Aus den Aufzeichnungen des Rodders McKay
#1
Titel: Aus den Aufzeichnungen des Rodders McKay
Kapitel: 8
Genre: Humor, AU
Anmerkung: Geschrieben wurde diese Fanfiction zum SG-P-ReverseBang 2015. Dabei erstellten FanArt-Künstler zunächst Kunstwerke, von denen sich im Anschluss Fanfiction-Autoren zu Geschichten inspirieren ließen. Diese FF entstand dabei zu folgendem FanArt von John's Chaya (Der Titel wurde später ergänzt):


   


Vorwort:

Der folgende Text geht zurück auf Teile von Aufzeichnungen eines gewissen Rodders McKay, einem Kanadier der sich Mitte des neunzehnten Jahrhunderts als Cowboy durch den Wilden Westen schlug. Diese wurden vor kurzem in dessen Hinterlassenschaften entdeckt.

Die hier von Rodders geschilderten Ereignisse konnten nicht auf ihre Echtheit verifiziert werden.

Es existieren Texte anderer Zeitzeugen, die sich aber nicht zwingend mit denen von Rodders decken. Wir haben diese, soweit möglich, den Aufzeichnungen hinzugefügt, damit sich der Leser selbst ein Bild davon machen kann, wie sich die Ereignisse vor eineinhalb Jahrhunderten wohl am wahrscheinlichsten zugetragen haben mögen.




1. September 1859


Die Stadt ist sicher. Vor fünf Monaten bin ich nach Saint Lantus gekommen und habe in der Zwischenzeit viel für die Sicherheit hier getan. Die Banditen sind vertrieben oder eingekerkert. Es ist kein Vergleich zu den Verhältnissen, welche hier bei meiner Ankunft geherrscht haben, aber mit viel Schweiß und einer flinken, zielsicheren rechten Hand, die schneller feuern kann als die linke, habe ich den Menschen hier ihre Lebensfreude zurückgegeben.

Gerne würde hier ich noch länger meiner Aufgabe nachgehen und die Einwohner in meiner Funktion als Sheriff beschützen und zur Seite stehen, aber ich bin nun mal der Beste und wenn die Bösen irgendwo anders ihre Schandtaten treiben, kann ich mich nicht einfach auf die faule Haut legen. Deswegen wird es langsam Zeit meine Revolver zu packen und mich mit Sheppard, so heißt mein edles Ross von reinrassiger Lippizanerherkunft, (benannt nach einem Erdferkel welches ich mal besaß) auf den Weg machen um mich in weitere waghalsige Abenteuer zu stürzen.

Es war ein schwerer Abschied. Besonders der Bürgermeister hier, Mister Zelekus, ein Nordeuropäer, ich glaube Russe, war schwer enttäuscht und hat mich auf Knien angefleht zu bleiben. Aber ich konnte ihm schließlich klar machen, dass auch andere Städte von meinem Heldenmut profitieren sollten und der Kampf gegen das Böse weiter geführt werden muss. Glücklicherweise hatte er schon einen Nachfolger im Blick, sodass ich die Stadt nicht völlig ungeschützt zurück lasse, auch wenn mir dieser nicht besonders fähig erscheint. Er heißt Roson, ist Franzose und macht einen etwas minderbemittelten Eindruck. Aber wie gesagt, viel zu tun gibt es hier ohnehin nicht mehr, nachdem ich das letzte halbe Jahr tüchtig aufgeräumt habe.

Zelenkus hat mir eine letzte Aufgabe anvertraut: Ein Doktor Brown tritt heute ebenfalls den Weg gen Süden an. Ich soll für sicheres Geleit sorgen, solange sich unsere Wege überschneiden. Während ich das schreibe, höre ich Schritte. Ich denke, dass das Doktor Brown ist. Sheppard ist gesattelt und schart schon ungeduldig mit den Hufen. Damit können wir nun schweren Herzens aufbrechen.

Saint Lantus wird für immer in meinem Herzen bleiben.

R.M.M.




1. September 1859


Endlich. Nach Monaten habe ich unseren selbsternannten „Sheriff“ endlich dazu bekommen die Stadt zu verlassen. Es hat viel guten Zuredens gebraucht, bis Rodders endlich bereit war seine Sachen zu packen. Es war ein großer Fehler ihn überhaupt einzustellen. Außer am Essen rumzumekeln hat er nicht viel zustande gebracht.
Einen Nachfolger habe ich bereits eingestellt. Nicht dass wir auf die Schnelle einen brauchen würden. Nachdem uns während Rodders Dienstzeit schon alles wertvolle geklaut wurde, machen die Halunken einen weiten Bogen um Saint Lantus. Aber unter dem wachsamen Auge von Rouson fühlen sich die Einwohner doch etwas sicherer.

Wie vermisse ich in solchen Momenten mein kleines tschechisches Heimatdorf und meine Taubenzucht.

Katie Brown verlässt uns ebenfalls, sie will ihre Eltern im Süden der USA besuchen. Ich bat sie ein paar Tage früher als geplant aufzubrechen, das erste Stück zusammen mit Rodders zu reisen und ein wenig auf ihn acht zu geben. Nicht dass er noch einen dummen Tod innerhalb unserer Gemeindegrenzen stirbt. Das wäre das Letzte was wir brauchen können.

Ansonsten sehe ich jetzt wieder froh Gemut in die Zukunft.


R.Z.
1. Bürgermeister von Saint Lantus


[Aus: Saint Lantus – 1859; S.359]
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#2
1. September 1859


Doktor Brown ist eine Frau! Zalenka hätte mich ruhig mal vorwarnen können! Was noch schlimmer ist: Kathie, so heißt sie, ist Botanikerin! Ein völlig überbewertetes Feld der modernen Wissenschaften wenn man mich fragen würde. Ich hoffe sie will nicht die gesamte Reise über ihre Blumen und Kakteen reden, wenn uns die normalen Gesprächsthemen ausgehen.

Heute haben wir ein gutes Stück des Weges hinter uns gebracht. Mehr als ich für möglich gehalten hatte. Momentan sitzen wir am Lagerfeuer, essen ein richtiges Cowboy-Essen und sehen unseren Pferden zu, die sich für die Anstrengungen des Tages an einem kühlen Wasserlauf belohnen. Die Zelte sind aufgestellt und wir werden unter einem sternenklaren Himmel eine ruhige Nacht verbringen. Zumindest hoffe ich das. Katy macht einen etwas verängstigten Eindruck, was bedeutet, dass ich heute Nacht den starken Sheriff in mir aktiviere und die ganze Zeit hindurch Nachtwache halten werde.

Niemand wird es wagen uns ein Haar zu krümmen oder er/sie/es wird beim Versuch daran kläglich scheitern.

R.M.M.




2. September 1859


Dieser Rodders ist wirklich ein seltsamer Bursche. Wir sind uns in Saint Lantus ja schon des öfteren in der dortigen Bar über den Weg gelaufen, aber richtig Kontakt hatte ich bisher noch nicht zu ihm.

Recht weit sind wir gestern leider nicht gekommen, was größtenteils an Rodders Reittier Sheppard liegt. Es handelt sich dabei um einen Maulesel. Der Name stammt wohl von einem Erdferkel, welches er mal besessen hat. Zumindest hat er mir das auf unserem gestrigen Reiseweg erzählt.
Dreimal.

Nachdem wir unsere Tagesroute beendeten, ich Feuer gemacht und Abendessen gekocht hatte (Bohnen, was Rodders mit einem Stöhnen quittierte), schlugen wir unsere Zelte auf. Rodders zog um seins noch einen Ring aus Stacheldraht (gegen wilde Kojoten und Löwen, wie er mich aufklärte) und einen aus Salz (gegen Poltergeister). Danach konnte ich die ganze Nacht kein Auge zu tun. Nicht wegen den Ausgeburten von Rodders Fantasie, sondern seinem lauten und ununterbrochenen Schnarchens, welches meiner Meinung nach schon ausreicht, um jedes Tier und jeden Geist im Umkreis einer Meile auf Distanz zu halten.

In wenigen Minuten setzen wir unsere Reise fort. Während ich diese Zeilen schreibe, versucht Rodders unter lautem Fluchen den Stacheldraht wieder in seinem Rucksack zu verstauen. Ich hoffe auf einen etwas entspannteren Tag als den gestrigen.


[Aus: K. Brown: Reisetagebuch einer Botanikerin – Zwischen Alaska und Mexiko Band III; 45. Auflage, S.227]
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#3
5. September 1859


Ich befürchte, wir haben uns verirrt. Rodders wollte unbedingt eine Abkürzung nehmen und hat es fertig gebracht uns in eine Gegend zu lotsen, in der ein Stein wie der nächste aussieht, keine Zivilisation weit und breit ist und in der weder Wegweisschilder aufgestellt sind noch unsere Karten etwas bringen. Natürlich gäbe es Möglichkeiten zur groben Orientierung, wie das Moos an den Bäumen, aber auf dem Ohr ist Rodders taub. Männer!

Aber zum Holzsuchen, Abendessen kochen und Heilpflanzen zu einer Paste zerreiben, damit er seine von Stacheldraht geschundenen Hände damit einreiben kann, bin ich dann wieder gut genug. Morgen werde ich die Richtung vorgeben! Und wenn Rodders mir nicht folgen will, ist das sein Problem.


[Aus: K. Brown: Reisetagebuch einer Botanikerin – Zwischen Alaska und Mexiko Band III; 45. Auflage, S.231]




5. September 1859


Frauen! Da nimmt man einmal eine Abkürzung und schon wird wild drauf losgemeckert, nur weil der Weg ein bisschen schmaler wird und das Pferd angeblich nicht genug Seitenfreiraum hat. Aber wo mein Lipizzaner durchkommt, hat ein gewöhnliches Pferd mindestens genausoviel Platz.

Überhaupt bin ich hier der ehemalige Sheriff und kenne dieses Gebiet ja wohl wie meine Westentasche. Schlupfwege inklusive. Da kann es schon mal vorkommen, dass nicht der geradeaus direkte Weg der kürzeste ist. Wer hat noch nicht von zum Beispiel Wurmlöchern gehört, die eine extreme Abkürzung innerhalb der normalen Raumkoordinatenparameter darstellen und ähnlich funktionieren wie meine Abkürzungen? Nun, Khatie zum Beispiel …

Stattdessen begutachtet sie lieber Moos, welches an Baumstämmen wächst. Ich hoffe, sie denkt nicht darüber nach, es unserem Abendessen als gesunde Abrundung beizumengen. Man weiß ja wie Botaniker da sind. Und Frauen. Keine Ahnung welche Spezies da schlimmer ist, aber ich habe es ja sogar mit einer Kombination aus beidem zu tun.

Das Lager ist aufgeschlagen und ich richte mich seelisch darauf ein, die Nachtwache ein weiteres Mal zu übernehmen. Aber wenn man der einzige Mann hier weit und breit ist, ist es natürlich Ehrensache diese Ritterlichkeit dem schwachen Geschlecht gegenüber auszuüben.

R.M.M.




6. September 1859


Ich befürchte er ist weg. Seit Wochen versuche ich den Geist von Danielus Jackolonius aufzuspüren. Als ich ihn letzte Nacht endlich erblickte, setzte ein ausgesprochen markerschütterndes und lautes Geräusch ein, welches den blutrünstigen Herumtreiber sofort reißaus nehmen ließ. Alle Mühe umsonst, der ist jetzt mindestens zweihundert Meilen weg und treibt wo-auch-immer-er-jetzt-ist weiter sein Unwesen.

Würde mich nur interessieren was das für ein Geräusch war.
Ein Dämon? Der Chupacabra? Schnarchen?


[Aus dem Notizbuch von R. Winchester, S.86]
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#4
6. September 1859


Ich habe Cathie die Führung überlassen. Auf diese Weise fühlt sich sich wohler und ich habe ja sowieso immer und überall den vollen Durchblick, wo wir uns gerade befinden. Das mit dem „wohler fühlen“ habe ich bei Frauen schon des Öfteren beobachtet. Egal wie irrational das ist was sie begehren – wie zum Beispiel die Führungsrolle wenn sie mit einem Rodders McKay unterwegs sind – gib es ihnen und sie werden nicht so viel herum mäkeln, weil sie mit anderen Dingen beschäftigt sind.

Wie zum Beispiel den angeblich richtigen Weg suchen, den man eigentlich nie verlassen hat. Naja Frauen halt.

Wobei ich jetzt Gott sei Dank auch noch nicht allzu oft mit dieser seltsamen Laune der Natur zu tun hatte. Abgesehen von meiner Familie nur mit einer Psychologin, zu der mich meine Eltern schleppten, weil ich wohl in vielerlei Dingen etwas „auffällig“ war wie der Volksmund sagt, bzw. hochbegabt, wie der gebildete Mensch von heute weiß.

Noch des öfteren denke ich an Doktor Highmeier zurück, bei der ich einige Sitzungen hatte. Aber als gebildete Psychologin, die etwas von ihrem Fach versteht, war ihr natürlich sofort klar, dass sie es bei mir mit einem Genie zu tun hatte und wir hielten diese Treffen im Grunde nur ab (nicht dass wir jeweils darüber gesprochen hätten, aber das stille Einverständnis war spürbar), um meine Eltern zu beruhigen. Und meine Schwester. Ich glaube in Wahrheit steckte sie hinter alldem. Kommt bis heute einfach nicht damit zurecht, dass ich der Ältere, Stärkere, Klügere und Schönere von uns beiden bin.

R.M.M.




10. Juni 1832


Der Patient, nachfolgend als R. bezeichnet scheint Einzelgänger zu sein und über eine recht lebhafte Fantasie zu verfügen. Statt mit richtigen Freunden zu spielen, flüchtet er sich lieber in eine imaginäre Welt, in welcher er als großer Held zu Pferde die Menschheit rettet.
Begleitet wird er dabei von seinem besten und einzigen Freund Sheppard. Im realen Leben handelt es sich um ein Erdferkel, in seinen Fantasieereien um einen menschlichen Kompagnon. Schwarzhaarig, Bartträger, nicht ganz so wohlgenährt wie R., nicht ganz so heldenhaft wie R., nicht ganz so gut aussehend wie R. Auch nicht so wortgewandt, nicht so gut mit der Waffe, nicht ganz so intelligent und etwas schüchterner wenn es um Frauen geht. Ansonsten verstehen sie sich aber wohl recht gut, wenn sie sich auf ihren Edelrossen durch den Wilden Westen schlagen, während Adler über ihnen ihre Kreise ziehen.

Ich glaube mit R. werde ich noch so einige Sitzungen verbringen müssen.


[Aus einer der inzwischen freigegebenen Patientenakten von Doktor K. Heightmeyer-Lorne]¹



¹ Anm. d. Red.: Dieser Fall ging Dr. Heightmeyer-Lorne lange Zeit nicht aus dem Kopf und beschäftigte sie gedanklich noch weit über die Sitzungen hinaus weiter. Ihr Ehemann, welcher seines Zeichens Hobbymaler war, wurde durch ihre Besessenheit Jahre später zu einem Portrait inspiriert, welches wir mit dem Einverständnis seiner Nachfahren als Titelcover verwenden durften.
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#5
7. September 1859


Wir haben uns hoffnungslos verlaufen! Wir werden sterben, verdursten und verhungern! Hilfe!!!

R.M.M.




7. September 1859


Ich bin zuversichtlich. Nachdem ich jetzt seit zwei Tagen die Führung übernommen, mich tagsüber an Hand der Sonne und dem Moos an den Bäumen orientiert habe und des Nachts an den Sternen, haben wir nun endlich wieder einen Landstrich erreicht, der auch auf unserer Karte verzeichnet ist.

Desweiteren bedeutet es gleichzeitig auch bald Abschied zu nehmen, denn mein und Rodders Weg werden sich morgen trennen. Ob ich mich wieder mit dem alleine reisen anfreunden kann? Ich gebe zu ich habe mich schon sehr an Rodders Anwesenheit gewöhnt. Sein ständiges meckern über das Essen, sein während des Reitens dahin Gemurmel, welches kein gutes Haar an der Biologie lässt, seine Stacheldrahtmanie jeden Morgen und Abend und natürlich dieses unsägliche Schnarchen. Ja, er wird mir sehr fehlen. Haha, nein, das war natürlich ironisch gemeint ;-)

Drei Kreuze schlage ich, wenn ich endlich wieder alleine meiner Wege ziehen kann.

Jetzt heißt es erstmal ein letztes Mal Holz suchen, zu kochen und einen frisch gezogenen Salzkreis auf eventuelle Lücken zu untersuchen.

Ich bedauere jetzt schon die arme Seele, die das Schicksal ereilen wird, Rodders als nächstes über den Weg zu laufen. Aber ich habe dieses Martyrium dann Gott sei Dank hinter mir.


[Aus: K. Brown: Reisetagebuch einer Botanikerin – Zwischen Alaska und Mexiko Band III; 45. Auflage, S.235+236]




8. September 1859


Anscheinend haben wir uns doch nicht verlaufen. Unterbewusst muss ich uns an genau die Stelle geführt haben, die wir seit Tagen zu erreichen versuchten. Tja, da sage noch mal jemand, ein Rodders McKay habe keinen Orientierungssinn! In der größten Not schaltet mein Gehirn einfach auf Autopilot und die Sache ist geritzt.

Heute trennten sich die Wege von Kahti und mir. Ich habe ihr zwar angeboten mich auch weiterhin zu begleiten und von meinem schier unerschöpflichen Erfahrungsreichtum zu profitieren, aber was soll ich sagen? Frauen sind eben einfach irrational. Das Caty nicht ganz auf geistiger Höhe ist, zeigt sich nicht nur an der Tatsache, dass sie von allen Wissenschaften ausgerechnet etwas für die Biologie übrig hat, sondern dass sie bei unserer Trennung aus unerfindlichen Gründen drei Holzkreuze gebastelt und in den Boden geschlagen hat.

Wahrscheinlich ist es wirklich besser, wenn Sheppard und ich wieder alleine durch den Wilden Westen ziehen und für Recht und Ordnung sorgen.

R.M.M.
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#6
12. September 1859


Manchmal ist es wirklich traurig, wenn man sieht, wie wenig ein akademischer Titel heutzutage Wert ist. Gerade eben bin ich einem Gelehrten mit einem Dokortitel begegnet, der als Beruf ein kleines Klohäuschen mitten in der Steppe zwischen dem Staatsgebiet von Saint Lantus und dem Land der Indianer betreibt. Also wirklich mitten dazwischen im Nirgendwo! Kein Mensch weit und breit, bis auf gelegentlich Durchreisende wie mich.

Aber dafür hat er sein „Geschäftsgebäude“ wirklich sehr schön hergerichtet und mit viel Liebe ausgestattet. Wenn man die kleine Holzbude von außen sieht, denkt man gar nicht, wie schön es im Inneren ausschaut. Aber wie gesagt, er ist ja ein hochgebildeter Mann und weiß als solcher, dass in diesem kargen Gebiet ein guter Ruf und viele gute Empfehlungen das A und O sind, wenn man irgendwie über die Runden kommen will. Man braucht einfach etwas, was das eigene Klohäuschen von anderen unterscheidet und unverwechselbar macht.

Ich werde auf jeden Fall zukünftigen Reisebekanntschaften von ihm berichten und wärmstens weiterempfehlen.

Da fällt mir ein: Vielleicht sollte er in der Umgebung ein paar Hinweisschilder aufstellen. Bäume gibt es hier zwar nicht mehr im Überfluss, aber doch genügend, dass Ahnungslose an einem solchen Halt machen, ohne zu wissen, was vielleicht um den nächsten Busch für eine Alternative auf sie wartet. Ich war ja selbst überrascht, als ich plötzlich vor dem blauen Kasten stand.

Ja, Hinweisschilder müssten unbedingt her. Sollte ich dem netten Akademiker noch einmal begegnen, werde ich es ihm auf jeden Fall vorschlagen. Schließlich sollte jeder von der Weisheit eines Rodders McKay profitieren.

R.M.M.




12. September 1859


Ich habe ja schon vieles gehört. Der meist gesagteste Satz, wenn jemand den Kontrollraum betritt ist normalerweise: „Sie ist innen viel größer!“ Gefolgt von: „Sie ist außen viel kleiner!“ Was ich aber heute definitiv zum ersten Mal gehört habe war: „Sind die Herrentoiletten links oder rechts?“ Ich war so verdattert, dass ich im ersten Moment kein Wort herausbrachte und nur in die ungefähre Richtung deutete, da hatte ich auch schon die Zügel eines Maulesels in der Hand und die Versicherung, dass der Hereinsparzierte gleich wieder komme.

Ein komischer Kauz. Wohl ein Sheriff hier mit Namen McKay. Hat sich dann noch eine Zeit mit mir über die Möglichkeit nachhaltig kompostierbarer Darmendprodukte als erweiterten Geschäftszweig unterhalten. Ich glaube ich mache zukünftig einen weiten Bogen um dieses Gebiet zu dieser Zeit.


[Aus dem Logbuch der TARDIS]
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#7
An diese tollen Geschichten/Aufzeichnungen kann ich mich noch erinnern. Schön, mal wieder reinzulesen, zu was meine FanArt dich inspiriert hat. Hat mir immer noch sehr gefallen. Smile Alle meine Arbeiten sind auf dem alten Desktop PC, der den Geist aufgegeben hat. Alle mühevollen Arbeiten sind weg.  Sad  Es ist schön, wenigstens eine mal wieder zu sehen. Ich konnte nur einzelne Avas und Signaturen retten, die ich zwischenzeitlich von hier auf das Tablet runtergeladen hatte. 
Danke für's erinnern, an eine wunderschöne Zeit hier im Forum und deiner tollen Aufzeichnungen.  Smile
Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein!
(Johann Wolfgang von Goethe)
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#8
Das ist ja blöd :/
Aber dann freut es mich, dass ich zumindest ein FanArt von dir ins neue Forum retten konnte (ich habe aber ehrlich gesagt auch ziemlich lange erfolglos in sämtlichen Ordnern auf meiner Festplatte gesucht, bis ich schließlich auf die Idee gekommen bin mal in meine alten Mails zu schauen - und Tada! Da war tatsächlich noch die Mail mit der du es mir damals geschickt hattest Smile).
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#9
18. September 1859


Nach Tagen der einsamen Reise habe ich nun endlich wieder eine Ansammlung von menschlichem Leben gefunden. Eine Ansiedlung von amerikanischen Ureinwohnern, im Volksmund auch Indianer genannt. Sie sind etwas zurückgeblieben in ihrer Lebensweise, aber dafür dürfen sie sich jetzt umso glücklicher schätzen von dem grenzenlosen Wissenschatz des Rodders McKay profitieren zu können. Unter meiner wissenschaftlichen Federführung wird die Nation amerikanischer Ureinwohner sich zu einem Leuchtfeuer menschlichen Wissens emporschwingen und den Platz lange beibehalten.

In einer halben Stunde habe ich ein Treffen mit dem Häuptling des Stammes, Junger Trinker. Ich bin mir sicher wir werden eine gemeinsame Basis finden und man wird mich mit Freuden den Stamm zu ihren Glanzzeiten leiten lassen.

R.M.M.




18. September 1859


Nachdem ich ein sehr kontraproduktives Gespräch mit unserem neuesten Gast hatte, habe ich mit meinen beiden Beratern, unseren Schamanen Rusher Wissen und dem Kampfführer Tee-Alk einen kleinen Kriegsrat gehalten. Bleichgesicht Rodders strotzt vor Tatendrang, ist in unserem Stamm aber recht unpassend aufgehoben. Die weißen Leute werden uns Rothäute nie wirklich verstehen. Wir haben beschlossen, dass Rodders bei einem Sonderling unserer Gesellschaft wohl besser aufgehoben ist als bei uns und dort vielleicht sogar ein recht schönes neues Zuhause finden kann.

Tee-Alk wird sich morgen mit ihm auf die eintägige Reise begeben. Möge unser Stammesgott Dunkles Schicksal mit ihnen sein.


[Aus den Übersetzungen der Aufzeichnungen des Indianerhäuptlings Younger Trinker]




19. September 1859


Anscheinend sind die amerikanischen Ureinwohner von mir und meinem Wissen begeistert. Allerdings haben sie mir den Vorschlag unterbreitet, dass ich mein geistiges Erbe zunächst mit jemandem teile der es noch dringender benötigt als sie. Bescheiden und Intelligent, dass kann man von vielen anderen, denen ich auf meiner Reise bisher begegnet bin leider nicht sagen.

Nun, auf jeden Fall bin ich mit Ti-Kalk aufgebrochen, der mich zum nächsten Etappenziel meiner Reise bringt. Ich bin gespannt, denn es könnte sein, dass ich dort für einige Zeit tatsächlich wieder sesshaft werde.

Mein Begleiter ist eher einer von der stillen Sorte. Oder – was ich eigentlich als nicht ganz ausgeschlossen halte – will er auf unserer kurzen Reise von möglichst viel meines Wissens profitieren. Habe ich schon erwähnt wie intelligent diese Indianer sind? Ich tue mein Bestes, ihn mit so viel Wissen zu versorgen wie nur irgend möglich. Das bin ich Te-Alt auf jeden Fall schuldig.

R.M.M.




19. September 1859


Die Ohren mit Grasmatsch verschließen. War das die beste Idee auf dieser Reise? In der Tat.


[Aus den Übersetzungen der Aufzeichnungen des Indianerkriegers Tee-Alk]
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#10
21. September 1859


Wir haben länger gebraucht als die veranschlagte Eintagesreise. Woran Rodders Sheppard nicht ganz unschuldig ist. Aber egal. Rodders ist abgeliefert. Unser Problem ist er damit nicht mehr und er hat es, glaube ich, ganz gut getroffen, da wo er gelandet ist. Passen die beiden gut zusammen? In der Tat, das tun sie.


[Aus den Übersetzungen der Aufzeichnungen des Indianerkriegers Tee-Alk]




21. September 1859


Ich bin hier in einer Art Pension gelandet. Ein großes Anwesen, geleitet von einem Ureinwohner, der eigentlich recht nett zu sein scheint. Zumindest ist er hell auf begeistert von meinen Talenten, meinem Wissen, meinen Verbesserungsvorschlägen. Kochen kann er auch ganz passabel, ich glaube hier kann ich für einige Zeit meine Zelte aufschlagen – wobei Zelte aufschlagen natürlich metaphorisch gemeint ist, schließlich gibt es hier auch richtige Betten.

Wir verstehen uns außergewöhnlich gut. Ich glaube mit meinem neuen Bruder im Geiste (wir könnten auch schon Blutsbrüder sein, aber wir waren uns einig, dass da zu viel Blut im Spiel ist) werden wir aus dieser Ranch etwas machen, woran sich zukünftige Genrationen noch lange erinnern werden.

Auch Sheppard hat mit dem Reittier meines neuen Geistesbruders endlich die Liebe für's Leben gefunden wie es scheint. Zumindest verstehen die beiden Pferde sich recht gut. Ich muss Schluss machen, das Abendessen ist gleich fertig.

R.M.M.




21. September 1859


Da hat mir Tee-Alk ja einen netten Mitbewohner beschert. Wohlgenährt, gebildet und endlich jemand der genau so wie ich sieht, wie wichtig es ist seinen Körper zu pflegen. Nicht so Rowdys wie mein Zwillingsbruder und dessen Blutsbruder hier immer anschleppen und die dann alles kurz und klein schießen.

Auch Rodders Sheppard ist einfach entzückend und versteht sich ausgesprochen gut mit meiner Jacqueline. Ich hoffe Sheppard kann ab jetzt auch hin und wieder die Kutsche ziehen, damit Jacqueline nicht so oft kotzen muss.

Ich denke dass wir hier auf der Puder-Rosa-Ranch noch viele vergnügliche Abende verbringen werden.


[Aus den Übersetzungen der Aufzeichnungen des Indianers Winnetouch]





Nachwort:

Dies sind alle Aufzeichnungen, die uns bis zum heutigen Tag von Rodders McKay vorliegen. Wie aus den Tagebucheinträgen seiner Nichte Madison hervorgehen, verbrachte er den Großteil seiner restlichen Lebenszeit auf der Puder-Rosa-Ranch, unterbrochen nur durch einige „Zwischenfälle“ in die größtenteils Winnetouchs Zwillingsbruder Abahachi und dessen Blutsbruder Ranger verwickelt waren (mit denen Madison einen Großteil ihrer Zeit verbrachte).

Rodders und Winnetouch, sowie Sheppard und Jacqueline hatten ansonsten, laut Madison, ein recht schönes, entspanntes und zitrusfrüchtefreies Leben, bei dem sich die beiden Nervensägen überraschenderweise gegenseitig recht wenig auf die Nerven gingen.

Bedanken möchten wir uns bei allen Lesern, die sich für dieses historische Werk begeistern konnten und hoffen, dass sie die Wahrheit irgendwo aus den, doch teilweise etwas widersprüchlichen, Textstellen für sich herausfiltern konnten.
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