19.03.2026, 18:53
7. September 1859
Wir haben uns hoffnungslos verlaufen! Wir werden sterben, verdursten und verhungern! Hilfe!!!
R.M.M.
7. September 1859
Ich bin zuversichtlich. Nachdem ich jetzt seit zwei Tagen die Führung übernommen, mich tagsüber an Hand der Sonne und dem Moos an den Bäumen orientiert habe und des Nachts an den Sternen, haben wir nun endlich wieder einen Landstrich erreicht, der auch auf unserer Karte verzeichnet ist.
Desweiteren bedeutet es gleichzeitig auch bald Abschied zu nehmen, denn mein und Rodders Weg werden sich morgen trennen. Ob ich mich wieder mit dem alleine reisen anfreunden kann? Ich gebe zu ich habe mich schon sehr an Rodders Anwesenheit gewöhnt. Sein ständiges meckern über das Essen, sein während des Reitens dahin Gemurmel, welches kein gutes Haar an der Biologie lässt, seine Stacheldrahtmanie jeden Morgen und Abend und natürlich dieses unsägliche Schnarchen. Ja, er wird mir sehr fehlen. Haha, nein, das war natürlich ironisch gemeint ;-)
Drei Kreuze schlage ich, wenn ich endlich wieder alleine meiner Wege ziehen kann.
Jetzt heißt es erstmal ein letztes Mal Holz suchen, zu kochen und einen frisch gezogenen Salzkreis auf eventuelle Lücken zu untersuchen.
Ich bedauere jetzt schon die arme Seele, die das Schicksal ereilen wird, Rodders als nächstes über den Weg zu laufen. Aber ich habe dieses Martyrium dann Gott sei Dank hinter mir.
[Aus: K. Brown: Reisetagebuch einer Botanikerin – Zwischen Alaska und Mexiko Band III; 45. Auflage, S.235+236]
8. September 1859
Anscheinend haben wir uns doch nicht verlaufen. Unterbewusst muss ich uns an genau die Stelle geführt haben, die wir seit Tagen zu erreichen versuchten. Tja, da sage noch mal jemand, ein Rodders McKay habe keinen Orientierungssinn! In der größten Not schaltet mein Gehirn einfach auf Autopilot und die Sache ist geritzt.
Heute trennten sich die Wege von Kahti und mir. Ich habe ihr zwar angeboten mich auch weiterhin zu begleiten und von meinem schier unerschöpflichen Erfahrungsreichtum zu profitieren, aber was soll ich sagen? Frauen sind eben einfach irrational. Das Caty nicht ganz auf geistiger Höhe ist, zeigt sich nicht nur an der Tatsache, dass sie von allen Wissenschaften ausgerechnet etwas für die Biologie übrig hat, sondern dass sie bei unserer Trennung aus unerfindlichen Gründen drei Holzkreuze gebastelt und in den Boden geschlagen hat.
Wahrscheinlich ist es wirklich besser, wenn Sheppard und ich wieder alleine durch den Wilden Westen ziehen und für Recht und Ordnung sorgen.
R.M.M.

