Aus den Aufzeichnungen des Rodders McKay
#2
1. September 1859


Doktor Brown ist eine Frau! Zalenka hätte mich ruhig mal vorwarnen können! Was noch schlimmer ist: Kathie, so heißt sie, ist Botanikerin! Ein völlig überbewertetes Feld der modernen Wissenschaften wenn man mich fragen würde. Ich hoffe sie will nicht die gesamte Reise über ihre Blumen und Kakteen reden, wenn uns die normalen Gesprächsthemen ausgehen.

Heute haben wir ein gutes Stück des Weges hinter uns gebracht. Mehr als ich für möglich gehalten hatte. Momentan sitzen wir am Lagerfeuer, essen ein richtiges Cowboy-Essen und sehen unseren Pferden zu, die sich für die Anstrengungen des Tages an einem kühlen Wasserlauf belohnen. Die Zelte sind aufgestellt und wir werden unter einem sternenklaren Himmel eine ruhige Nacht verbringen. Zumindest hoffe ich das. Katy macht einen etwas verängstigten Eindruck, was bedeutet, dass ich heute Nacht den starken Sheriff in mir aktiviere und die ganze Zeit hindurch Nachtwache halten werde.

Niemand wird es wagen uns ein Haar zu krümmen oder er/sie/es wird beim Versuch daran kläglich scheitern.

R.M.M.




2. September 1859


Dieser Rodders ist wirklich ein seltsamer Bursche. Wir sind uns in Saint Lantus ja schon des öfteren in der dortigen Bar über den Weg gelaufen, aber richtig Kontakt hatte ich bisher noch nicht zu ihm.

Recht weit sind wir gestern leider nicht gekommen, was größtenteils an Rodders Reittier Sheppard liegt. Es handelt sich dabei um einen Maulesel. Der Name stammt wohl von einem Erdferkel, welches er mal besessen hat. Zumindest hat er mir das auf unserem gestrigen Reiseweg erzählt.
Dreimal.

Nachdem wir unsere Tagesroute beendeten, ich Feuer gemacht und Abendessen gekocht hatte (Bohnen, was Rodders mit einem Stöhnen quittierte), schlugen wir unsere Zelte auf. Rodders zog um seins noch einen Ring aus Stacheldraht (gegen wilde Kojoten und Löwen, wie er mich aufklärte) und einen aus Salz (gegen Poltergeister). Danach konnte ich die ganze Nacht kein Auge zu tun. Nicht wegen den Ausgeburten von Rodders Fantasie, sondern seinem lauten und ununterbrochenen Schnarchens, welches meiner Meinung nach schon ausreicht, um jedes Tier und jeden Geist im Umkreis einer Meile auf Distanz zu halten.

In wenigen Minuten setzen wir unsere Reise fort. Während ich diese Zeilen schreibe, versucht Rodders unter lautem Fluchen den Stacheldraht wieder in seinem Rucksack zu verstauen. Ich hoffe auf einen etwas entspannteren Tag als den gestrigen.


[Aus: K. Brown: Reisetagebuch einer Botanikerin – Zwischen Alaska und Mexiko Band III; 45. Auflage, S.227]
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RE: Aus den Aufzeichnungen des Rodders McKay - von Redlum - 16.03.2026, 19:37

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