsterte: “Du weist genau, dass dies bei einer solchen Mission passieren wird. Und auch Du selbst wirst leider bald jemanden töten müssen, sonst ist dein Vater und deine Familie verloren - und auch um nicht selber zu sterben.”
“Ich weiß. Davor habe ich ja Angst.”
“Das ist gut, es soll ja auch nicht leicht sein andere Menschen zu töten. Doch leider geht es in diesen Stunden nicht anders, wenn wir deinen Vater Alexander aus den Händen dieser ruchlosen Verbrecher befreien wollen. Also komm jetzt!”
Adriana war auch die Erste, die den Gesuchten erspäht hatte, und stellte dabei entsetzt fest: “Sie haben ihn ohne jegliche Kleidung dort in den Block gelegt!”
Und tatsächlich wenige Meter vor ihnen befand sich Alexander, der vor Erschöpfung erst vor kurzem eingeschlafen war. Im fahlen Mondlicht war deutlich zu erkennen gewesen dass er schwer misshandelt worden war. Deswegen stieg in Adriana schier unbändiger Zorn auf.
Auf ein Zeichen Veronikas hin verteilten sich die Kriegerinnen mit schussbereiten Bögen auf dem Gelände. Und nur sie und ihre beste Freundin hatten sich den Gefangenen mit größter Vorsicht genähert.
“Vater! Vater!”, flüsterte jemand leise in Richtung des Mannes, der schläfrig die Augen öffnete aber mehrfach blinzeln musste.
Der Mann glaubte nur zu träumen, oder eine Vision oder dergleichen zu haben und erst als er sanft berührt wurde, seufzte er mitgenommen: “Du bist ein gutes Kind. Das du gekommen bist… Agamon, Rufus und all die anderen von seinem Hause, sowie viele seiner Knechte und Soldaten haben mich fast ohne Unterlass bis kurz vor dem Untergang der Sonne gegeißelt…”
“Diese feige Tat wird nicht unbestraft bleiben, Alexander!”, raunte Veronika leise. “Aber zunächst müssen wir Euch in Sicherheit bringen!”
“Was hast du nur vor, Schwester?”, fragte Adriana leise, der nichts Gutes schwante.
“Wir werden den Palast und alles andere in Brand stecken, sobald wir den Innenhof verlassen haben!”, antwortete Veronika entschlossen, nachdem sie Alexander ein leinendes Tuch umgelegt hatte, welches sie zuvor mit einem ätherischen Öl mit lindernder Wirkung getränkt hatte. “Wir haben keinen Schlüssel. Am besten benutzt du dein Schwert um den Block zu öffnen, Schwester!”
Adriana gehorchte ohne zu zögern, und nachdem sie es aus der Scheide gezogen hatte, holte sie nur kurz aus, schlug einmal kräftig zu. Ohne Schwierigkeit hatte sie den Block zerstört, und Alexander war wieder frei.
“Mein liebes Kind. Sieh dich nur an, du siehst wie eine Kriegerin aus…”
“Später, lieber Vater! Später! Wir müssen uns erst einmal so schnell wie nur irgendwie möglich in Sicherheit bringen!”, unterbrach die junge Frau mit einem aufmunternden Lächeln.
Ungünstigerweise war ihre Anwesenheit von einer Wache schließlich doch noch entdeckt worden, welche daher sofort mit lauter Stimme: “Alarm! Alarm! Überfall!”- rief. Abrupt wurde ein Röcheln daraus, weil er von einem Pfeil zum Schweigen gebracht wurde. Aber sämtliche andere Wachen waren dadurch bereits alarmiert worden, und drinnen im Palast wurde es überall hell.
“Jetzt werden wir so schnell es geht Feuer legen!”, schimpfte Veronika, die eine Fackel aufs Strohbedeckte Dach der Stallungen geschleudert hatte, worauf die auflodernden Flammen dort sofort ein üppiges Mahl fanden.
Und auch die anderen Amazonenkriegerinnen taten es ihrer Prinzessin gleich, worauf überall Flammen emporloderten und Feuer ausbrachen.
Schnell herbeigeeilte weitere Wachen und Knechte waren somit zunächst mit dem vielen gelegten Bränden beschäftigt, was die Flucht der Eindringlinge und des befreiten Alexander begünstigte.
Unwirsch brüllte Agamon, der auf der Dachterrasse aufgetaucht war, seine Untergebenen an: “Nur die Knechte und Mägde sollen sich um die Feuer kümmern, und das Vieh retten! Die Pferde zuerst! Die Wachen nehmen die Verfolgung auf! Los bewegt euch, und tötet die Eindringlinge!”
Mit gut gesetzten Bogenschüssen deckten die Amazonen die Flucht von Veronika, Adriana und Alexander.
Derweil rannte Rufus vor das Tor, und schrie panisch: “Hilfe! Zu Hilfe! Bitte helft beim Löschen Bürger! Wir wurden überfallen! Hilfe!”
Was niemand ahnte war, dass Eremitias sich ebenfalls in der Nähe der Hauptstadt aufhielt. Aber er war nicht mehr allein, denn die eine Hälfte der Leibgarde, die zum Schutz von Adriana bestimmt war, hielt sich bei ihm auf. Aber sie hielten sich in einer der zahlreichen Höhlen verborgen.
Der Prior wandte sich an die Soldatinnen und Soldaten: “Ihr wisst was eure Aufgabe ist: Die Tochter der Orici zu schützen, und ihr zu gehorchen! Wartet auf mein Zeichen!”
Wortlos hatten die Männer und Frauen nur genickt, um auf den Befehl zu warten.
Insel & Königreich Katmos
“Wir wissen dass ihr eine Schwester habt, Gebieter.”
“Ich weiß. Aber nicht mehr lange.”
“Die Prophezeiung ist jeden aus der Leibgarde bekannt. Wir wissen dass es nur ein Kind der Orici geben wird, welches uns anführen soll.”
“Und das geht nur, wenn ich meine Schwester töte. Silon, befehle den Wachen die Leiche von König Menas und die Spuren hier in meinem Zelt zu beseitigen! Und macht alle Gefangenen nieder, die sich den Ori und mir nicht unterwerfen wollen!”
“Wie ihr es angeordnet habt, werden wir es ausführen, großer Darius!”
Festland - Königreich Capripolia
Hauptstadt Capripolis
Nicht nur Rufus, sondern auch sein Vater waren gerade noch rechtzeitig in Deckung gegangen als ein letzter gut gezielter Pfeilhagel der Amazonen auf die nachsetzenden Verfolger niederging. Dadurch waren beide Männer im letzten Moment dem sicheren Tode entgangen.
“Diese verfluchten kriegerischen Amazonen! Alles Verbrecherinnen!”, fluchte deswegen der alte Kaufmann Agamon hasserfüllt, weil er bereits seit vielen Jahren schon eine tiefe Abneigung gegen dieses Volk hegte, da sie schon des Öfteren unzählige seiner Karawanen überfallen und aufgebracht hatten. Was aber daran lag, weil er sich weigerte den fälligen Zoll zu zahlen.
Mit wutrotem Kopf war er nach drinnen entschwunden, um sich persönlich der Verfolgung anzuschließen und Vergeltung zu üben.
“Wartet Vater - ich werde Euch begleiten!”, rief Rufus, der sich ebenfalls seine Rüstung anlegte. Aber sehr umständlich, weswegen er die Hilfe eines Dieners benötigte.
Aber schon bereits wenige Minuten später waren sie aus dem Palast geeilt, und mit einer großen bewaffneten Eskorte losgeritten. Im wilden beinahe halsbrecherischen Tempo galoppierten sie durch die Straßen und Gassen der Stadt, die ihre Heimat war.
Unterdessen waren aber die Amazonenkriegerinnen um Veronika, Adriana und dem befreiten Alexander, welcher sich nur mit großer Mühe auf den Beinen halten konnte, einigermaßen ohne nennenswerte Schwierigkeiten an die Stadtmauer gelangt.
Noch waren sie durch die Schatten und die Büsche verborgen. Aber sie mussten überall wo sie bislang hingekommen waren mit Unbehagen feststellen, die Stadtmauer wurde wie auch die Stadttore schwer bewacht.
“Nein! Nein, meine lieben Freunde!”, hustete Alexander, der mitbekommen hatte was Veronika plante. Sie hatte nämlich vor das am schwächsten bewachte Tor anzugreifen um auf diesem Wege Capripolis wieder zu verlassen. “Ich weiß: Ihr seid stark, tapfer und mutig - aber versucht es nicht, bitte! Wenn wir es aber doch wagen, werden viele von uns heute Nacht noch sterben… und ihr hättet die Gefahren umsonst auf euch genommen um mich zu befreien… ich bin zu… geschwächt um…”, erklärte der Farmer, der mitten im Satz erschöpft zusammen gesackt war.
Aber der stets wachsamen und aufmerksamen Prinzessin der Amazonen war durch die Armbewegung des Mannes etwas aufgefallen. Sie folgte der angedeuteten Richtung und musterte konzentriert mit kritischen Augen die Stadtmauer.
Es waren einige Minuten vergangen, da erkannte Veronika endlich was Alexander im Begriff war vorzuschlagen. Es tat sich für die Gruppe von ihr eine Alternative auf, welche wohl den Kriegern von Capripolis bislang entgangen war. Da einige Meter von ihnen nur entfernt war eine kleine Tür, die kaum noch zu erkennen war, weil sie von Kletterpflanzen beinahe fast zur Gänze überwuchert war. Ein weiterer kleiner Vorteil war der Hain aus etwa einem Dutzend Pappeln, alten Obst- und Olivenbäumen, sowie einigen Büschen, welche ihnen Deckung und Schutz boten.
Langsam und sich immer wieder wachsam umschauend vergewisserten sie sich nicht beobachtet zu werden. Schließlich hatten sie wohl ihre einzige Fluchtmöglichkeit aus der Stadt heraus erreicht. Sofort hatten die drei kräftigsten Frauen unter ihnen begonnen sich an der Tür zu versuchen. Alle anderen sicherten mit schussbereiten Bögen die Umgebung ab.
Die Tür hatte sich trotz großer Mühen kaum bewegt. Dabei knarrte und ächzte sie aber verräterisch leise in den Angeln, worauf eine der Kriegerinnen, namens Ruisa, diese mit Olivenöl behandelte.
Kurz darauf zerrten Veronika, Adriana und Ruisa grinsend beinahe lautlos die Tür auf. Vorsichtig traten sie in die Tür und suchten aufmerksam die Umgebung draußen vor der Stadt ab. Erst als sie der Meinung waren, dass die Luft rein sei gaben sie den anderen ein Zeichen ihnen vorsichtig zu folgen.
Die ganze Zeit über hatte derweil Adriana immer wieder voller Sorge zu ihren nach wie vor bewusstlosen Vater geschaut. Doch Alexander war glücklicherweise wenige Minuten später wieder zu sich gekommen, musste aber von zwei Kriegerinnen gestützt werden, weil er sich nicht ohne fremde Hilfe auf den Beinen halten konnte.
“Wo sind unsere Schwestern nur mit den Pferden?”, wisperte Veronika irritiert, die den Horizont mit konzentrierten Blicken nach ein Zeichen ihrer beiden Kriegerinnen abgesucht hatte.
Denn die Zeit drängte, da ihnen vor wenigen Minuten erst der Atem gestockt hatte als sie die vielen Soldaten bemerkt hatten die unterwegs vor der Stadt waren. Was die Gruppe noch nicht wusste, war dass man ihre beiden Gefährtinnen aufgegriffen hatte.
Nach einer sorgfältigen Suche und der Rückverfolgung der Spuren hatte Ruisa die Pferde schließlich entdeckt. Diese waren gerade noch rechtzeitig von den beiden jungen Amazonen versteckt worden, ehe sie gefangengenommen wurden.
Auf Grund dieses Indizes war allen klar, dass die beiden sich in den Händen des Feindes befinden mussten.
Somit war die Gruppe um Adriana vor die schwere Wahl gestellt, sie könnten sich in Sicherheit und die beiden jungen Frauen in den Händen der Feinde zurücklassen. Aber es lag an der Prinzessin der Amazonen die Entscheidung zu treffen. Veronika war hin- und hergerissen, denn ihr stand zum einen nicht danach die zwei in Stich zu lassen, oder ihr Opfer zu missachten.
Doch es hatte bereits begonnen zu dämmern und ein neuer Tag kündigte sich an. Dies würde eine erfolgreiche Flucht sehr erschweren, weshalb sich die Flüchtigen im tiefsten Dickicht verborgen hielten.
Schließlich ging auch die Sonne auf. Im Tageslicht konnten sie die Anzahl ihrer Verfolger viel deutlicher erkennen.
Mit dem Wissen das die Suche nach den Gesuchten zu lange dauern würde, änderten die führenden Männer der Stadt, zu denen auch Agamon und Rufus gehörten ihre Taktik. Sie führten Vivien und Lalila vor, denen man die Hände auf den Rücken gefesselt hatte.
Mit roher Gewalt zwangen die Männer die beiden jungen Frauen auf die Knie.
“Was haben die nur mit den beiden vor?”, fragte Adriana entsetzt flüsternd.
Obwohl Alexander schwer mitgenommen von den Misshandlungen war, konnte er auf dem Pferd kauernd alles gut genug erkennen, und murmelte: “Das sind ja noch Mädchen. Und in ihrer Aufwartung noch keine vollwertigen aufgenommenen Kriegerinnen…”
“So ist es”, bestätigte Adriana, “denn beide sind Jägerinnen und Kundschafterinnen.”
Das es sich um eine Provokation handelte, und dem Zweck dienen sollte sie aus dem Versteck herauszulocken war Veronika sofort klar, weswegen sie geduldig abwartete.
Rufus hatte genug vom Warten gehabt, deshalb war er vorgetreten. Mit verächtlichen Blicken maß er die beiden Gefangenen vor sich, die immer noch gedemütigt in Sand und Staub niederknien mussten.
“Adriana! Wir wissen das deine Bande von Verbrecherinnen und Alexander, der Verräter immer noch hier in der Nähe sind! Kommt heraus und ergebt euch, sonst werden die beiden hier sterben!”, schrie Rufus hasserfüllt. Während er diese Worte laut aus sich herausrief, hatte er ein Messer gezogen und war hinter Lalila getreten, um seiner Drohung sofort den nötigen Nachdruck zu verleihen.
“Das wagt der Bursche nicht. Diese Tat wäre mehr als nur feige”, bemerkte eine Kriegerin namens Layla im Flüsterton, die neben Veronika stand. Doch die Prinzessin war sich da nicht so sicher, denn sie überlegte fieberhaft wie sie ihren Gefährtinnen helfen könnte.
Die Provokationen der Soldaten der Hauptstadt und der nahegelegenen Garnison gingen indessen ohne Pause weiter. Aber die erhoffte Reaktion blieb aus.
“Na schön”, murmelte Rufus, der Lalila schließlich an den Haaren gepackt hatte und noch einmal mit seinen Augen aufblickte und den Horizont absuchte. Doch als er sah dass nichts passieren würde, flüsterte er verächtlich: “Anscheinend bedeutest Du deinen Freunden nichts!” - während er der wehrlosen jungen Amazone die Kehle durchschnitt.
Von dieser Tat waren nicht gerade wenige Leute entsetzt, denn die Soldaten der Stadt darunter auch sein eigener Vater, die eines wussten, nämlich dass die Amazonen diesen gerade ausgeübten kaltblütigen Mord mit voller Härte rächen würden.
Voller Abscheu hielt sich Adriana den Mund zu, während sich die Amazonen um Veronika bereits zum Kampf rüsteten.
Gemeinsam verließen kurz darauf die beiden Blutsschwestern ihr Versteck, wobei sie auch mit lauter Stimme synchron: “Halt!”- riefen. Dies geschah genau zu dem Zeitpunkt, als Rufus auch schon Vivien an den Haaren gepackt hatte.
“Wenn du unserer Schwester Vivien auch nur ein weiteres kleines Haar krümmst und nicht von ihr ablässt, dann stirbst du genau dort wo du jetzt stehst!”, warnte Veronika laut rufend an die Adresse von Rufus.
Die Amazone stand dabei bereits mit gespannten Bogen neben Adriana.
Der kaltblütige Mörder von Lalila erwiderte daraufhin spottend: “Und wie willst Du diese Drohung in die Tat umsetzen?” Er lachte kurz hämisch belustigt auf.
Die Distanz zwischen ihnen betrug etwas mehr als 100 Meter. Schließlich küsste Rufus Vivien auch noch kurz auf die Stirn, um seine Verachtung abermals für die Amazonen auszudrücken. Die gefangene Amazone hatte Tränen in den Augen, zum einen weil ihre Gefährtin so grauenhaft hatte sterben müssen, und zum anderen weil ihre Prinzessin sie nicht aufgeben und ebenfalls noch verlieren wollte.
Und dann endlich machte Rufus eine Bewegung, die der Anführerin der Amazonen verriet dass die Warnung klar missachtet werden würde. Aber Veronika hatte eh vorgehabt Rufus für den feigen Mord an Lalila zu bestrafen, denn sie hatte vor ihn deswegen zu töten.
Ohne einen Kommentar entließ die Amazonenprinzessin mit einem ausdruckslosen Ausdruck im Gesicht den Pfeil, welcher auf den jungen Mann zuflog.
Besser hätte Veronika auf diese große Entfernung auf ihren Gegner nicht zielen können, denn der Pfeil hatte Rufus mitten ins Herz getroffen. Sie war eben die perfekte Meisterin mit den Bogen. Es gab nur wenige Amazonen und auch Adriana, die ihr das Wasser in dieser Disziplin reichen konnten.
Voller kommen unerwartet für die Soldaten der Stadt, brachen im wilden Galopp zwei schwer gepanzerte Kriegerinnen auf ihren Pferden vor um Vivien zu retten und den Körper von Lalila zu bergen. Dies war aber auch nur gelungen weil die Verteidiger der Stadt zu sehr unter Schock standen, deshalb hatten auch die eigenen Bogenschützen zu spät reagiert.
Voller Schmerz war Agamon neben seinen bereits toten Sohn in die Knie´ gegangen, und versprach: “Nein! Ich werde deinen Tod rächen, mein lieber Sohn! O Rufus!”
Kurz darauf hatte er sich bereits wieder erhoben und ging auf Adriana und Veronika zu, hatte aber angewiesen nicht begleitet werden zu wollen. Als er die Entfernung zu den beiden jungen Frauen in etwa zur Hälfte zurückgelegt hatte, rief er voller Wut: “Alexander! Ich werde alles was Dein ist - vernichten! Dich und Deine gesamte Familie! Beginnen werde ich mit Dir, und dieses Weibsstück welches Du als Tochter angenommen hast… dieses Hurenbalg… schicke ich Dir in die Unterwelt hinterher! Tritt also hervor Alexander, damit ich mit meiner Rache an Deinem Hause beginnen kann!”
Aus seinem Versteck heraus konnte Eremitias dies alles dank seiner Fähigkeiten alles gut verfolgen, ließ aber die Soldatinnen und Soldaten der Leibgarde der Orici, die er aus ihrem jahrelangen Schlaf wieder erweckt hatte, immer noch nicht eingreifen.
Doch bevor Alexander den schwerwiegenden Fehler begehen konnte sich aus der Deckung zu wagen, hatte schon längst Adriana das Wort ergriffen und rief wütend Agamon zu: “Ihr wollt euch also an einem wehrlosen misshandelten Mann vergreifen, genauso wie Rufus ein gefesseltes Mädchen ermordet hat!”
Wütend hatte sie bereits ihren Bogen und den Köcher an ihre beste Freundin in die Hände gegeben, bevor sie einige Schritte auf ihren Feind zugegangen war.
“Wie kannst Du dies nur wagen, mich und meinen toten Sohn zu beleidigen? So ein verfluchtes Miststück!”, knurrte der alte Kaufmann, der einst in seiner Jugend ein guter Soldat gewesen war.
“Ich fordere Euch dennoch zu einem Zweikampf heraus! Oder traut ihr euch etwa nicht zu es mit einem Mädchen aufzunehmen, welches nicht gefesselt ist?”
“Lachhaft. Hast Du etwa das Gesetz vergessen? Nur jemanden von edlem Blute ist es gestattet sich mit seinesgleichen zu messen, oder gar herauszufordern!”
“Dann ist diese Regel erfüllt. Denn ich bin Adriana, die Tochter der Orici Adria, welche das verheißene Kind der Ori, der wahren Götter ist! Also solltet Ihr und auch alle anderen viel besser niederknien und um Gnade ersuchen, anstatt meiner Familie und meinen Freunden zu drohen, sowie mich und meine Herkunft zu beleidigen!”
“Habt ihr das gehört, meine Freunde? Jetzt behauptet sie auch noch göttlicher Herkunft zu sein. Für diese hohe Anmaßung wirst du heute noch sterben, du niederträchtige Göre. Denn in nur wenigen Minuten wirst du einen Kopf kürzer sein, und danach sterben deine Familie und Freunde. Eure Leichen werden den Tieren des Feldes und der Lüfte zum Fraß dienen!”, orakelte Agamon voller Grimm und Hass im Herzen, der somit mit jenen Worten auf die ausgesprochene Herausforderung einging. Was aber auch daran lag, dass er durch den Verlust seines Sohnes geblendet war.
Auf einen der zahlreichen Hügel stand der Prior, der zufrieden: “Sehr gut gesprochen, Tochter meiner Gebieterin. Bald ist es soweit und der Glaube an den Pfad des Ursprungs wird auch hier auf diesen Kontinent Fuß fassen, sobald du und dein Heer den Sieg über diese Geblendeten errungen haben, denn sie sind voller Hochmut und werden zu Staub zerfallen.” - murmelte. Auch sah er nur allein die Streitmacht der Amazonen, das sich noch hinter den Anhöhen verborgen hielt.
Mit versteinerten Mienen waren beide, Adriana und Agamon, derweil weiter aufeinander zugegangen. Erst als sie nur noch eine Distanz von etwa zehn Metern voneinander trennte, blieben sie erneut stehen.
“Du hättest bloß meinen Sohn Rufus heiraten brauchen, dann wäre all dies hier nicht geschehen und wir würden hier nicht uns gegenüberstehen… Doch nun jetzt wirst du schon sehr bald sterben, wie dann dein Vater und deine übrige Familie. Das Heer da hinter mir wird sich um die Amazonen kümmern und niedermachen”, erklärte der alte Mann, der kurz hinter sich gedeutet hatte und in derselben Bewegung seinen guten Schutzschild achtlos auf den Boden fallen ließ. Erst danach zog er sein Schwert.
“Da dies leider wahr ist - werde ich euch leider töten müssen, Agamon. Denn es wäre für wahr für jeden den ich liebe zu gefährlich euch am Leben zu lassen”, seufzte Adriana, die ihr Schwert bereits in der rechten Hand hielt, aber ebenfalls auf den Schutzschild verzichtete, indem sie ihn auf den Boden hinter sich ablegte.
Diese Vorgehensweise und Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, denn gereizt bellte jener zurück: “Du Närrin! Ohne einen Schild ist Dir der sichere Tod gewiss!”
Kaum hatte er den Satz beendet, stürmte er mit einem entschlossenen Kampfschrei auf seine Rivalin zu.
Geschickt und auch geschmeidig wich die junge Frau ihrem Angreifer aus. Sie hatte gewartet bis jener dicht vor ihr war, so stürmte Agamon ins Leere.
Dessen wütenden Schwerthieben wich sie immer noch aus, da es ihr erster Kampf mit dem Schwert überhaupt war. Einerseits hatte sie auf den Schild verzichtet, was unter umständen tödlich sein könnte, doch andererseits hatte sie somit beide Hände frei.
Schon nach wenigen Versuchen änderte ihr Gegner seine Taktik. Agamon war im Kampf mit dem Speer und Schwert, aber auch mit der Streitaxt geübt, und hatte dank seines Könnens und Körperkraft so einige Duelle und auch Schlachten meist stets ohne große Verwundungen überstanden.
Deswegen konnte Adriana nur hoffen ihn mit ihren schnellen Bewegungen irgendwie zu ermüden. Dies schien bislang unmöglich, denn ihr Widersacher war trotz seines Alters in einer nach wie vor hervorragenden körperlichen Verfassung.
Dann nach einigen weiteren Minuten ihres Zweikampfes passierte es: Adriana hatte sich übel verschätzt, wodurch Agamon eine gute Chance sah dieses Duell auf Leben und Tod zu seinem Gunsten zu entscheiden. Doch wie war es dazu gekommen? Zum allerersten Mal hatte die junge Frau sich für eine Angriffsaktion entschieden, aber dabei ihre eigene Stosskraft schwer unterschätzt. Sie geriet unglücklich ins Straucheln, was dazu führte das alle auf beiden Seiten den Atem anhielten. Adriana spürte den harten Schlag des gegnerischen Schwertes zu allererst in den Rücken, der dank des Rückenpanzers keinen gesundheitlichen Schaden verursacht hatte. Aber sie musste noch einen schnellen weiteren, aber weniger heftigen gegen ihr linkes Bein hinnehmen. Sofort spürte sie den brennenden Schmerz an jenem Bein, welches böse zu bluten begann.
Diese beiden Schläge brachten sie also zu Boden. Hingegen schaffte sie es aber soeben noch im letzten Moment sich auf den Rücken zu drehen, und mit einem wütenden Aufschrei einen weiteren Hieb mit ihrem eigenen Schwert zu parieren. Doch ein weiterer noch härterer Schlag war zuviel, denn ihr eigenes glitt ihr aus der Hand.
Voller Angst blickte Adriana nach oben zu Agamon, welcher die Spitze seines Schwertes an ihre Kehle hielt, und spöttisch lachte und geiferte: “Hast länger durchgehalten als ich gedacht hätte. Doch nun kommt für dich die größte Schmach, denn ich werde dich mit meinem Schwert auf den Boden hier spießen und mit deinem eigenen enthaupten…”
Noch während er sprach, hatte der alte Haudegen schnell und kurz ausgeholt um seine Ankündigung in die Tat umzusetzen. Die Spitze seines Schwertes fuhr auf Region kurz unter ihrer Brust nieder - federte aber vollkommen unerwartet aus seiner Sicht so heftig am Brustpanzer von der Rüstung Adrianas ab, dass Agamon durch jene Wucht ein paar Meter weit weggeschleudert wurde und hart zu Boden ging. Davon war er so benommen, dass er eine zeitlang regungslos liegen blieb.
Dies lag daran dass die komplette Rüstung seiner Gegnerin aus einem besonderen Metall gefertigt worden war, wie auch der Dolch und das Schwert.
In ihrer ungünstigen Lage hatte Adriana in ihrer Verzweiflung aber hervorragend reagiert, und unbemerkt von ihrem Gegner schon bereits kurz nach dem Verlust des Schwertes, das ihr aus der rechten Hand entglitten war ihren Dolch gezogen.
Agamon hatte sich bereits mit einem fluchenden Schimpfen bereits wieder erhoben und war kurz davor wieder auf seine Gegnerin loszustürmen. Aber die junge Frau reagierte wieder gut, denn sie schleuderte ihre einzige verbliebene Waffe dem Mann entgegen.
Ohne Probleme durchdrang der Dolch von Adriana den harten ledernen Panzer von Agamon in der Höhe des Bauches.
“Du verdammtes elendiges Miststück!”, röchelte er fluchend schwer getroffen. Seine Angriffsbewegung war somit verzögert worden, was der jungen Frau ermöglichte wieder ihr Schwert in die Hände zu nehmen.
Beide waren somit verwundet. Adriana hatte einen leichten Schnitt am Oberschenkel, und Agamon eine tiefe Stichwunde im Bauch, die übel zu bluten begonnen hatte nachdem er den Dolch entfernt und wütend in Richtung seiner Gegnerin geschleudert, aber knapp verfehlt hatte. Schnell hatte sich die junge Frau gebückt und diese Waffe wieder sicher in der Scheide verwahrt.
Überraschenderweise hatte sie solange gewartet bis ihr Todfeind ebenfalls sein Schwert wieder in den Händen hielt, nachdem er es nach der Attacke von Adriana hatte fallen lassen.
Der alte Mann wusste dass er die junge Frau so schnell wie nur möglich bezwingen musste, denn sonst würde er diese Auseinandersetzung nicht überleben können. Er spürte regelrecht wie das warme Blut seinen Körper verließ.
Durch diese schwere Verwundung des Feindes sah sich Adriana im Vorteil, worauf sie ihre wirkliche zweite Offensivaktion folgen ließ. Sie hatte gewartet bis Agamon seinen Hieb gesetzt hatte, ehe sie sich schnell halb um ihre eigene Achse gedreht hatte, mit einem kräftigen Schlag mit ihrem Schwert das von ihren Gegner zerschlug. Dabei bewegte sich aber die junge Frau so schnell und fließend, dass sie es zunächst gar nicht bemerkte, sondern abermals ausholte und mit aller Kraft zugestochen hatte.
Agamon sah kurz an sich hinab, und sah das Schwert seiner Feindin seinen eigenen Leib durchbohrt hatte, denn jene Stand nur etwa einen halben Meter von ihm entfernt.
Aus dem Mund blutend war er schließlich auf die Knie gesunken, musterte die junge Frau kurz und murmelte dann mit einem leisen Seufzen fragend: “Wieso hat dein Brustpanzer keinerlei Kratzer?”
“Weil die Ori mich schützen. Und der Schnitt an meinem linken Bein wird schon sehr bald verheilt sein”, antwortete Adriana, die ihr Schwert dann langsam aus Agamon herauszog, welcher kurz darauf auf die linke Seite kippte und seine Seele aushauchte.
Diesen Ausgang des Zweikampfes wollten die Soldaten von Capripolia nicht akzeptieren. Daher stürmte das Heer auf Adriana zu, die schnell zu ihren Schutzschild eilte und jenen seinem Zwecke entsprechend verwendete. Sie blieb ohne weitere Wunden als ein böser Pfeilhagel auf sie herniederging.
Aber auch ihre Angreifer wurden von einem solchen begrüßt, denn das auf der Lauer liegende Heer der Amazonen griff ein.
“Los Soldatinnen und Soldaten der Ori - vernichtet die Feinde der Tochter der Orici!”, befahl Eremitias den bereitstehenden 24 Frauen und Männern der Leibgarde seiner Gebieterin, die sich ebenfalls nun in den Kampf einschalten durften.
Eine heftige Schlacht vor der freien Fläche von Capripolis entbrannt. In erster Linie wurde eine sichtlich erstaunte Adriana von den Soldaten der Leibgarde zuerst abgeschirmt, was ihr den Rückzug vom Schlachtfeld ermöglichte. Eine Phalanx von 8 von ihnen blieb zu ihren Schutze bei ihr, was es Adriana endlich ermöglicht hatte vom Heilelixier zu trinken, während die anderen Gardisten mit aller Kraft die Amazonen unterstützten.
Dem vollkommen überraschenden Angriff der beiden Streitkräfte konnten die Verteidiger so gut wie nichts entgegensetzen, weil die Leibgarde der Orici ihre Stabwaffen mit tödlicher Präzision einzusetzen wussten.
Viele der Krieger von Capripolia flohen zurück in die Stadt. Aber ihre Verfolger setzten ihnen sofort nach. Ihre Verfolger drangen erfolgreich in die Stadt ein, und plünderten dann noch viele Bezirke der Hauptstadt aus.
Mit reicher Beute zogen die Amazonen gemeinsam mit den Soldatinnen und Soldaten der Ori wieder ab.
Einer der überlebenden Senatoren des Königreiches Capripolia stöhnte in der Nacht vor dem Tempeln klagend: “Heute haben wir Phobos erfahren! Weh uns, wenn diese junge Kriegerin wiederkehrt! Weh uns! Helft uns Götter, sonst sind wir verloren!”
Odyssee
Folge 2.01 Der Pulsar, Teil 2
Milchstraße
Mars - Stargate Command Base
Eilig und so schnell sie laufen konnten, waren Miss Xiaoyi Shen und Major Jennifer Hailey gemeinsam in den Torraum geeilt, und waren ebenso schnell in den wartenden Jumper und zwängten sich nach vorne, vorbei an den aufgestapelten Kisten, Koffern und auf den Bänken sitzenden Crewmitgliedern in den Cockpit-Bereich des Fluggerätes
Da die Mission bereits frei gegeben worden war, fasste sich die Expeditionsleiterin recht kurz mit ihrer ersten Anweisung.
In der zuvor festgelegten Reihenfolge hatten sich die 12 Jumper von ihrer Parkposition erhoben. Dann nach einem ersten kurzen Flug auf den Ereignishorizont des Stargates, tauchten die Fluggeräte nacheinander in die bläulich schimmernde Wand ein.
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Und obwohl jeder, und natürlich auch alles andere, in einzelne Atome zersetzt worden ist, sah man Sterne, Planeten und Galaxien während der Reise durch das Wurmloch von dem Stargate von der Erde hin zu dem Ziel-Stargate vorüberziehen. Alles schimmerte in einem orangefarbigen Licht. Bis man es ganz kurz spürte. Etwas war geschehen und alles war ganz kurz nur für wenige Sekundenbruchteile in einem merkwürdigen Violett getaucht.
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Andromeda-Galaxie
Cyrannus Star System
Helios Beta System - Ouranos Asteroid Belt
Sonst herrschte hier in jenen Bereich des gewaltigen Asteroidengürtels überwiegend Dunkelheit. Nur hin und wieder schimmerte mal die Sonne durch die unterschiedlich großen Gesteins- und Mineralienbrocken in jenem Sektor hindurch.
Diese Eintönigkeit wurde unterbrochen als unerwartet ein uraltes antikes und längst vergessenes Artefakt wieder zu neuem Leben erwachte.
Eine blaue Welle hatte für wenige Sekunden aus dem Stargate geschlagen, ehe sich diese zurückgezogen hatte und nur einen schimmernden Teich hinterließ.
Diese Energiefreisetzung hatte einen unerwünschten Nebeneffekt: Der Asteroid begann unerwartet zu rotieren.
Kurz darauf verließen mehrere Fluggeräte das antike ringförmige Artefakt mit viel zu hoher Geschwindigkeit. Auch die Rotation des Himmelskörpers sorgte für etwas, nämlich dass alle Fluggeräte verstreut worden waren.
Wenige Minuten nachdem der letzte Jumper angekommen war, erlosch das Stargate und der Asteroid auf welchen es sich befand, kollidierte mit einem anderen Himmelskörper.
Mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit hatte unser Jumper, wie die anderen elf ebenfalls das Stargate wieder verlassen. Es dauerte eine Weile ehe die beiden Lieutenants Jin und de Vaux das Fluggerät wieder unter ihre Kontrolle gebracht hatten.
“Na schön”, stöhnte Miss Shen, die sich langsam wieder erholt hatte, “was ist da gerade passiert? Major Hailey, haben sie da schon eine Theorie?”
“Leider nicht, Ma’am. Würde mich aber gerne mit den anderen darüber austauschen, ob auch sie dieselben Beobachtungen gemacht haben…”, antwortete Jennifer mitgenommen.
“Tun Sie das. Wo sind wir?”, stutzte die Expeditionsleiterin, die gerade eben erst bemerkt hatte, dass sie sich im All befanden und nicht auf einem Planeten. Fassungslos starrte sie nach vorne aus dem einzigen Fenster, denn sie befanden sich nicht in einer zerklüfteten Bergwelt des angewählten Zielplaneten, sondern in einem Asteroidenfeld.
“Das muss ein Asteroidengürtel sein”, bemerkte Lieutenant Tessa de Vaux, die auf die sich langsam aufbauende holographische Karte des Sonnensystems schaute, während sie versuchte Funkverbindungen zu den anderen Teams herzustellen.
“Dies war der härteste und aufregendste Ritt in einem Fluggerät, den ich eh hinter mir gebracht habe”, erklärte Doktor Rosenthal, der als einer der wenigsten entspannt wirkte, aber wie alle anderen auch es noch nicht wagte den Sicherheitsgurt zu lösen.
Es dauerte viele quälende Minuten, die einen wie Stunden vorkamen bis sich alle Jumper gemeldet und wieder versammelt hatten. Immer noch stellte sich keine Entspannung ein, denn man wusste nicht wo man letztendlich gelandet war.
Während die Physiker im Expeditionsteam ihre Erkenntnisse zusammentrugen, behielten alle Jumper-Piloten die Anzeigen der Instrumente im Blick, die sie darüber informierten was sich sonst noch im Sonnensystem befand, wo wir allesamt gelandet waren.
Als dann mehrere große Raumschiffe entdeckt worden waren, die eindeutig militärischen Zwecken dienten war man froh darüber dass der Tarnmodus trotz der aktuellen Probleme funktionierte. Dank der fortschrittlichen Technologie der Antiker, die Doktor McKay und sein Team erfolgreich hatte duplizieren können, erfuhr man dass mindestens einer der Planeten im System bewohnt war.
Trotz Tarnung hielt sich unsere Jumper-Flotte in Formation nur im Asteroidengürtel auf.
Nach vielen Stunden war es dann endlich so weit, weil die Physiker endlich fertig waren um nach Erklärungen zu suchen, und Miss Shen übernahm die Einleitung: “So alle mal herhören, den wir fassen kurz zusammen was wir wissen: Das Stargate wurde mit der korrekten Adresse erfolgreich geöffnet, worauf wir protokollgetreu die Erkundungssonde vorausgeschickt hatten. Diese hat uns dann die Bilder der näheren Umgebung übermittelt. Eine Umgebung einer zerklüfteten Bergwelt. Doch stattdessen ist etwas geschehen, weshalb wir hier gelandet sind…”
Hilfesuchend drehte sich die Expeditionsleiterin zu Hailey, um sie dadurch aufzufordern allen anderen Expeditionsmitgliedern die wissenschaftlichen Erkenntnisse mitzuteilen.
“…das ist leider wahr. Wir haben wie geplant in den 12 Jumpern den Ereignishorizont des Sternentores auf der Erde passiert. Der Rausch, so nenne ich persönlich die Reise durch das Wurmloch, haben wir wohl auf eine ähnliche Art und Weise wahrgenommen bis… ja bis zu diesen einen Moment mit der Farbänderung, unerwarteten Beschleunigung und dem im Anschluss beinahe unkontrollierten verlassen des Stargates in diesem uns noch vollkommen unbekannten Teil des Universums. Wir vermuten das dieses Phänomen entweder durch ein normales oder vagabundierendes Schwarzes Loch, eine Supernova, einem Pulsar oder einem vergleichbaren Ereignis verursacht worden ist”, berichtete Jennifer uns allen.
“Und was jetzt? Steuern wir das Sternentor an um zur Erde zurückzukehren?”
“Nein, First Lieutenant Jin! Das Tor befindet sich in einer ungünstigen Lage und Zustand, weil es durch die Kollision mit einem anderen Asteroiden beschädigt worden ist, wie mir Colonel Chou berichtet hat. Und auch wenn es intakt wäre, wir könnten dennoch nicht zurück, denn wir hätten keinen Ausgangspunkt - wir wissen nicht wo wir gelandet sind”, antwortete die Expeditionsleiterin niedergeschlagen.
“So ist es - und somit sitzen wir hier eine Weile fest. Zumindest bis wir einen Aus- oder Rückweg gefunden haben”, bemerkte Lieutenant Fraiser.
“Ja, ganz genau. Wir lassen uns davon nicht entmutigen. Daher ordne ich hiermit an das wir dieses Sonnensystem gründlicher erforschen, wobei alle Jumper im Tarnmodus verbleiben! Wir teilen unsere Flotte dabei aber auf! Äh, Lieutenant de Vaux, wie viele Planeten gibt es in diesem System hier?”, legte Miss Shen fest, die sofort fragend zu der Co-Pilotin schaute.
Tessa hatte nur kurz noch einmal auf die holographische Karte geblickt, ehe sie dann antwortete: “Nahe des Zentralgestirns gibt es einen kleinen und offenbar unbewohnten, dann den einen besiedelten Planeten, den Asteroidengürtel in den wir uns aufhalten, und eine weitere Welt mit guten Lebensbedingungen, der ebenfalls bewohnt sein könnte mit einem großen Mond. Außen einen gewaltigen Gasgigant mit mehreren Monden… he, und noch einen weiteren Planeten auf einer anderen Umlaufbahn… Also gibt es genug Ziele, die wir erkunden können, Miss Shen.”
“Da haben sie Recht, Lieutenant. Wir werden uns alle, bis auf den Gasgiganten ansehen! Keine Kontakte mit der hier heimischen Zivilisationen!”, legte die Expeditionsleiterin fest, die die Jumper-Flotte in vier Verbände aufteilte und dann die Ziele, sowie ein Zeitlimit von maximal 48 Stunden und den Treffpunkt auf gleicher Position im Asteroidengürtel bestimmte.
Battlestar Heracles - CIC
“Sir, wir hatten da gerade etwas”, meldete Colonel Lot Hebridian.
“Und was?”, fragte Admiral Diana McBride müde.
“Einen sehr heftigen Energieausbruch im Ouranos Asteroid Belt, sowie ein Dutzend Kontakte, die dann aber schnell wieder verschwunden sind”, antwortete der Taktikoffizier, der nervös wirkte.
“Und? Was für eine Kennung?”
“Dafür waren die leider viel zu kurz auf dem DRADIS, Sir. Vielleicht waren das aber auch nur irgendwelche Trümmer, Raptor oder gar Schiffe von Schmugglern.”
“Lassen wir das, machen wir einen Vermerk dass sich hier in diesem Sektor Schmuggler des Öfteren aufhalten - und mehr nicht! Und bereiten Sie lieber den Sprung ins Helios Gamma System vor! Denn die Pegasus liegt für die nächsten Monate in den Scorpia Shipyards, und wir sollen dort für diese Zeit von etwa sechs Monaten die Vertretung übernehmen!”, entschied McBride.
Helios Alpha System
Battlestar Galactica
Voller Misstrauen beäugte Commander William “Husker” Adama immer wieder die ganzen Fremden, welche sich auf seinem Schiff aufhielten, kommen und gingen. Doch was den alten Kriegsveteranen aus dem Zylonischen Krieg, der vor gut vierzig Jahren endete, am meisten wurmte, war in seinen Augen die Verschandlung, welche die Galactica seit einigen Wochen erfuhr. Der alte Kampfstern wurde immer mehr zu einen Museum umgebaut. Dies störte Adama, der sich dafür stark gemacht hatte dieses alte Schlachtschiff eher als Schulungsschiff für die Kadetten der Akademie der Kolonialen Flotte so zu belassen wie es war. Doch war er aus unbekannten Gründen mit seinem eindringlichen mit einem solchen Appell bei der Admiralität gescheitert.
“Dies ist ein Kampfstern, und sollte auch besser einer bleiben!”, brummte er mürrisch leise vor sich hin.
Milchstraße
Erde
USA, New York - Westchester
In der Schule und auf dem Anwesen von Charles Xavier machte sich immer mehr ein bedrückte Stimmung breit, denn man hatte Kenntnis von dem vermissten Team der erst vor kurzem aufgebrochenen Andromeda-Expedition erhalten. Wobei der Professor und Jean auf Grund ihrer Gabe sofort davon gewusst, aber aus Rücksicht auf andere solange geschwiegen hatten, ehe es von den Verantwortlichen bestätigt worden war.
“Die Ärmsten. Besonders die Frau von Wolfrino tut mir leid. Denn erst hatten sich die zwei wieder gefunden, und schienen nach dem Angriff dieser Monster ihre Beziehung erneuert zu haben…”, begann Storm mitfühlend.
Wolverine ergänzte trocken: “…und dann diese erneute harte Trennung. Die arme Frau und der Kerl haben wirklich Pech.”
“Ja”, nickte Magneto, der mal wieder zu Besuch war um mit Charles eine Runde Schach zu spielen, “vor allem weil die Frau von vorneherein dagegen war, dass sich ihr Ehemann der Expedition anschließt.”
Deutschland - Hamburg
Vor einen Zweifamilienhaus fuhr ein schwarzer Geländewagen vor. Schnell und gewand war der Fahrer ausgestiegen, um kurz darauf der Mitfahrerin und einem weiteren Fahrgast im Anschluss das Aussteigen zu ermöglichen. Die beiden Personen erstgenannten trugen die Uniform der United States Air Force, während die dritte im sportlichen Zivil gekleidet war. Während der Fahrer im Wagen zurückblieb, ging die Frau, welche als Brigadier General erkennbar war, mit dem älteren Herrn auf das Haus zu und betätigte die Klingel.
Die Tür öffnete sich erst nach dem zweiten Läuten.
“Ja, was gibt es?”
“Guten Tag. Das hier ist Mister Angus MacGyver und ich bin Brigadier General Samantha Carter von der US Air Force. Sind sie, Misses Jeanne Nicole Schneider?”
“Ja, irgendwoher kenne ich sie beide. Sie haben Glück, denn ich muss bald los. Wollen Sie denn nicht solange reinkommen bis ich los muss - um mir zu erzählen was schief gelaufen ist?”
Sam und auch Mac machten betroffene Gesichter, daher zögerten beide einen Moment, weswegen Jeanne locker ergänzte: “Ich bin Polizistin und merke schon wegen ihres Besuchs das es wohl schlechte Nachrichten geben muss, denn sonst wären sie beide nicht hier.”
“Das ist leider wahr. Aber das bedeutet nicht, dass alle tot sind und als für immer verloren gelten. Ich würde Ihnen aber gern berichten was wir bislang in Erfahrung gebracht haben”, versuchte MacGyver sofort die schlimmsten Befürchtungen zu dämpfen.
“Habe nichts dagegen, aber ihr zwei habt dafür nur knapp zwei Stunden Zeit, dann muss ich selber zum Dienst. Das Wohnzimmer ist dort hinten - einfach den Flur entlang. Wie wäre es mit Kaffee?”
“Danke. Und wir, Mister MacGyver und ich, werden uns so kurz wie möglich fassen”, versprach Carter.
Während Samantha und Angus im Wohnzimmer Platz genommen hatten und damit begonnen hatten ihre Präsentation vorzubereiten, war Jeanne alleine in der Küche verschwunden. Dort liefen ihr die Tränen über die Wangen. Sie war froh darüber dass die beiden Kinder bereits schon in der Kita waren und es nicht mitbekamen.
Doch nach nur wenigen Minuten tauchte sie dann, nachdem sie die Spuren ihrer Traurigkeit beseitigt hatte, mit einem Tablett im Wohnzimmer auf.
Mit einem gütigen Lächeln nahm Sam die Kaffeetasse entgegen. Derweil war Jeanne aber auch dankbar dafür dass sie informiert wurde, und dann auch noch von einer sehr ranghohen Offizierin, die sich die Zeit dafür genommen hatte, obwohl für sie die erst vor kurzen wieder zurechtgerückte Welt zusammengebrochen war.
Dies spürte Carter regelrecht, weswegen sie alles versuchte um zu zeigen dass alle nur als vermisst galten.
“…durch die Hilfe eines Satelliten, den die Phoenix Foundation bei der Mister MacGyver tätig ist, ist es uns nach der bisherigen Analyse der Daten, die wir erhalten hatten, feststellen das ein Pulsar für das globale Phänomen von zum Beispiel den zahlreichen Stromausfällen verantwortlich gewesen sein muss. Diese Pulsare sind stellare Objekte und schnell rotierende überdichte Neutronensterne mit hoher Strahlung, die Radioimpulse aussenden, die wie Wellen durch das Universum wandern. Und gerade eben als das Team das Tor passiert hat, hat uns ein solcher Impuls zweier kollidierender Pulsare getroffen. Der Materiestrom muss umgeleitet worden sein, was wir anhand aller gesammelten Daten und Rechenmodelle herausbekommen haben. Das Team ist irgendwo herausgekommen. Überall dort wo ein Tor ist oder war - und zwar in diesem Bereich hier!”, erklärte Sam, die auf dem Tisch ausgebreitete Karte mit Galaxien deutete. Diese Karte war von ihr mit einem Dreieck ausgehend von der Milchstraße in Richtung der Andromeda markiert worden war.
“Es befinden sich sehr viele kluge, sehr kluge Menschen in diesem Team. Ja, sie sind auf sich gestellt - aber sie werden den Weg zurück zur Erde suchen und finden. Glauben Sie mir”, ergänzte Samantha, während Jeanne wortlos voller Schmerz auf diese Karte mit dem Dreieck starrte wo sich mehrere Galaxien befanden.
´Jetzt habe ich dich ein zweites Mal, und wohl auch für immer verloren Jonathan´, dachte sie betrübt im Stillen.
Odyssee
Folge 2.02 Phobos und Deimos, Teil 1
Andromeda-Galaxie
Messier 110 alias NGC 205 alias Andro-Alpha-Galaxie
Planet Heraclia - Festland, neutrale Region
Wie sie es vor einigen Tagen versprochen hatte, war Veronika mit einer guten Anzahl von Kriegerinnen auf dem Hof von der Familie von Adriana erschienen.
“Es kommen noch mehr Kriegerinnen nach. Zum einen um die Familie von Alexander, sowie diejenigen, die es wünschen in das Reich der Amazonen zu führen wo sie alle in Sicherheit wären. Und andere Kriegerinnen um unserer Gruppe im Notfall beizustehen, denn unsere Mission wird dieses Königreich und alle anliegenden Reiche in eine sehr große Aufregung versetzen”, versicherte die Prinzessin der Amazonen.
Kurz danach hatten zahlreiche Mägde und Knechte damit begonnen untereinander zu tuscheln, wobei sie auch ab und wann auch recht heftig miteinander diskutierten.
Erstaunlich war aber eines, denn obwohl die Amazonen bereits da waren, hatte Adriana das Haus immer noch nicht verlassen - im Gegensatz zu Eve, Egeria, Ruben und Alexa, die nervös immer wieder hinüber zur Tür schauen mussten.
Es verrannen noch einige Minuten, ehe die Wartezeit vorüber war und die junge Frau in der Kleidung, welche sie erst gestern in der Grotte gefunden hatte, aus der Tür trat. Dieses Erscheinungsbild hatten vor allem ihre Mutter und zahlreiche Bedienstete der Farm nicht erwartet, weswegen sie auch einen ziemlichen Schreck bekamen. Im Gegensatz zu den Amazonen, welche neugierig näher traten und interessiert die junge Frau und ihr Outfit begutachteten.
“Du sag mal”, begann Veronika verwundert, “ist dir etwa zu kalt, wir haben doch Hochsommer? Du musst doch in diesen Sachen schwitzen wie ein Bär, liebe Schwester.”
Adriana hatte kurz überlegen müssen, ehe sie reagierte und sagte dann: “Es klingt zwar merkwürdig, aber ich friere nicht und schwitze trotz dieser Sachen, welche ich am Körper trage nicht.”
“Ist deine Sache… Und was ist mit euch? Ihr müsst euch entschieden haben bis die anderen Kriegerinnen hier sind. Dies wird sein sobald es dämmert!”
Die Amazonenprinzessin schaute sich noch einmal kurz in der Runde um, dann hatte sie sich wieder auf ihr Pferd geschwungen. Auch die junge Frau tat es ihr gleich nachdem sie sich von ihrer Pflegefamilie verabschiedet hatte.
Danach war die Gruppe auch schon davon geritten ins Königreich Capripolia, um keine unnötige Zeit mehr zu verlieren.
Inselreich Katmos
“Wir waren wieder siegreich! Ehre sei den Ori!”, hatte so eben ein junger Mann euphorisch laut geschrien, nachdem sie endgültig das letzte verbliebene Bündnis der Könige und Fürsten sämtlicher noch bisher nicht unterworfener Inselreiche vernichtend geschlagen hatten.
Dieser junge Mann, welcher Darius hieß, wusste nicht dass er die ganze Zeit über aus weiter Ferne mit äußerster Zufriedenheit beobachtet worden war.
Wie zu erwarten war, war einer seiner obersten Hauptleute, der zu seiner Leibgarde gehörte, die von seiner Mutter der Orici für diese Mission auserwählt worden war, an ihn herangetreten, und meldete: “Mein Gebieter, wir haben zahlreiche Rädelsführer, darunter auch einige der Könige und Fürsten gefangen nehmen können.”
“Hervorragend. Bringe mich sogleich zu ihnen!”
“Wie ihr befiehlt. Bitte folgt mir. - Hier entlang. Gebieter durch diesen glorreichen von den Ori gewollten Sieg sind euch von diesem Tage an alle Inseln untertan. Wann wendet ihr euch dem Festland zu?”
“Schon sehr bald, Hauptmann. Schon sehr bald.”
Während er sich mit diesem Hauptmann besprach, waren sie bei den wichtigsten Leuten, die jetzt seine Gefangenen waren angekommen.
“Wie ihr alle mitbekommen habt, ist euer lächerlicher Versuch die Auserwählten der Ori aufzuhalten oder gar zu vernichten endgültig gescheitert. Euer Bündnis ist besiegt, was auch dazu führt, wie es im Gesetz festgelegt worden ist, dass von den heutigen Tage an mir alles gehört: Reiche, Besitz und sämtliche Armeen. Doch ich will großzügig sein, wenn ihr euern falschen Göttern abschwört und stattdessen den wahren, den Ori unterwerft. Jeder der dies tut, erhält den Rang eines Fürsten, der dann sein bisheriges Land für mich verwalten darf. Wer von euch allen dazu bereit ist, möge nun hervortreten.”
Lange Zeit geschah nur dies: Alle Gefangenen blickten sich und ihren Bezwinger prüfend an.
Minuten vergingen bis Bewegung in das Geschehen kam, und der besiegte aber von sehr vielen angesehene und alte König von Katmos, Menas, verächtlich auf den Boden spuckte sowie einige Schritte nach hinten getreten war.
Als er dies getan hatte, erklärte er: “Ich weiß noch nicht wie sich meine Brüder hier noch entscheiden werden, aber ich verrate auf keinen Fall das Erbe unserer ehrwürdigen Ahnen, nur um mein vergängliches Leben zu retten - du elender Sprössling eines Piraten!”
Darius hatte darauf kurz etwas das Gesicht verzogen, ließ die Bemerkung seines Feindes ohne Kommentar stehen, stattdessen fragte er: “Will sich hier noch jemand kundtun?”
Kurz darauf waren zunächst Gemurmel und Geflüster, und danach Beschimpfungen sowie wüste Verwünschungen zu vernehmen. Der Grund dafür war da sich einige dazu entschlossen hatten einen oder mehrere Schritte vorzutreten, und andere die es Menas gleichgetan hatten. Aber einige waren reglos an Ort und Stelle stehengeblieben.
Alle wurden dann wie von Darius befohlen in drei separaten Gruppen abgeführt. Die Gruppe von Königen und Fürsten, die bereit waren sich zu unterwerfen in ein Zelt, die Unentschlossenen und diejenigen welche sich nicht beugen wollten wurden zusammen in Käfige gesperrt.
Festland - Königreich Capripolia
Die Amazonenkriegerinnen und Adriana hatten das neutrale Gebiet verlassen und waren schon tief in das Königreich Capripolia eingedrungen. Es zeigte sich dass die Amazonen eine Vielzahl von unbekannten Pfaden kannten, weswegen sie ihrem Ziel schon sehr nahe gekommen waren. Auch war bereits schon das leise Rauschen des nahen Meeres zu hören, denn die Hauptstadt Capripolis mit ihrem großen Hafen lag in einer günstig gelegenen und geschützten Bucht.
Auf einer bewachsenden Anhöhe befahl Veronika allen anderen mit einer eindeutigen Geste, die Pferde anzuhalten und ruhig zu halten. Der Grund dafür war klar, es war noch heller Tag und die Stadt war bereits in Sichtweite.
“Wir warten wohl bis zur Dämmerung?”, fragte Adriana, die sich ebenso wie ihre beste Freundin, welche kurz bestätigend genickt hatte, vom Pferd gleiten ließ.
“Wir werden uns ausruhen bis es dämmert, dann gehen wir alle, bis auf zwei von uns hinab in die Stadt um deinen Vater zu suchen, sowie ihn zu befreien falls er in Not sein sollte!”, legte die Prinzessin der Amazonen fest.
Ihr Lagerplatz war gut gewählt, weil er auch sehr leicht für eine gewisse Zeit zu verteidigen war. Während sich Veronika stärkte, suchte sie bereits mit ihren Augen einen sicheren Weg zur Stadt. Schließlich lächelte sie siegessicher, erhob sich und ging zurück zu Adriana und ihren Kriegerinnen. Auch sie nahmen gerade Nahrung und Wasser zu sich, als Veronika ihnen den Plan erläuterte: “…bis dorthin haben wir Deckung, wo auch Vivien und Lalila mit den Pferden zurückbleiben werden! Ihr beiden müsst genau auf die Umgebung achten! Wir übrigen und Adriana dringen dann in die Stadt ein, dringen bis zu den Palast von Rufus und seiner Familie vor, dabei ist es wichtig immer bereit für den Kampf mit dem Feind zu sein!”
Insel & Königreich Katmos
Lange hatte Darius in seinem fürstlichen Zelt auf den besiegten König von Katmos, der sich geweigert hatte sich ihm zu unterwerfen, gewartet.
Doch das Warten hatte ein Ende, denn acht seiner Krieger hatten König Menas zu ihm gebracht.
Für den Bezwungenen war es eine Schmach, da er auf einer sandigen Stelle stehen bleiben musste. Es war klar zu erkennen, man hatte die kostbaren Teppiche und Felle, die noch vor einiger Zeit hier gelegen hatten, weggenommen.
Gemächlich schritt Darius auf Menas zu, wobei er kurz nach draußen geschaut hatte, dann sprach er: “Ihr habt mich respektlos behandelt und die wahrhaften Götter, die Ori beleidigt. Außerdem bin ich der Sohn der göttlichen Orici, die die verheißene Tochter der Ori…”
Abrupt unterbrach der Besiegte trocken: “Das ändert nichts daran, dass Du nichts weiter als ein Verbrecher bist. Wer sehr hoch thront, wird irgendwann schwer fallen!”
“Ah ja, so wie Du? Oder bist du ein Prophet Menas? Die Sonne geht gerade unter, wie am heutigen Tage auch deine Herrschaft über diese gewaltige Insel bereits untergegangen ist - genauso… ach ja, du ziehst es vor zu sterben hast du mir vorhin gesagt… also endet heute Abend euer Leben”, entgegnete Darius leise murmelnd. Die letzten Worte sprach er so leise, dass sie nur Menas gerade noch so vernehmen konnte.
Voller Schmerz schrie der alte besiegte König kurz darauf auch noch auf, denn sein Bezwinger hatte den wehrlosen ohne jegliche Warnung mit dem Schwert durchbohrt.
Tödlich verwundet stöhnte er daher anklagend: “Du bist ohne jede Ehre… eine Schande für alle Könige, weil du vor nichts zurückschreckst… Und ob ich ein Prophet bin, …wird Dir deine eigene Zukunft zeigen… du… du Deimos!”
“Ja. Ganz genau. Denn ich werde sogar meine Zwillingsschwester beseitigen, sobald sie mir begegnet, um mir auf diesem Wege mein verheißenes Erbe zu sichern - ganz genauso wie man es mir bereits prophezeit hat. Witzig nicht wahr?”, erklärte Darius mit einem kalten Grinsen, ehe König Menas verstarb.
Festland - Königreich Capripolia
Hauptstadt Capripolis
Die lang ersehnte Dämmerung war endlich gekommen. Anhand des Geschickes der Kriegerinnen war Adriana sehr schnell klar geworden, dass jene nicht das erste Mal eine solche Mission vor sich hatten. Denn jede Wache, die man nicht umgehen konnte, wurde von den Amazonen lautlos und ohne Aufsehen zu erregen beseitigt.
Geräuschlos und still wie Katzen huschten sie durch die Straßen und Gassen der Stadt, wobei sie sich meist im Schatten verborgen hielten. Ihr Ziel war der Palast von der Familie von Rufus, welcher sich in der Nähe des Tempelbezirks befand.
“Der Wachposten dort am Tor muss weg!”, wisperte Veronika, die den Bogen und den Köcher abgelegt hatte um diese Aufgabe persönlich zu übernehmen. Aus dem Schatten heraus griff sie blitzschnell zu, als sich der Mann für einen kurzen Moment wegdrehte.
Mit der linken Hand hielt sie dem Wachposten den Mund zu um jenen am Schreien zu hindern, und mit der rechten stieß sie ihn mit ihrem Dolch ins Herz. Anschließend zerrte sie den Toten ins naheliegende Gebüsch, nachdem sie ihren Gefährtinnen angezeigt hatte zu ihr aufzuschließen.
Ein weiteres Mal hatte Adriana mitverfolgen müssen, wie kaltblütig und brutal ihre beste Freundin sein konnte. Daher hatte sie mehrfach erschrocken schlucken müssen.
Veronika schien das Unbehagen von ihr zu spüren, daher fasste sie ihr kurz an den Arm, und flüsterte: “Du weist genau, dass dies bei einer solchen Mission passieren wird. Und auch Du selbst wirst leider bald jemanden töten müssen, sonst ist dein Vater und deine Familie verloren - und auch um nicht selber zu sterben.”
“Ich weiß. Davor habe ich ja Angst.”
“Das ist gut, es soll ja auch nicht leicht sein andere Menschen zu töten. Doch leider geht es in diesen Stunden nicht anders, wenn wir deinen Vater Alexander aus den Händen dieser ruchlosen Verbrecher befreien wollen. Also komm jetzt!”
Adriana war auch die Erste, die den Gesuchten erspäht hatte, und stellte dabei entsetzt fest: “Sie haben ihn ohne jegliche Kleidung dort in den Block gelegt!”
Und tatsächlich wenige Meter vor ihnen befand sich Alexander, der vor Erschöpfung erst vor kurzem eingeschlafen war. Im fahlen Mondlicht war deutlich zu erkennen gewesen dass er schwer misshandelt worden war. Deswegen stieg in Adriana schier unbändiger Zorn auf.
Auf ein Zeichen Veronikas hin verteilten sich die Kriegerinnen mit schussbereiten Bögen auf dem Gelände. Und nur sie und ihre beste Freundin hatten sich den Gefangenen mit größter Vorsicht genähert.
“Vater! Vater!”, flüsterte jemand leise in Richtung des Mannes, der schläfrig die Augen öffnete aber mehrfach blinzeln musste.
Der Mann glaubte nur zu träumen, oder eine Vision oder dergleichen zu haben und erst als er sanft berührt wurde, seufzte er mitgenommen: “Du bist ein gutes Kind. Das du gekommen bist… Agamon, Rufus und all die anderen von seinem Hause, sowie viele seiner Knechte und Soldaten haben mich fast ohne Unterlass bis kurz vor dem Untergang der Sonne gegeißelt…”
“Diese feige Tat wird nicht unbestraft bleiben, Alexander!”, raunte Veronika leise. “Aber zunächst müssen wir Euch in Sicherheit bringen!”
“Was hast du nur vor, Schwester?”, fragte Adriana leise, der nichts Gutes schwante.
“Wir werden den Palast und alles andere in Brand stecken, sobald wir den Innenhof verlassen haben!”, antwortete Veronika entschlossen, nachdem sie Alexander ein leinendes Tuch umgelegt hatte, welches sie zuvor mit einem ätherischen Öl mit lindernder Wirkung getränkt hatte. “Wir haben keinen Schlüssel. Am besten benutzt du dein Schwert um den Block zu öffnen, Schwester!”
Adriana gehorchte ohne zu zögern, und nachdem sie es aus der Scheide gezogen hatte, holte sie nur kurz aus, schlug einmal kräftig zu. Ohne Schwierigkeit hatte sie den Block zerstört, und Alexander war wieder frei.
“Mein liebes Kind. Sieh dich nur an, du siehst wie eine Kriegerin aus…”
“Später, lieber Vater! Später! Wir müssen uns erst einmal so schnell wie nur irgendwie möglich in Sicherheit bringen!”, unterbrach die junge Frau mit einem aufmunternden Lächeln.
Ungünstigerweise war ihre Anwesenheit von einer Wache schließlich doch noch entdeckt worden, welche daher sofort mit lauter Stimme: “Alarm! Alarm! Überfall!”- rief. Abrupt wurde ein Röcheln daraus, weil er von einem Pfeil zum Schweigen gebracht wurde. Aber sämtliche andere Wachen waren dadurch bereits alarmiert worden, und drinnen im Palast wurde es überall hell.
“Jetzt werden wir so schnell es geht Feuer legen!”, schimpfte Veronika, die eine Fackel aufs Strohbedeckte Dach der Stallungen geschleudert hatte, worauf die auflodernden Flammen dort sofort ein üppiges Mahl fanden.
Und auch die anderen Amazonenkriegerinnen taten es ihrer Prinzessin gleich, worauf überall Flammen emporloderten und Feuer ausbrachen.
Schnell herbeigeeilte weitere Wachen und Knechte waren somit zunächst mit dem vielen gelegten Bränden beschäftigt, was die Flucht der Eindringlinge und des befreiten Alexander begünstigte.
Unwirsch brüllte Agamon, der auf der Dachterrasse aufgetaucht war, seine Untergebenen an: “Nur die Knechte und Mägde sollen sich um die Feuer kümmern, und das Vieh retten! Die Pferde zuerst! Die Wachen nehmen die Verfolgung auf! Los bewegt euch, und tötet die Eindringlinge!”
Mit gut gesetzten Bogenschüssen deckten die Amazonen die Flucht von Veronika, Adriana und Alexander.
Derweil rannte Rufus vor das Tor, und schrie panisch: “Hilfe! Zu Hilfe! Bitte helft beim Löschen Bürger! Wir wurden überfallen! Hilfe!”
Was niemand ahnte war, dass Eremitias sich ebenfalls in der Nähe der Hauptstadt aufhielt. Aber er war nicht mehr allein, denn die eine Hälfte der Leibgarde, die zum Schutz von Adriana bestimmt war, hielt sich bei ihm auf. Aber sie hielten sich in einer der zahlreichen Höhlen verborgen.
Der Prior wandte sich an die Soldatinnen und Soldaten: “Ihr wisst was eure Aufgabe ist: Die Tochter der Orici zu schützen, und ihr zu gehorchen! Wartet auf mein Zeichen!”
Wortlos hatten die Männer und Frauen nur genickt, um auf den Befehl zu warten.
Insel & Königreich Katmos
“Wir wissen dass ihr eine Schwester habt, Gebieter.”
“Ich weiß. Aber nicht mehr lange.”
“Die Prophezeiung ist jeden aus der Leibgarde bekannt. Wir wissen dass es nur ein Kind der Orici geben wird, welches uns anführen soll.”
“Und das geht nur, wenn ich meine Schwester töte. Silon, befehle den Wachen die Leiche von König Menas und die Spuren hier in meinem Zelt zu beseitigen! Und macht alle Gefangenen nieder, die sich den Ori und mir nicht unterwerfen wollen!”
“Wie ihr es angeordnet habt, werden wir es ausführen, großer Darius!”
Odyssee
Folge 2.03 Phobos und Deimos, Teil 2
Festland - Königreich Capripolia
Hauptstadt Capripolis
Nicht nur Rufus, sondern auch sein Vater waren gerade noch rechtzeitig in Deckung gegangen als ein letzter gut gezielter Pfeilhagel der Amazonen auf die nachsetzenden Verfolger niederging. Dadurch waren beide Männer im letzten Moment dem sicheren Tode entgangen.
“Diese verfluchten kriegerischen Amazonen! Alles Verbrecherinnen!”, fluchte deswegen der alte Kaufmann Agamon hasserfüllt, weil er bereits seit vielen Jahren schon eine tiefe Abneigung gegen dieses Volk hegte, da sie schon des Öfteren unzählige seiner Karawanen überfallen und aufgebracht hatten. Was aber daran lag, weil er sich weigerte den fälligen Zoll zu zahlen.
Mit wutrotem Kopf war er nach drinnen entschwunden, um sich persönlich der Verfolgung anzuschließen und Vergeltung zu üben.
“Wartet Vater - ich werde Euch begleiten!”, rief Rufus, der sich ebenfalls seine Rüstung anlegte. Aber sehr umständlich, weswegen er die Hilfe eines Dieners benötigte.
Aber schon bereits wenige Minuten später waren sie aus dem Palast geeilt, und mit einer großen bewaffneten Eskorte losgeritten. Im wilden beinahe halsbrecherischen Tempo galoppierten sie durch die Straßen und Gassen der Stadt, die ihre Heimat war.
Unterdessen waren aber die Amazonenkriegerinnen um Veronika, Adriana und dem befreiten Alexander, welcher sich nur mit großer Mühe auf den Beinen halten konnte, einigermaßen ohne nennenswerte Schwierigkeiten an die Stadtmauer gelangt.
Noch waren sie durch die Schatten und die Büsche verborgen. Aber sie mussten überall wo sie bislang hingekommen waren mit Unbehagen feststellen, die Stadtmauer wurde wie auch die Stadttore schwer bewacht.
“Nein! Nein, meine lieben Freunde!”, hustete Alexander, der mitbekommen hatte was Veronika plante. Sie hatte nämlich vor das am schwächsten bewachte Tor anzugreifen um auf diesem Wege Capripolis wieder zu verlassen. “Ich weiß: Ihr seid stark, tapfer und mutig - aber versucht es nicht, bitte! Wenn wir es aber doch wagen, werden viele von uns heute Nacht noch sterben… und ihr hättet die Gefahren umsonst auf euch genommen um mich zu befreien… ich bin zu… geschwächt um…”, erklärte der Farmer, der mitten im Satz erschöpft zusammen gesackt war.
Aber der stets wachsamen und aufmerksamen Prinzessin der Amazonen war durch die Armbewegung des Mannes etwas aufgefallen. Sie folgte der angedeuteten Richtung und musterte konzentriert mit kritischen Augen die Stadtmauer.
Es waren einige Minuten vergangen, da erkannte Veronika endlich was Alexander im Begriff war vorzuschlagen. Es tat sich für die Gruppe von ihr eine Alternative auf, welche wohl den Kriegern von Capripolis bislang entgangen war. Da einige Meter von ihnen nur entfernt war eine kleine Tür, die kaum noch zu erkennen war, weil sie von Kletterpflanzen beinahe fast zur Gänze überwuchert war. Ein weiterer kleiner Vorteil war der Hain aus etwa einem Dutzend Pappeln, alten Obst- und Olivenbäumen, sowie einigen Büschen, welche ihnen Deckung und Schutz boten.
Langsam und sich immer wieder wachsam umschauend vergewisserten sie sich nicht beobachtet zu werden. Schließlich hatten sie wohl ihre einzige Fluchtmöglichkeit aus der Stadt heraus erreicht. Sofort hatten die drei kräftigsten Frauen unter ihnen begonnen sich an der Tür zu versuchen. Alle anderen sicherten mit schussbereiten Bögen die Umgebung ab.
Die Tür hatte sich trotz großer Mühen kaum bewegt. Dabei knarrte und ächzte sie aber verräterisch leise in den Angeln, worauf eine der Kriegerinnen, namens Ruisa, diese mit Olivenöl behandelte.
Kurz darauf zerrten Veronika, Adriana und Ruisa grinsend beinahe lautlos die Tür auf. Vorsichtig traten sie in die Tür und suchten aufmerksam die Umgebung draußen vor der Stadt ab. Erst als sie der Meinung waren, dass die Luft rein sei gaben sie den anderen ein Zeichen ihnen vorsichtig zu folgen.
Die ganze Zeit über hatte derweil Adriana immer wieder voller Sorge zu ihren nach wie vor bewusstlosen Vater geschaut. Doch Alexander war glücklicherweise wenige Minuten später wieder zu sich gekommen, musste aber von zwei Kriegerinnen gestützt werden, weil er sich nicht ohne fremde Hilfe auf den Beinen halten konnte.
“Wo sind unsere Schwestern nur mit den Pferden?”, wisperte Veronika irritiert, die den Horizont mit konzentrierten Blicken nach ein Zeichen ihrer beiden Kriegerinnen abgesucht hatte.
Denn die Zeit drängte, da ihnen vor wenigen Minuten erst der Atem gestockt hatte als sie die vielen Soldaten bemerkt hatten die unterwegs vor der Stadt waren. Was die Gruppe noch nicht wusste, war dass man ihre beiden Gefährtinnen aufgegriffen hatte.
Nach einer sorgfältigen Suche und der Rückverfolgung der Spuren hatte Ruisa die Pferde schließlich entdeckt. Diese waren gerade noch rechtzeitig von den beiden jungen Amazonen versteckt worden, ehe sie gefangengenommen wurden.
Auf Grund dieses Indizes war allen klar, dass die beiden sich in den Händen des Feindes befinden mussten.
Somit war die Gruppe um Adriana vor die schwere Wahl gestellt, sie könnten sich in Sicherheit und die beiden jungen Frauen in den Händen der Feinde zurücklassen. Aber es lag an der Prinzessin der Amazonen die Entscheidung zu treffen. Veronika war hin- und hergerissen, denn ihr stand zum einen nicht danach die zwei in Stich zu lassen, oder ihr Opfer zu missachten.
Doch es hatte bereits begonnen zu dämmern und ein neuer Tag kündigte sich an. Dies würde eine erfolgreiche Flucht sehr erschweren, weshalb sich die Flüchtigen im tiefsten Dickicht verborgen hielten.
Schließlich ging auch die Sonne auf. Im Tageslicht konnten sie die Anzahl ihrer Verfolger viel deutlicher erkennen.
Mit dem Wissen das die Suche nach den Gesuchten zu lange dauern würde, änderten die führenden Männer der Stadt, zu denen auch Agamon und Rufus gehörten ihre Taktik. Sie führten Vivien und Lalila vor, denen man die Hände auf den Rücken gefesselt hatte.
Mit roher Gewalt zwangen die Männer die beiden jungen Frauen auf die Knie.
“Was haben die nur mit den beiden vor?”, fragte Adriana entsetzt flüsternd.
Obwohl Alexander schwer mitgenommen von den Misshandlungen war, konnte er auf dem Pferd kauernd alles gut genug erkennen, und murmelte: “Das sind ja noch Mädchen. Und in ihrer Aufwartung noch keine vollwertigen aufgenommenen Kriegerinnen…”
“So ist es”, bestätigte Adriana, “denn beide sind Jägerinnen und Kundschafterinnen.”
Das es sich um eine Provokation handelte, und dem Zweck dienen sollte sie aus dem Versteck herauszulocken war Veronika sofort klar, weswegen sie geduldig abwartete.
Rufus hatte genug vom Warten gehabt, deshalb war er vorgetreten. Mit verächtlichen Blicken maß er die beiden Gefangenen vor sich, die immer noch gedemütigt in Sand und Staub niederknien mussten.
“Adriana! Wir wissen das deine Bande von Verbrecherinnen und Alexander, der Verräter immer noch hier in der Nähe sind! Kommt heraus und ergebt euch, sonst werden die beiden hier sterben!”, schrie Rufus hasserfüllt. Während er diese Worte laut aus sich herausrief, hatte er ein Messer gezogen und war hinter Lalila getreten, um seiner Drohung sofort den nötigen Nachdruck zu verleihen.
“Das wagt der Bursche nicht. Diese Tat wäre mehr als nur feige”, bemerkte eine Kriegerin namens Layla im Flüsterton, die neben Veronika stand. Doch die Prinzessin war sich da nicht so sicher, denn sie überlegte fieberhaft wie sie ihren Gefährtinnen helfen könnte.
Die Provokationen der Soldaten der Hauptstadt und der nahegelegenen Garnison gingen indessen ohne Pause weiter. Aber die erhoffte Reaktion blieb aus.
“Na schön”, murmelte Rufus, der Lalila schließlich an den Haaren gepackt hatte und noch einmal mit seinen Augen aufblickte und den Horizont absuchte. Doch als er sah dass nichts passieren würde, flüsterte er verächtlich: “Anscheinend bedeutest Du deinen Freunden nichts!” - während er der wehrlosen jungen Amazone die Kehle durchschnitt.
Von dieser Tat waren nicht gerade wenige Leute entsetzt, denn die Soldaten der Stadt darunter auch sein eigener Vater, die eines wussten, nämlich dass die Amazonen diesen gerade ausgeübten kaltblütigen Mord mit voller Härte rächen würden.
Voller Abscheu hielt sich Adriana den Mund zu, während sich die Amazonen um Veronika bereits zum Kampf rüsteten.
Gemeinsam verließen kurz darauf die beiden Blutsschwestern ihr Versteck, wobei sie auch mit lauter Stimme synchron: “Halt!”- riefen. Dies geschah genau zu dem Zeitpunkt, als Rufus auch schon Vivien an den Haaren gepackt hatte.
“Wenn du unserer Schwester Vivien auch nur ein weiteres kleines Haar krümmst und nicht von ihr ablässt, dann stirbst du genau dort wo du jetzt stehst!”, warnte Veronika laut rufend an die Adresse von Rufus.
Die Amazone stand dabei bereits mit gespannten Bogen neben Adriana.
Der kaltblütige Mörder von Lalila erwiderte daraufhin spottend: “Und wie willst Du diese Drohung in die Tat umsetzen?” Er lachte kurz hämisch belustigt auf.
Die Distanz zwischen ihnen betrug etwas mehr als 100 Meter. Schließlich küsste Rufus Vivien auch noch kurz auf die Stirn, um seine Verachtung abermals für die Amazonen auszudrücken. Die gefangene Amazone hatte Tränen in den Augen, zum einen weil ihre Gefährtin so grauenhaft hatte sterben müssen, und zum anderen weil ihre Prinzessin sie nicht aufgeben und ebenfalls noch verlieren wollte.
Und dann endlich machte Rufus eine Bewegung, die der Anführerin der Amazonen verriet dass die Warnung klar missachtet werden würde. Aber Veronika hatte eh vorgehabt Rufus für den feigen Mord an Lalila zu bestrafen, denn sie hatte vor ihn deswegen zu töten.
Ohne einen Kommentar entließ die Amazonenprinzessin mit einem ausdruckslosen Ausdruck im Gesicht den Pfeil, welcher auf den jungen Mann zuflog.
Besser hätte Veronika auf diese große Entfernung auf ihren Gegner nicht zielen können, denn der Pfeil hatte Rufus mitten ins Herz getroffen. Sie war eben die perfekte Meisterin mit den Bogen. Es gab nur wenige Amazonen und auch Adriana, die ihr das Wasser in dieser Disziplin reichen konnten.
Voller kommen unerwartet für die Soldaten der Stadt, brachen im wilden Galopp zwei schwer gepanzerte Kriegerinnen auf ihren Pferden vor um Vivien zu retten und den Körper von Lalila zu bergen. Dies war aber auch nur gelungen weil die Verteidiger der Stadt zu sehr unter Schock standen, deshalb hatten auch die eigenen Bogenschützen zu spät reagiert.
Voller Schmerz war Agamon neben seinen bereits toten Sohn in die Knie´ gegangen, und versprach: “Nein! Ich werde deinen Tod rächen, mein lieber Sohn! O Rufus!”
Kurz darauf hatte er sich bereits wieder erhoben und ging auf Adriana und Veronika zu, hatte aber angewiesen nicht begleitet werden zu wollen. Als er die Entfernung zu den beiden jungen Frauen in etwa zur Hälfte zurückgelegt hatte, rief er voller Wut: “Alexander! Ich werde alles was Dein ist - vernichten! Dich und Deine gesamte Familie! Beginnen werde ich mit Dir, und dieses Weibsstück welches Du als Tochter angenommen hast… dieses Hurenbalg… schicke ich Dir in die Unterwelt hinterher! Tritt also hervor Alexander, damit ich mit meiner Rache an Deinem Hause beginnen kann!”
Aus seinem Versteck heraus konnte Eremitias dies alles dank seiner Fähigkeiten alles gut verfolgen, ließ aber die Soldatinnen und Soldaten der Leibgarde der Orici, die er aus ihrem jahrelangen Schlaf wieder erweckt hatte, immer noch nicht eingreifen.
Doch bevor Alexander den schwerwiegenden Fehler begehen konnte sich aus der Deckung zu wagen, hatte schon längst Adriana das Wort ergriffen und rief wütend Agamon zu: “Ihr wollt euch also an einem wehrlosen misshandelten Mann vergreifen, genauso wie Rufus ein gefesseltes Mädchen ermordet hat!”
Wütend hatte sie bereits ihren Bogen und den Köcher an ihre beste Freundin in die Hände gegeben, bevor sie einige Schritte auf ihren Feind zugegangen war.
“Wie kannst Du dies nur wagen, mich und meinen toten Sohn zu beleidigen? So ein verfluchtes Miststück!”, knurrte der alte Kaufmann, der einst in seiner Jugend ein guter Soldat gewesen war.
“Ich fordere Euch dennoch zu einem Zweikampf heraus! Oder traut ihr euch etwa nicht zu es mit einem Mädchen aufzunehmen, welches nicht gefesselt ist?”
“Lachhaft. Hast Du etwa das Gesetz vergessen? Nur jemanden von edlem Blute ist es gestattet sich mit seinesgleichen zu messen, oder gar herauszufordern!”
“Dann ist diese Regel erfüllt. Denn ich bin Adriana, die Tochter der Orici Adria, welche das verheißene Kind der Ori, der wahren Götter ist! Also solltet Ihr und auch alle anderen viel besser niederknien und um Gnade ersuchen, anstatt meiner Familie und meinen Freunden zu drohen, sowie mich und meine Herkunft zu beleidigen!”
“Habt ihr das gehört, meine Freunde? Jetzt behauptet sie auch noch göttlicher Herkunft zu sein. Für diese hohe Anmaßung wirst du heute noch sterben, du niederträchtige Göre. Denn in nur wenigen Minuten wirst du einen Kopf kürzer sein, und danach sterben deine Familie und Freunde. Eure Leichen werden den Tieren des Feldes und der Lüfte zum Fraß dienen!”, orakelte Agamon voller Grimm und Hass im Herzen, der somit mit jenen Worten auf die ausgesprochene Herausforderung einging. Was aber auch daran lag, dass er durch den Verlust seines Sohnes geblendet war.
Auf einen der zahlreichen Hügel stand der Prior, der zufrieden: “Sehr gut gesprochen, Tochter meiner Gebieterin. Bald ist es soweit und der Glaube an den Pfad des Ursprungs wird auch hier auf diesen Kontinent Fuß fassen, sobald du und dein Heer den Sieg über diese Geblendeten errungen haben, denn sie sind voller Hochmut und werden zu Staub zerfallen.” - murmelte. Auch sah er nur allein die Streitmacht der Amazonen, das sich noch hinter den Anhöhen verborgen hielt.
Mit versteinerten Mienen waren beide, Adriana und Agamon, derweil weiter aufeinander zugegangen. Erst als sie nur noch eine Distanz von etwa zehn Metern voneinander trennte, blieben sie erneut stehen.
“Du hättest bloß meinen Sohn Rufus heiraten brauchen, dann wäre all dies hier nicht geschehen und wir würden hier nicht uns gegenüberstehen… Doch nun jetzt wirst du schon sehr bald sterben, wie dann dein Vater und deine übrige Familie. Das Heer da hinter mir wird sich um die Amazonen kümmern und niedermachen”, erklärte der alte Mann, der kurz hinter sich gedeutet hatte und in derselben Bewegung seinen guten Schutzschild achtlos auf den Boden fallen ließ. Erst danach zog er sein Schwert.
“Da dies leider wahr ist - werde ich euch leider töten müssen, Agamon. Denn es wäre für wahr für jeden den ich liebe zu gefährlich euch am Leben zu lassen”, seufzte Adriana, die ihr Schwert bereits in der rechten Hand hielt, aber ebenfalls auf den Schutzschild verzichtete, indem sie ihn auf den Boden hinter sich ablegte.
Diese Vorgehensweise und Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, denn gereizt bellte jener zurück: “Du Närrin! Ohne einen Schild ist Dir der sichere Tod gewiss!”
Kaum hatte er den Satz beendet, stürmte er mit einem entschlossenen Kampfschrei auf seine Rivalin zu.
Geschickt und auch geschmeidig wich die junge Frau ihrem Angreifer aus. Sie hatte gewartet bis jener dicht vor ihr war, so stürmte Agamon ins Leere.
Dessen wütenden Schwerthieben wich sie immer noch aus, da es ihr erster Kampf mit dem Schwert überhaupt war. Einerseits hatte sie auf den Schild verzichtet, was unter umständen tödlich sein könnte, doch andererseits hatte sie somit beide Hände frei.
Schon nach wenigen Versuchen änderte ihr Gegner seine Taktik. Agamon war im Kampf mit dem Speer und Schwert, aber auch mit der Streitaxt geübt, und hatte dank seines Könnens und Körperkraft so einige Duelle und auch Schlachten meist stets ohne große Verwundungen überstanden.
Deswegen konnte Adriana nur hoffen ihn mit ihren schnellen Bewegungen irgendwie zu ermüden. Dies schien bislang unmöglich, denn ihr Widersacher war trotz seines Alters in einer nach wie vor hervorragenden körperlichen Verfassung.
Dann nach einigen weiteren Minuten ihres Zweikampfes passierte es: Adriana hatte sich übel verschätzt, wodurch Agamon eine gute Chance sah dieses Duell auf Leben und Tod zu seinem Gunsten zu entscheiden. Doch wie war es dazu gekommen? Zum allerersten Mal hatte die junge Frau sich für eine Angriffsaktion entschieden, aber dabei ihre eigene Stosskraft schwer unterschätzt. Sie geriet unglücklich ins Straucheln, was dazu führte das alle auf beiden Seiten den Atem anhielten. Adriana spürte den harten Schlag des gegnerischen Schwertes zu allererst in den Rücken, der dank des Rückenpanzers keinen gesundheitlichen Schaden verursacht hatte. Aber sie musste noch einen schnellen weiteren, aber weniger heftigen gegen ihr linkes Bein hinnehmen. Sofort spürte sie den brennenden Schmerz an jenem Bein, welches böse zu bluten begann.
Diese beiden Schläge brachten sie also zu Boden. Hingegen schaffte sie es aber soeben noch im letzten Moment sich auf den Rücken zu drehen, und mit einem wütenden Aufschrei einen weiteren Hieb mit ihrem eigenen Schwert zu parieren. Doch ein weiterer noch härterer Schlag war zuviel, denn ihr eigenes glitt ihr aus der Hand.
Voller Angst blickte Adriana nach oben zu Agamon, welcher die Spitze seines Schwertes an ihre Kehle hielt, und spöttisch lachte und geiferte: “Hast länger durchgehalten als ich gedacht hätte. Doch nun kommt für dich die größte Schmach, denn ich werde dich mit meinem Schwert auf den Boden hier spießen und mit deinem eigenen enthaupten…”
Noch während er sprach, hatte der alte Haudegen schnell und kurz ausgeholt um seine Ankündigung in die Tat umzusetzen. Die Spitze seines Schwertes fuhr auf Region kurz unter ihrer Brust nieder - federte aber vollkommen unerwartet aus seiner Sicht so heftig am Brustpanzer von der Rüstung Adrianas ab, dass Agamon durch jene Wucht ein paar Meter weit weggeschleudert wurde und hart zu Boden ging. Davon war er so benommen, dass er eine zeitlang regungslos liegen blieb.
Dies lag daran dass die komplette Rüstung seiner Gegnerin aus einem besonderen Metall gefertigt worden war, wie auch der Dolch und das Schwert.
In ihrer ungünstigen Lage hatte Adriana in ihrer Verzweiflung aber hervorragend reagiert, und unbemerkt von ihrem Gegner schon bereits kurz nach dem Verlust des Schwertes, das ihr aus der rechten Hand entglitten war ihren Dolch gezogen.
Agamon hatte sich bereits mit einem fluchenden Schimpfen bereits wieder erhoben und war kurz davor wieder auf seine Gegnerin loszustürmen. Aber die junge Frau reagierte wieder gut, denn sie schleuderte ihre einzige verbliebene Waffe dem Mann entgegen.
Ohne Probleme durchdrang der Dolch von Adriana den harten ledernen Panzer von Agamon in der Höhe des Bauches.
“Du verdammtes elendiges Miststück!”, röchelte er fluchend schwer getroffen. Seine Angriffsbewegung war somit verzögert worden, was der jungen Frau ermöglichte wieder ihr Schwert in die Hände zu nehmen.
Beide waren somit verwundet. Adriana hatte einen leichten Schnitt am Oberschenkel, und Agamon eine tiefe Stichwunde im Bauch, die übel zu bluten begonnen hatte nachdem er den Dolch entfernt und wütend in Richtung seiner Gegnerin geschleudert, aber knapp verfehlt hatte. Schnell hatte sich die junge Frau gebückt und diese Waffe wieder sicher in der Scheide verwahrt.
Überraschenderweise hatte sie solange gewartet bis ihr Todfeind ebenfalls sein Schwert wieder in den Händen hielt, nachdem er es nach der Attacke von Adriana hatte fallen lassen.
Der alte Mann wusste dass er die junge Frau so schnell wie nur möglich bezwingen musste, denn sonst würde er diese Auseinandersetzung nicht überleben können. Er spürte regelrecht wie das warme Blut seinen Körper verließ.
Durch diese schwere Verwundung des Feindes sah sich Adriana im Vorteil, worauf sie ihre wirkliche zweite Offensivaktion folgen ließ. Sie hatte gewartet bis Agamon seinen Hieb gesetzt hatte, ehe sie sich schnell halb um ihre eigene Achse gedreht hatte, mit einem kräftigen Schlag mit ihrem Schwert das von ihren Gegner zerschlug. Dabei bewegte sich aber die junge Frau so schnell und fließend, dass sie es zunächst gar nicht bemerkte, sondern abermals ausholte und mit aller Kraft zugestochen hatte.
Agamon sah kurz an sich hinab, und sah das Schwert seiner Feindin seinen eigenen Leib durchbohrt hatte, denn jene Stand nur etwa einen halben Meter von ihm entfernt.
Aus dem Mund blutend war er schließlich auf die Knie gesunken, musterte die junge Frau kurz und murmelte dann mit einem leisen Seufzen fragend: “Wieso hat dein Brustpanzer keinerlei Kratzer?”
“Weil die Ori mich schützen. Und der Schnitt an meinem linken Bein wird schon sehr bald verheilt sein”, antwortete Adriana, die ihr Schwert dann langsam aus Agamon herauszog, welcher kurz darauf auf die linke Seite kippte und seine Seele aushauchte.
Diesen Ausgang des Zweikampfes wollten die Soldaten von Capripolia nicht akzeptieren. Daher stürmte das Heer auf Adriana zu, die schnell zu ihren Schutzschild eilte und jenen seinem Zwecke entsprechend verwendete. Sie blieb ohne weitere Wunden als ein böser Pfeilhagel auf sie herniederging.
Aber auch ihre Angreifer wurden von einem solchen begrüßt, denn das auf der Lauer liegende Heer der Amazonen griff ein.
“Los Soldatinnen und Soldaten der Ori - vernichtet die Feinde der Tochter der Orici!”, befahl Eremitias den bereitstehenden 24 Frauen und Männern der Leibgarde seiner Gebieterin, die sich ebenfalls nun in den Kampf einschalten durften.
Eine heftige Schlacht vor der freien Fläche von Capripolis entbrannt. In erster Linie wurde eine sichtlich erstaunte Adriana von den Soldaten der Leibgarde zuerst abgeschirmt, was ihr den Rückzug vom Schlachtfeld ermöglichte. Eine Phalanx von 8 von ihnen blieb zu ihren Schutze bei ihr, was es Adriana endlich ermöglicht hatte vom Heilelixier zu trinken, während die anderen Gardisten mit aller Kraft die Amazonen unterstützten.
Dem vollkommen überraschenden Angriff der beiden Streitkräfte konnten die Verteidiger so gut wie nichts entgegensetzen, weil die Leibgarde der Orici ihre Stabwaffen mit tödlicher Präzision einzusetzen wussten.
Viele der Krieger von Capripolia flohen zurück in die Stadt. Aber ihre Verfolger setzten ihnen sofort nach. Ihre Verfolger drangen erfolgreich in die Stadt ein, und plünderten dann noch viele Bezirke der Hauptstadt aus.
Mit reicher Beute zogen die Amazonen gemeinsam mit den Soldatinnen und Soldaten der Ori wieder ab.
Einer der überlebenden Senatoren des Königreiches Capripolia stöhnte in der Nacht vor dem Tempeln klagend: “Heute haben wir Phobos erfahren! Weh uns, wenn diese junge Kriegerin wiederkehrt! Weh uns! Helft uns Götter, sonst sind wir verloren!”
